Wer also ist Christus? Das Johannesevangelium ist in seiner Einleitung völlig eindeutig. Da steht: „Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden. Aber die Welt erkannte ihn nicht." (Joh 1,10) Jesus ist Gott; Gott und Mensch zugleich, wahrer Mensch und wahrer Gott. „Ich und der Vater sind eins", sagte Jesus den Menschen (Joh 10,30) und: „Wer mich sieht, der sieht den Vater". (Joh 12,45)
Wir werden sicher noch viel über dieses Geheimnis der Menschwerdung Gottes sprechen müssen, um es möglichst tief zu verstehen. Gewöhnen wir uns aber schon mal an die gewaltige Aussage. In Jesus ist das Unglaubliche wahr und wirklich geworden: Gott nahm einen menschlichen Körper und eine menschliche Seele an und betrat höchst persönlich seine Erde. Dieser Gottmensch war es dann auch, der am Kreuz sein Leben dahin gab. Erst wenn wir das betrachten, kann uns die Tragweite des Kreuzes überhaupt aufgehen. Und das sollte sie, weil sie uns etwas angeht.
Die heiligen Mystiker beschreiben ein heiliges Staunen und Erschaudern der Engel und aller Geschöpfe, die dieser Tatsache ansichtig werden. Die Christen sollten die Menschwerdung niemals als eine Selbstverständlichkeit annehmen oder als etwas, an das man sich gewöhnen kann.
Als der heilige Paulus noch nicht heilig war und die Christen verfolgte, berief Jesus ihn, in dem er ihn zu Boden warf. Dabei sagte sagte er: „Ich bin Jesus, den Du verfolgst." (Apg 9,5) Das war lange nach Ostern. Jesus offenbarte sich dem späteren Apostel so eindeutig, dass dieser sein ganzes Leben völlig umbaute. Diese Kraft sollte die Botschaft für das Leben eines Christen haben: Sie sollte imstande sein, ganze Leben zu verändern.





