Der zweite Bewandtnis, die wir aufzählen müssen, ist der Sache nach eigentlich die erste: Gott muss erst einmal liebenswert sein.
Der Glaube sagt: In sich, immer schon und in Ewigkeit, war, ist und bleibt der Schöpfergott das Liebenswürdige schlechthin. Alles, was irgendwie wirklich liebenswert und liebenswürdig ist, ist hierin immer ein schwächeres Abbild.
Nun haben wir jedoch ein Problem mit unseren Augen: Sie sind kurzsichtig. Häufig hören wir bei den Menschen, sie können Gott nicht lieben, wenn er so ist, wie er sich uns zeigt. Gott ist der, der das Unrecht zulässt, der zusieht, wie Stürme toben, seine Geschöpfe im Elend der Welt ersticken. Einen Gott, der solches zulässt, könne man nicht lieben, weil er nicht liebenswert sein könne.
Die Aussagen scheinen sich als Widersprüche gegenüber zu stehen. Der Schöpfer, der als die Liebe selbst verkündet wird, steht auf der Anklagebank und hat sich gefälligst zu rechtfertigen. Gott wird abgewählt, wenn er sich nicht nach unseren Maßstäben verteidigen kann.
Der Fehler liegt hier allerdings nicht in Gott. Er liegt in unseren Grenzen, in unserer Endlichkeit. Könnten wir das große ganze überschauen; das gestern, heute und morgen, bis in die ewige Auflösung hinein, wir würden mit den Engeln die Herrlichkeit Gottes preisen. Unser Blick ist aber kurz und ungeduldig: Wir können nicht warten, bis die Früchte reif sind. Deshalb glauben wir nicht. Das Problem ist: Wir vertrauen dem Schöpfer nicht in das hinein, was wir nicht sehen können, was er aber schon kennt und unfehlbar sicher herbei führen wird. Es fehlt an kindlichem Vertrauen. Jesus fordert aber genau das.
Die Lehre von Gott. Gott ist liebenswert, unsere Vorstellungen können jedoch irren
Dem Menschen ist es grundsätzlich erst einmal gegeben, Gott lieben zu können. Ansonsten würde es nicht im Gebot gefordert. Das hat seine Bewandtnis freilich in zwei Umständen, die zusammen kommen müssen. Zum einen muss der Mensch die Ausstattung zur Lieben haben. Der Ausbau dieser Fähigkeit heißt Tugend. Gott muss diese Tugend geben, anders können wir sie nicht erreichen.
Bildung haben bedeutet nicht einfach nur Wissen haben. Bildung haben heißt gebildet, zu einem schönen Bild geworden sein.
Das Gegenteil von Bildung haben ist nicht Unwissen, sondern eher ungehobelt sein..





