Abtreibung. Das Verschweigen
Wer die Detektivgeschichten des Gilbert Chesterton kennt, in denen ein gewisser, etwas schusseliger Pater Brown die Ermittlung übernimmt, der weiß, dass der Autor einen Lieblingsgedanken hat: Der kleine Priester, der ungezählte Stunden im Beichtstuhl verbracht hat und ganz bei den Sorgen der einzelnen, kleinen Leute war, der kennt die dunklen Seiten des Menschseins und der Menschheit.
Der Gedanke passt zu unserem traurigen Thema. Bislang reden wir, wie meistens alle drüber reden: Von der Theorie her, vom Allgemeinen.
Wir sprechen darüber, wie „man" sich verhalten soll, was „wir" tun sollten, was „zum Menschen" gehört, was überhaupt gut, schlecht und was Sünde ist.
Wer aber kompetent und vollständig von der Abtreibung reden möchte, der muss dort hinhören und sehen, wo Pater Brown im Beichtstuhl sitzt. Nur dort kommt das Verschwiegene ans Ohr; das, worüber peinlich ist zu sprechen und das, worüber nicht gesprochen werden soll und darf.
Immer, wenn eine massive Unrechts-Ideologie, bzw. schon Diktatur, am Werk ist und regiert, kann man das sehr deutlich dort sehen, wo verboten wird, dass gewisse Wahrheiten am Werk sind.
In der ehemaligen DDR durfte die Wahrheit über die katastrophale Wirtschaft nicht gezeigt werden.
Überhaupt bei den Kommunisten dürfen keine Kameras in die Gefängnisse.
Bei den Nazis dürfen die ganzen anderen Grausamkeiten nicht ans Licht, sondern, wie in jeder ideologischen Diktatur, nur die brave, heitere Anständigkeit eines an der Nase herum geführten Volkes.
In unserer Kultur des Todes darf nicht an die Oberfläche, welch unsägliches Leid die Abtreibung nach sich zieht. „Wir haben abgetrieben", titelt eine große deutsche Zeitung und zeigt viele bekannte, lächelnde Gesichter. Die „Geht-doch!"- „läuft doch alles"-, „was soll's denn"- Mentalität ist verordnet. Kein Wort von den Riesenzahlen des Traumas, in das unzählige Frauen nach der Tötung fallen. Kein Wort von den Tränen des Nichtfertigwerdens. Gut und schade, dass die Beichtstühle so verschwiegen sind.
Es gehört zu den Aufgaben des Priesters und überhaupt zu den apostolischen Seelen, die Braut für die Ankunft des Bräutigams interessiert zu machen.





