Unter Freiheit verstehen wir Heutigen in erster Linie, dass jemand gehen kann, wohin er will und sagen kann, was er sagen möchte. Das ist aber der zweite Schritt. Wenn wir sagen, Freiheit sei, dass der Mensch etwas könne, dann setzen wir voraus, dass wir wissen, was der Mensch überhaupt ist. Es gibt zwei Arten von Freiheit. Die eine kommt von innen, die andere von außen. Wenn jemand eingesperrt ist, kann er nicht gehen, wohin er möchte. Die Mauern wurden ihm von außen gesetzt.
Die zweite Freiheit ist eher innerlich. Man kann frei sein von hinderlichen Gedanken, frei von Gewissensbissen sein, die lähmen. Eine Beziehung ist am schönsten, wenn sie frei von Belastungen sind, die wir uns angeschafft haben. Die Freiheit, die wir hier betrachten, ist zunächst die zweite Form: Eine Freiheit, die aus dem inneren Vermögen kommt. Die Marionette, die läuft, kann selbst nichts tun. Ihr Spieler muss die Fäden ziehen. Der Mensch braucht einen solchen Spieler nicht. Er ist selbständig; der kann allein stehen, ohne, dass ihm jemand helfen muss.
Der heilige Thomas teilt die Geschöpfe einmal in vier Klassen ein. Da ist der Stein, der auf der Straße liegt. Er bewegt sich nur, wenn ihn jemand anstößt. Dann kommt die Pflanze. Sie wächst schon aus einer eigenen Innerlichkeit heraus, kann aber nicht laufen. Das Tier kann schon fliehen, hat ansonsten das innerliche Vermögen, wie die Pflanze. Das sind Einteilungen der Freiheit. Freiheit bedeutet hier so viel wie inneres Vermögen haben. Je mehr das Geschöpf von sich aus kann, desto mehr ist es frei.
Der Ansatz ist ein bisschen ungewohnt. Er zeigt aber die erste Voraussetzung, die etwas haben muss, um überhaupt frei sein zu können. In der Einteilung des heiligen Thomas steht der Engel ganz oben an der Spitze der Pyramide. Der Engel ist an nichts mehr gebunden. Weil er keinen Körper hat und ganz geistig ist, deshalb ist er das Geschöpf mit der größt möglichen Freiheit. Der Mensch hat da einen ganz besonderen Platz.





