Start Glauben Glauben im Alltag Was bedeutet Alltagsheiligung?

Was bedeutet Alltagsheiligung?

Sie bedeutet einerseits etwas für alle Christen völlig Selbstverständliches, andererseits ist sie geradezu für alle Christen ein Fremdwort. Deshalb sollten wir unbedingt über sie reden. „Selbstverständlich" ist das, was sich von selbst versteht. Man muss einen Verliebten nicht fragen, warum er sich für seine geliebte Braut schön macht. „Aber das ist doch völlig selbstverständlich", wird er natürlich antworten. Nur der versteht es nicht von selbst, der noch nie jemanden lieb gehabt hat. Genau da liegt unser Problem.
Die Alltagsheiligung ist das Selbstverständlichste von der Welt; allerdings nur für den, der sich verliebt hat. Dieses Mal nicht in einen Menschen, sondern in Gott. Wer sich in einen Menschen verliebt hat, der will ihm um jeden Preis gefallen. Wer sich in Gott verliebt hat, der will Gott um jeden Preis gefallen.
Wer einen Menschen liebt, der will sich für ihn schön machen; äußerlich und innerlich. Wer Gott liebt, der möchte das selbe. Der Wunsch und die Bemühung, Gott zu gefallen, ist der Beginn der Heiligung seiner selbst.
Im Thessalonicherbrief steht in aller Schlichtheit: „Das ist der Wunsch Gottes: Eure Heiligung." (1 Thess 4,3). An die Epheser geschrieben finden wir das Gleiche. Dort steht, in Christus habe Gott uns erwählt vor Erschaffung der Welt, auf das wir heilig seien vor seinem Angesicht. (Eph 1,3)
Wir sollten aber die Reihenfolge beachten: Als erstes steht da die Liebe. Dann kommt der Wunsch, dem Geliebten zu gefallen. Dann erst kommt die Mühe. Und in der Mühe werden wir sehen, dass sie nicht reicht. Wir werden sehen, dass wir uns selbst gar nicht heiligen können. Wir werden sehen, dass, wenn Gott nicht das Entscheidende tut, dass dann gar nichts geht. Aber davon später mehr.

Bleiben wir bei der Reihenfolge: Es kommt auf die Liebe an, und zwar auf die Liebe zu Gott. Erst aus ihr kann sich unser Wunsch entwickeln, heilig vor ihm zu leben; im ganz normalen, täglichen Alltag, an den ganz normalen Arbeitstagen.

Alltagsheiligung heißt Gott wirklich zum Freund haben. Und umgekehrt.

 
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Interessant

"Gewähre mir"

Allmächtiger Gott, gewähre mir die Gnade,
glühend zu ersehnen, was wohlgefällig ist vor dir,
es mit Weisheit zu erforschen,
in Wahrheit zu erkennen und vollkommen zu erfüllen.

 

Alltagsheiligung Da gibt es eine große, all zu menschliche Versuchung

Jeder kann heilig werden, aber nicht jeder eine heilige Birgitta oder ein heiliger Camillus. Die großen Gestalten, die alle samt die Helden der Christentum und große Persönlichkeiten sind, waren zu dieser, ihrer Heiligkeit berufen. Die göttliche Vorsehung „brauchte" in ganz bestimmter Zeit ganz bestimmte Helden. Das klassische Beispiel ist Maria, die Mutter des Erlösers. Gott hat sie für das Werk der Erlösung bewahrt und vorbereitet. Die Heiligkeit Mariens war sozusagen Chefsache. Kein Mensch hatte, wie sie, je wieder das Geschenk, um ihres Sohnes willen vor der Sünde bewahrt zu werden.


 

Alltagsheiligung. Der Kampf in der Früh

Im Buch Genesis wird die erste Entstehung Israels beschrieben. Jakob will sich mit seinem Bruder Esau versöhnen und zieht ihm mit seiner Familie entgegen. Dann folgt eine geheimnisvolle Geschichte. Jakob wird zum ersten Mal Israel genannt:

„In derselben Nacht stand er auf, nahm seine beiden Frauen, seine beiden Mägde sowie seine elf Söhne und durchschritt die Furt des Jabbok.
(...) Als nur noch er allein zurückgeblieben war, rang mit ihm ein Mann, bis die Morgenröte aufstieg.


 

Alltagsheiligung: Die Legende vom heiligen Kaiser Heinrich

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Alltagsheiligung: Die Legende vom heiligen Kaiser Heinrich


Mit der passiven Seite der Alltagsheiligung kommen wir auch darauf manches zu lassen und manches hinzunehmen, was wir „früher“ nie für nötig gehalten hätten.
Wir werden mit der Zeit zum Beispiel sehen, dass mancher Satz, der mit „ich sehe nicht ein, dass“ auf einem Stolz beruht, den wir später jämmerlich finden werden. In der Alltagsheiligung lernen wir, dass wir so tolle Könige gar nicht sind, die wir auf der Straße immer spielen.
König Heinrich II träumte einmal, dass ihm der heilige Bischof Wolfgang erschien und auf ein Grabmal zeigte. Auf ihm stand in lateinischen Worten „nach sechs“ geschrieben. Der König vermutete, nach sechs Tagen sterben zu müssen und begann fleißig, an seiner Heiligung zu arbeiten. Als er nach sechs Tagen gesund aufwachte, dachte er an sechs Wochen. Nach sechs Wochen passierte ebenso nichts, und der König fuhr freudig fort, ein besserer Christ zu werden und seine Seele in Ordnung zu bringen. Als nach sechs Monaten auch nichts geschah, freute er sich noch mehr, dass ihm sechs Jahre geschenkt würden. Als diese verstrichen waren, wurde König Heinrich die Kaiserwürde zuteil. In der Frist erkannte der König die gute Absicht Gottes: Er sollte sich nicht auf den Tod, sondern auf die hohe Würde des Kaisertums vorbereiten! Kaiser Heinrich II. starb im Ruf, ein Heiliger zu sein und wurde auch heilig gesprochen. Kaiser Heinrich war ein König geworten, der es nicht mehr nötig hatte, sich als König aufzuspielen. Genau das beobachten wir tagein tagaus bei wenig königlichen Leuten. Immer dieses groß geschriebene ICH überall! Die Alltagsheiligung legt solche Dinge offen und stellt sie ins wirklich wahre Licht.
Übrigens gibt es da einen landläufigen Irrtum, den wir sehen sollten. Kaiser Heinrich heiligte sich in seinem Alltag. Dadurch wurde er nicht nur ein guter Kaiser, sondern ebenso ein angenehmerer Zeitgenosse. Die Alltagsheiligung recht verstanden macht uns angenehmer für die Welt um uns. Riomano Guardini sagte, der Friedfertige sei nicht der Schwächling, sondern jener Starke, dessen Kraft mild geworden ist.


 

Alltagsheiligung: Die passive Seite

Das Größte, Schönste und Liebste an der Alltagsheiligung ist sicher die Freude. Sie kommt aus dem vertieften Bewusstsein, dass der himmlische Vater uns sieht, uns liebt, dass er sich um uns sorgt und dass er immer für uns da ist. Aus dieser Freude heraus komme erwächst der Wunsch auf, unsererseits auch ein wenig wieder geben zu können.

 

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