Es geht um zweierlei, wenn wir den Begriff der Alltagsheiligung beim Wort nehmen: Um Heiligung und um den Alltag. Bevor das Wort Alltagsheiligung und die Sache selbst in der Kirche bekannt wurde, dachte man eher: Heiligung sei für die Menschen, die gar nicht unseren Alltag haben. Die Heiligung des Lebens schien denen vorbehalten, die sich in der besonderen Lage befinden, keinen Alltag wie wir zu haben.
„Der hat ja auch Zeit zum Trainieren", sagen wir über einen Sportprofi, der sich nach oben arbeiten konnte. „Der hat ja auch nicht um die Ohren, was wir täglich leisten müssen." Stimmt. Wir nennen das ein „Privileg" haben. Als im Ruhrgebiet die Fußballmannschaften wuchsen, prägte sich ein Spruch der Kumpel, die stolz auf ihre Mannschaften waren: „Wir verlängern unsere Schicht, um dir einen freien Tag zu reservieren, und du schießt am Sonntag für uns die Tore." Die Kumpel haben ihrem Spieler ein Privileg erarbeitet: Das Privileg, die Stunden des Alltags anders zu verbringen.
In der Kirche sind es die Ordensleute und die Priester, die das Privileg haben, sich in ihrer Arbeit und in ihrem täglichen Beten ganz und gar ihrer Heiligung hinzugeben. Allerdings auch immer im ähnlichen Verhältnis wie der Sportler im Ruhrgebiet: „Dass ich das hier kann, verdanke ich anderen. Deshalb gebe ich hier auch das Meine für sie", sagte ein junger Pater kürzlich.
Das privilegierte Leben in der Kirche stand immer in hohem Ansehen. Deshalb konnte sich der Irrtum verbreiten, das Heiligwerden komme für alle „Nichtprivilegierten" nicht in Frage. Genau das Gegenteil ist der Fall! Und das dürfen wir an uns selbst entdecken. Jeder Christ hat die Möglichkeit und – eigentlich auch die Aufgabe – zum Zeugnis in der Welt und zum Dienst an Gott ein heiliger Mensch zu werden. Um vielleicht noch ein altes Vorurteil aus dem Weg zu räumen: Weder der Weg zur Heiligkeit, noch das Ergebnis haben ein griesgrämiges Aussehen. Im Gegenteil: Das Leben in der Heiligung wird schöner, lebenswerter und vor allem freudiger, manchmal sogar spaßiger werden.
Übrigens: Spaß und Freude sind nicht immer dasselbe. Beim heiligen Thomas von Aquin gilt der Spaß als direkt verursacht, wie ein Rausch oder ein Juckreiz. Freude hat - bei Thomas - mit dem Menschsein zu tun. Der Mensch kann reflektieren, kann überlegen und wissen, dass er sich freut oder leidet. Diese Fähigkeit ermöglicht Freude. Klavierspielen macht Spaß. Richtig Freude macht es aber erst, wenn der Spieler weiß, dass seine Mutter voll Vergnügen zusieht. Die Heiligkeit dient der Freude; der Freude des Himmels und der Freude seiner selbst. Um diese Freude erreichen zu können, muss man hier und da schon mal auf einen Spaß verzichten können. Wird das Gute zur Gewohnheit macht es sicher Spaß, es weiter zu üben.





