Es ist nicht nur der Papst, dem nachgerufen wird, er habe etwas „gegen Schwule". Was dem König gilt, das gilt hier auch dem Boten. Wer bekennend katholisch ist, der wird bald feststellen, was einem lieben Freund vor kurzem widerfahren ist. Man warf ihm vor, er habe etwas gegen Schwule. Dieser Vorwurf kam allerdings aus dem Mund von Leuten, die ganz massiv was gegen ihn hatten. Meinem Bekannten nützte es nicht, dass er einen homosexuell bekennenden Kollegen seinen lieben Freund nannte. Die toleranzlosen Gesprächspartner forderten mehr Toleranz, und jene, die etwas gegen ihn hatten, beklagten, er habe etwas gegen andere, was überhaupt nicht stimmte.
Es fehlte an einer Unterscheidung, die im Katholischen sehr wichtig und von großer Bedeutung ist: Die Unterscheidung zwischen Tun und Täter, zwischen Macher und Gemachtem, zwischen Sache und Person.
Jeder, der zum Beispiel weiß, dass ich ein gläubiger Katholik bin, der weiß auch, dass ich nicht glauben kann, Mohammed sei ein Prophet Gottes.
Wenn Gott seinen Sohn gesandt hat, damit dieser in seinem Sterben und Auferstehen die Welt erlöst, dann kann der selbe Gott uns nicht durch einen Propheten ausrichten lassen, Jesus sei gar nicht ums Leben gekommen.
Wenn ich den Islam für falsch und widergöttlich halte, dann sagt das nicht, ich hätte etwas gegen Muslime. Im Gegenteil. Wir müssen zwischen dem Islam und denen, die an ihn glauben, unterscheiden.
Ein weiterer Ort einer solchen Unterscheidung ist die Sünde.
Eine Mutter muss nicht aufhören ihren Sohn zu lieben, wenn dieser ein Dieb geworden ist, der sündigt. Nun ist die Homosexualität kein Diebstahl und keine falsche Religion. Man kann sie aber, nach katholischer Lehre, in sexueller Hinsicht nicht ausleben, ohne zu sündigen. Ebenso kann man auch keinen vorehelichen Geschlechtsverkehr ohne Sünde haben. Das allerdings muss überhaupt nicht bedeuten, dass Katholiken nicht doch eine tiefe, ehrliche und herzliche Freundschaft mit allen haben können, die anders tun und denken. Die Menschen um uns haben übrigens meist nicht mehr Sünden als wir, sondern eher nur andere.





