Es gab eine Strömung bei den Christen, die mit ziemlich viel Erfolg forderte, die Sache der Frau müsse unbedingt verbessert werden. Das müsse zunächst über den Weg der Sprache geschehen. Es kam zu Aktionen, die heute ziemlich peinlich anmuten: Man klebte Zettel in die Gebetbücher: Überall, wo „man" und nicht zugleich „frau" stand musste jetzt irgendetwas anders zu lesen sein. Wenn irgendwo „Bruder" und nicht zugleich „Schwester" stand, musste jetzt das neutrale „Geschwister" vorgetragen werden. Man und frau wunderten sich sehr.
Die Bewegung zog auch unter den Balkon des Lieben Gottes. Es sei ungerecht, wenn nur „Gott Vater", und nicht auch „Gott Mutter" gesagt werde. Bis heute gibt es christliche Prediger, die „Gott, Vater und Mutter" sagen. Wieder große Verwunderung bei denen, die nur gläubig und nicht politisch sind.
Hier allerdings bekommt die Bewegung ein Problem. In der Bibel steht nirgends, dass Gott eine Mutter ist. Jesus, der allein am Herzen des Vaters ruht und Kunde gebracht hat, nennt Gott nur Vater, nie Mutter. Das ist ungerecht, Jesus ist ungerecht, Gott ist ungerecht!
Probleme sind zum Lösen da: Die Jünger, die die Evangelien geschrieben haben, müssen Kinder ihrer Zeit und deswegen alle ziemliche Machos gewesen sein. Sie durften die Wahrheit Jesu nicht niederschreiben, sie hätten zu viel Ärger bekommen und die Schriften hätten sich nie verbreitet. In Wirklichkeit hat Gott alles anders gemeint, nämlich genau so wie wir heute. Heute weiß man das, die Wissenschaft hat es erkannt.
Das „heute weiß man das" hat wiederum ein Problem, wenn es um die Bibel geht. Wenn sie heute Gottes Wort ist, dann war sie es auch gestern und vorgestern. Wenn wir heute wissen, dass Gottes Wort eigentlich ganz anders klingen muss, als es in der Bibel steht, dann könnten wir sie eigentlich für unsere Tage neu schreiben: Die moderne Meinung, der weiß, was Gott eigentlich will, passt die Bibel an.
Hand aufs Herz: So verliert die Schrift ihre wichtige Rolle: Eine Korrektur zu sein für die jeweilige, „heutige" Meinung zu sein. Jede heutige Meinung meint, endlich die ewige gefunden zu haben. Das war schon immer ein Irrtum und wird immer ein Irrtum bleiben. Gott allein weiß das ewige; und der Bewegung wird er immer ein ungerechter bleiben: Er wurde ein Junge.





