Offenbaren ist ein feierliches Wort. Man sagt nicht, ein Schüler offenbart einem Schüler den Inhalt einer Federmappe. Die zeigt er ihm, und fertig. Offenbaren ist etwas anderes als zeigen. Gehütete Geheimnisse, werden offenbart. Hier wird nichts schnöde aufgerissen, sondern Einblicke werden gewährt. Die Sprache wird feierlicher, weil die Sachen irgendwie höheren Ranges sind, als die auf der Straße. Der, der eine Offenbarung empfängt, der muss dann auch einer sein, der es wert sein möchte, dass er Einblick bekommt.
Die Federmappe darf jeder sehen. Erlauben wir dagegen jedem einen Blick in unser Herz? Was wir hier offenbaren können, das gebührt nur jenen, die es zu verdienen suchen.
Nun haben wir gesehen, dass die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen bei Abraham anfing, und dass Gott begonnen hat, sich dem Adam zu offenbaren. Gott hat begonnen, sich zu öffnen. In der Genesis steht einfach: „Gott sprach zu Abraham...“. Allein dass Gott mit einem Menschen spricht, ist eine umwerfende Offenbarung. Der Islam, über den wir noch reden müssen, würde das niemals zulassen, dass jemand sagt, Gott habe mit ihm geredet. „Gott spricht nicht!“, sagte mein kurdischer Freund Jimi; im Tonfall eines „Basta!, sei mir nicht böse.“
Juden und Christen wissen, dass Gott sich nicht zu schade ist, mit seinen Kindern höchstpersönlich Kontakt aufzunehmen. Trotz seiner unendlichen Majestät, die immer und ewig unantastbar bleibt.
Gott spricht mit den Menschen. Eigentlich kennen wir das schon aus den früheren Kapiteln. Wer die Bibel ein wenig kennt, kann sagen, dass Abraham gar nicht der erste war, mit dem Gott geredet hat. Stimmt, Adam und Noah sprachen auch mit Gott. Aber erst mit Abraham begann die eigentliche Geschichte Gottes mit den Menschen. Sie sollte im wahrsten Sinn des Wortes eine Liebesgeschichte werden.





