Der Kampf am Jabbok zeigt vielleicht ein Zweites: Die heilige Unverschämtheit der Geheiligten. Viele Heilige hatten sie. Jakob ringt mit Gott und handelt mit ihm. Genauer gesagt, stellt er eine Forderung. Er gehorcht nicht einfach, sondern knüpft eine Bedingung, nämlich den eigenen Segen. Der heilige Pfarrer von Ars rief, Gott liebe es, belästigt zu werden, und Romano Guardini sagte, Demut sei nicht das selbe wie Bescheidenheit. Zwei sehr unterschiedliche Männer, die im selben Glauben wussten, wovon sie sprachen. In der Heiligung unseres Alltags sollten wir uns in der Tat die heilige Unverschämtheit angewöhnen. Wunder erreicht nicht, wer vorsichtig, zaghaft und ängstlich daher kommt. Wunder erreicht, wer weiß, dass sie geschehen und sie dem Himmel geradezu abringt!
Wir sollten sicherheitshalber allerdings sehen, was die heilige Unverschämtheit von der überhaupt nicht heiligen unterscheidet. Die überhaupt nicht heilige Unverschämtheit ist faul. Sie will Lohn für nicht geleistete Arbeit und bekommen, was ihr nicht zusteht. Der unheilig Unverschämte ist vermessen. Er legt an sich selbst den falschen Maßstab und spielt sich auf als jemand, der er nicht ist. Unverschämt ist, wer sich was herausnimmt, ohne an der Reihe zu sein.
Heilig dagegen kann nur sein, was ehrlich ist, aufrichtig, gerade aus und nicht vermessen. Sich selbst nicht klein reden und nicht groß tun. Schlicht, klar, einfach und nüchtern in der Realität. Hier heraus wächst die heilige und starke Tugend der Demut. Hier heraus kann auch wachsen, was wir die heilige Unverschämtheit nennen: „Ich höre nicht auf, wenn du mich nicht segnest!“ "Der Liebe Gott hat es gern, wenn wir ihn belästigen", pflegte der heilige Pfarrer von Ars zu sagen.
„Du wirst mich nicht los, weil ich in den Himmel will!“; ein Satz aus dem Munde eines unserer Lehrer, der bereit war, für seinen Herrn alles zu tun, allerdings auch bereit, alles zu bekommen.
Also: Etwas mehr Mut! Wer Gott von Herzen lieben will, der kann hier nicht zu weit gehen. Er „fordert“, was Gott ihm zu gern geben möchte.





