Es kommt immer wieder mal zu Gesprächen, in denen besorgte Menschen guten Willens nicht verstehen, warum die katholische Kirche so strikt dagegen ist. Das sollten wir einmal erklären.
Im polnischen Fernsehen wurde jüngst eine katholische Journalistin korrigiert, die sich strikt gegen jede Abtreibung aussprach. Die Gegner sagten, sie habe das Töten eines Körpers mit der Tötung einer Person verwechselt.
Hier genau liegt der Streitpunkt: Zerstört man nur einen Körper oder wird in der Abtreibung eine Person getötet? Darin scheiden sich die Geister. Sobald wir uns einigen, dass es sich da schon um eine menschliche Person handelt, müsste jede Abtreibung ein Mord genannt werden. Mord ist nämlich das willentliche Töten einer unschuldigen, menschlichen Person.
Wenn das, was der Zerstörung zum Opfer fällt, lediglich ein Körper und keine menschliche Person ist, dann dürften wir nicht so vehement gegen jede Abtreibung sein. Dann müsste das eine oder andere gegeneinander abgewogen werden dürfen, und das Dringlichere müsste getan werden dürfen.
Ein Gedanke. Im Jahr 1650 starb ein Mann namens René Descartes. In seinem Gefolge hatte sich eine Philosophie gebildet, nach der lediglich Menschen eine Seele haben. Alle Tiere dagegen seien nur Körper, die mechanisch funktionieren. „Kartesianische Forscher" unternahmen die grausamsten Tierversuche. Wenn die Viecher sich wanden vor Schmerzen und winselten, nahm man an, das sei alles seelenlos, nur die Funktion von Körpern. Man hatte ein gutes Gewissen wegen der Philosophie, die hinter dem Handeln stand. Heute wissen wir, dass die Forscher irrten und sich an den Tieren versündigten. Heute sind wir geneigt zu sagen, auch Hunde haben Seelen, eben Hundeseelen. Sie werden zwar keine Personen, sie haben aber so etwas wie eine achtenswerte Hundeseele.
Tiere mit Menschen vergleichen sei ferne. Aber: Heutige Philosophien sagen, wie damals die Kartesianer, Embryonen hätten noch keine Menschenseele. Sie seien noch keine Personen. Wir glauben, dass sie schlimm irren.





