Wenn Gott dem Menschen einen Baum in den Garten stellt, der köstlich anzusehen und zugleich verboten ist, dann wird man doch mal fragen dürfen, was das soll! Was für ein Gott wird uns hier geschildert, der seine eigenen Geschöpfe auf die Probe stellt, wie wenn man einem Kind einen Schokoladenbrunnen ins Zimmer stellt mit der Auflage: "Wenn Du davon isst, hast du keinen Papa mehr!" Ich habe mich das jedenfalls lange gefragt und die Antworten, die man mir gab, konnten mich nicht beruhigen.
Später habe ich beim heiligen Thomas einen Gedanken gelesen, der mein Wägelchen sozusagen auf die Schiene der Versöhnung gesetzt hat. Er schreibt, Gott habe den Baum da hinein gesetzt, damit die Menschen ein Gebot hatten, das sie nur aus einem Grund halten sollten: Weil Gott es gesagt hatte!
Eine Sache sollten die Menschen einhalten, nur weil Gott es wollte, keine weitere Erklärung. Wenn das stimmt, dann kann der Baum auch als die einzige Möglichkeit im Paradies gesehen werden, Gott sein Vertrauen zu beweisen! Endlich, das war die Lösung.
Der Mensch hat ein natürliches Bedürfnis, dem zu danken, die ihm Gutes tut. Er hat ein natürliches Bedürfnis, den zu ehren, der für ihn in die Bresche springt. Es gibt ein natürliches Bedürfnis der Liebe, dem Geliebten etwas Gutes zu tun und ihm zu dienen. Der Blumenstrauß, den eine Frau bekommt, ist dann erst dann echt, wenn hinter der Gabe eine wirkliche Lust stand, die Frau zu beschenken. Da muss eine Lust sein, für die Geliebte etwas auszugeben, etwas von sich für sie zu verschenken.
Dem Schöpfer kann man keine Blumen schenken, sie gehören ihm schon immer, weil die ganze Welt ihm gehört. Gott kann man wohl danken, sicher. Man kann ihm aber nichts wirklich geben, das ist unbefriedigend. Der Baum im Paradies war eine Möglichkeit, ihm alles Vertrauen zu geben, ihn anzuerkennen, im mit Lust zu gehorchen und ihm sein Geheimnis zu lassen. Rechter Gehorsam ist eine Form der Liebe.





