Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, Gott als „einen Gott in drei Personen" zur verkünden. Dass Gott dreifaltig ist, haben wir von ihm selbst. Allein, weil er uns das Geheimnis anvertraut hat, allein deshalb wissen wir darum.
Was wir jedoch machen können, ist, im Nachhinein darlegen, dass es nicht unvernünftig ist, dem dreifaltigen Gott seine Dreifaltigkeit zu glauben.
Manche versuchen es so: Eine Grundaussage ist: Gott ist Liebe. (1 Joh 4,8) Und nun wieder die Frage: Was war, als es noch keine Schöpfung, keine Welt und keine Engel gab? Da gab es nur Gott allein, sonst nichts.
Gott ist also ganz allein, nur für sich, vollkommen und sozusagen schon immer ewig. Wie aber kann er dann Liebe sein und Liebe haben? Zur Liebe gehört doch immer einer, der liebt und einer, der geliebt wird; in beide Richtungen.
Zur Liebe gehört eben, dass jemand etwas oder jemanden liebt. Wenn uns verkündet wird, Gott sei Liebe, dann müssen wir so etwas denken dürfen: Dass „in Gott" immer schon ein Geliebtes und ein Liebendes, irgendwie gegenseitige Liebe „herrscht".
Wenn diese Liebe wiederum reine Liebe und reiner Gott ist, dann ist das Verhältnis des Geliebten mit dem Geliebten wieder Gott und wieder Liebe. Dann haben wir ein Drittes.
Wir müssen nicht töricht sein, um „in Gott" so etwas wie ewig pulsierende Liebe denken zu können, die „wirklich Liebe ist". Wenn Gott also Liebe ist und diese Liebe auch in Gott ist, was wir Liebe nennen, dann können wir so etwas wie Dreifaltigkeit denken.
Dennoch: Dadurch, dass Gott von sich erzählt hat, dadurch hat er keine Rätsel aufgelöst, sondern uns eigentlich noch größere aufgegeben; und zwar solche, die wir zu Lebzeiten nicht lösen können. Was die Dreifaltigkeit angeht, können wir nur ein wenig herum spekulieren. Niemals kann jemand jedoch sagen, er habe was von Gott verstanden.





