Der fünfzehnte August ist für die gesamte katholische Weltkirche ein hoher Feiertag, ein Hochfest in Weiß. Der Papst hatte sich jahrelang in allen Diözesen der Welt erkundigt, ob es wirklich zum Glaubensgut der katholischen Kirche gehöre. Dann verkündete er am ersten November 1950 als verbindliches Dogma, dass Gott die Mutter Jesu nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen hat.
Die Ostkirche feiert das Fest bereits seit über anderthalb Jahrtausenden. In der westlichen katholischen Kirche ist es bereits seit dem siebten Jahrhundert als Fest belegt.
Logisch gesehen ist das Fest der leiblichen Aufnahme eine Vollendung des Festes der Unbefleckten Empfängnis. Hier feiern wir die Neue Eva (Teile 27 und 29 unserer Reihe): Gott hatte Maria von Beginn ihres Daseins an ebenso rein und urteilsfähig erhalten, wie Eva gewesen war, als sie ihr Nein zur Freundschaft mit Gott gesprochen hatte. Das hatte Tod und Verwesung für die Menschen bedeutet.
Maria sprach ihr freies „Ja, an mir geschehe, was Du gesagt hast“ zu Gabriel, dem Engel, der sie in Gottes Namen fragte. Somit blieb sie die Eva, bis zum Schluss. Sie hatte nicht „verdient“, dass sie stürbe.
Paulus schreibt im Römerbrief, dass durch die Sünde des einen Menschen der Tod in die Welt kam, der wiederum alle Menschen erreichte, weil auch alle sündigen. (Röm 5,12) Die großen Kirchen im Osten und im Westen verkünden feierlich, dass Maria, die Mutter Jesu, um ihres Sohnes willen die eine große Ausnahme der gesamten Menschheitsgeschichte ist.
Das Verderben kam durch die Schwäche einer Frau in die Welt. Die Geschichte der Heilung durch Jesus sollte durch die Stärke einer Frau ihre Vorbereitung bekommen.
Deshalb ist Maria jetzt auch der „Prototyp“ der letzten Vollendung bei ihrem Sohn. Sie ist jetzt schon ganz und gar, was alle Erlösten einmal sein werden: Mit Leib und Seele bei Gott, bei Ihrem Sohn und allen Geliebten.





