Toleranz meint eigentlich aber etwas ganz anderes. „Tolerare“ ist Latein und meint „Aushalten, Ertragen“. Der Tolerante ist also bereit, etwas zu ertragen.
Wenn religiöse Toleranz gemeint ist, dann heißt tolerant sein keineswegs, dass einem etwas egal und gleichgültig ist. Im Gegenteil, der Tolerante leidet an etwas und ist bereit, sein Leid zu tragen. Er leidet darunter, dass ein anderer eine andere Religion oder sogar keine hat. Wenn das egal ist, hat niemand was zu leiden und keiner braucht tolerant zu sein.
Ein konkretes Beispiel: Ein Christ weiß, dass sein Freund keinen Glauben hat und keinen Glauben haben will. Ob es Gott gibt oder nicht, das ist egal und wird sich später schon noch zeigen. Der Christ leidet darunter, weil er seinen Freund liebt und zugleich der Überzeugung ist, dass der Glaube etwas sehr Wichtiges ist.
Toleranz heißt in diesem Fall also: Eine Freundschaft haben und den festen Willen, diese Freundschaft in Frieden weiter zu führen, ganz gleich, welche Wahl der Freund trifft. Toleranz kann also auch eine Form der Treue sein.
Zwei Säulen hat die Toleranz hier also: Die Liebe der Freundschaft und die Leidensbereitschaft, den Freund nicht zu verlassen, wenn er etwas anderes wählt, als wir uns wünschen. Wer dagegen vorzieht, keinen eigenen Standpunkt zu haben, der kann nicht tolerant sein. Wer keine Liebe hat, dem fehlt ebenfalls etwas Wesentliches zur Toleranz.





