Launen sind ungerecht und der launische Mensch tut Unrecht, wenn er seine Laune hat. Recht tun heißt, das Rechte tun und für den andern tun, was er verdient.
Eine liebe Frau verdient es einfach nicht, morgens von einem ekelhaften Kerl herunter gemacht zu werden, nur weil dieser ekelhaft ist. Das verdient sie nicht; jedenfalls nicht, wenn sie lieb ist. Deshalb ist der Morgenmuffel ungerecht.
Gerecht ist, liebenswürdig auf Liebenswürdigkeit zu reagieren; streng zu sein, wenn die Sache es fordert und mild, wenn eine andere das verlangt. Der Morgenmuffel tut das Falsche und zwar immer, wenn er muffelt. Seine Laune kann ja nicht passende Strenge genannt werden. Sie kommt ja aus der Laune, nicht aber aus der Ruhe guter Abwägung.
Nun ist ein zweites Kennzeichen des Morgenmuffels, dass er "eigentlich" ein feiner Kerl ist. Mit anderen Worten: Man erkennt den Morgenmuffel auch daran, dass er mittags nicht mehr muffelt, und abends auch nicht. Damit erreicht er, dass seine geduldigen Mitmenschen es immer noch mit ihm aushalten und es täglich neu mit ihm versuchen.
Diesen Geduldigen ist hier ein großes Lob auszusprechen; denen gehört ein Orden ans Jackett geheftet: Der Orden der Duldsamkeit! Denn anfangs entschuldigt sich der Muffel noch, mit der Zeit aber wird es zu mühsam, sowohl die Bitte um Vergebung, als auch das tägliche Besprechen und Verzeihen. Man gewöhnt sich und akzeptiert oder eben nicht. Aber es wird nie leichter.
Zuguterletzt nennt man den Morgenmuffel schwach, weil er seine Laune nicht in den Griff bekommt. Hier muß jedoch gesagt werden, dass dieses Urteil etwas ungereimt ist, das erklärt sich folgendermaßen: Der Morgenmuffel ist schwach, ohne Zweifel. Das wäre aber jeder! Denn die Laune hat Riesenkräfte und ist immer etwas stärker als das Vermögen des Betroffenen; das ist unvorstellbar für den, der diese Versuchung nicht kennt.
Der Trick: Hier muß man den Baum umsägen, bevor sein Stamm dicker ist als die Säge breit.
Der Laune muß der Garaus gemacht werden, bevor sie ihren Rauch verströmt im Herzen. Denn wenn der einmal seinen ätzenden Gestank verbreitet hat, würde niemand widerstehen können.
Jetzt wird der Leser fragen, woher sie denn nun stamme, die große Kraft der kleinen Laune. Wir geben eine christliche Antwort: Es ist ein kleines, fieses Tier, auch Haus- und Hofdämon genannt. Der redet uns was ein, versucht‘s und schafft es immer wieder.
Und wenn wir schon bei der christlichen Antwort sind, so sei auch der alte, christlicher Trick verraten: Früher beten, als der Dämon sich erhebt, nichts anderes nützt. Feuer mit Feuer bekämpfen, und zwar früher! Oder besser gesagt: Bekämpfen lassen! Für den Kampf gegen die bösen Engel sind die guten zuständig, nicht die Menschen, denn die haben schon immer verloren. Wer jetzt noch glaubt, es selbst zu können, der hat noch nicht lange genug gelitten.
Und übrigens, was vom Muffel gesagt wurde, das gilt auch von der Muffelin. Auch das; aus eigener Erfahrung.
Der Morgenmuffel
Das Wort sagt es schon: Der Morgenmuffel muffelt vorzugsweise morgens, ich weiß das alles aus eigener Erfahrung. Der Morgenmuffel ist jemand, der nur des morgens von schlechter Laune geplagt wird und sein Hauptkennzeichen ist die Ungerechtigkeit. Nachmittags bittet er um Verzeihung, für das, was er morgens (wieder mal) zuwege gebracht hat.
Antonius der Große nannte die Bibel den Liebesbrief Gottes. Was sind wir für komische Geliebte, dass wir sie nicht geradezu auswendig kennen?





