Manche glauben das. Es gibt im Lager der esoterischen Weltanschauungen zum Beispiel die Meinung, alles sei irgendwie göttlich; Alles habe irgendwie etwas Göttliches. Ganz am Ende würde alles in einer großen Einheit wieder zusammenkommen. Nach der Meinung mancher haben wir in unserem Geist und in der Gabe der Liebe einen Funken Göttlichkeit mitbekommen. Viele Varianten gibt es da.
Wenn Thomas von Aquin das „negative" Sprechen von Gott erwähnt, will er damit – unter anderem – sagen, dass keine Rede von uns Gott wirklich bezeichnen kann. Das bedeutet zugleich, wir können Gott selbst nicht sehen, nicht hören, nicht ertasten. Das liegt daran, dass Gott überhaupt nicht wie wir ist. Gott „ist" nicht, Gott ist vor allem nicht „in der Welt". Gott „braucht" die Welt auch nicht, um irgendwie zu sich zu kommen. Er ist der ganz Andere, total Freie und Unveränderbare. Gott ist absolut, heißt das.
Damit ist die große Grenze zur Esoterik gezogen. Ihre Richtung, die sagt, alles sei irgendwie göttlich oder Gott, nennt sich Pantheismus. Wobei „pan" im alten Griechisch „Gott" heißt und „theos" bekanntlich „Gott". Pantheistisch meint also, dass Teile von Gott in der Welt ist.
Das Christliche ist weit davon entfernt das anzunehmen. Hier dürfen Gott und wir unsere Freiheit behalten.
Der heilige Thomas stellt fest, dass zwischen Gott und uns sogar ein „unendlicher Abstand" offen bleibt. Diese unendliche Weite tut sich dadurch auf, dass Gott wirklich so ganz anders ist. Reale Nähe kann man nur da feststellen, wo es etwas gibt, was man irgendwie miteinander vergleichen, beieinander sehen kann.
Wir haben jedoch auch schon gesehen, dass „Schöpfung" unentwegte Seinsgabe durch Gott selbst bedeutet. Gott spricht jederzeit sein „Ja, es ist gut" zu unserem Dasein. Dadurch ist er uns auf geheimnisvolle Weise näher als wir uns selbst je sein können, sagt Augustinus.
Gott ist uns zugleich unendlich nahe und zugleich bleibt er uns fern, weil er so anders ist.
Hat die Welt etwas Göttliches?
Im biblischen Bild ist die Kirche eine Braut und Gott der Bräutigam. Übrigens einer, der sich nicht scheiden lässt...





