
Ich halte es nicht für unproblematisch, den Teufel zu einem hübschen Tierchen zu verniedlichen.
Mit der Frage „Glauben Sie an den Teufel?“, stürmten gestern ein paar Schüler meinen Arbeitsplatz. Sie kamen aus der zehnten Klasse gerannt und waren in einem ihrer Unterrichtsfächer eher nebenbei auf das Fegefeuer zu sprechen gekommen. Jetzt kamen sie mit ihrer Frage.
Es war, wie immer nur wenig Zeit, und ich konnte nur eine kurze Antwort geben. Die lautete „Ja und nein“, mit einer all zu knappen Erklärung. Dass sie wieder kommen würden, wusste ich. Das tun sie nämlich immer, wenn man eine Antwort gibt, die wohl eine ist, die zugleich aber unbefriedigend ist und noch mehr Fragen offen lässt, als gestellt wurden.
Ja, ich glaube an den Teufel, wie ich glaube, dass es Heuschrecken, Lastkraftwagen, Mathebücher und den Mobiltelefone gibt; die reine Existenz also.
Ich glaube nicht an den Teufel, sobald Glauben etwas mehr meint. Wenn ich einem meiner Schüler, der vor einer schweren Aufgabe sage, ich glaube an ihn, dann bestätige ich ihm nicht, dass sein Vater ihn gezeugt und seine Mutter ihn geboren hat. Mit meinem Satz schenke ich ihm etwas. Ich gebe ihm mein Vertrauen, ich setze auf ihn und versuche ihn mit meinem Zuspruch zu motivieren. Diese Art Glauben investiert etwas in eine Person, und dieses Glauben verweigere ich dem Teufel, ebenso, wie ich einem Extremisten nicht bereit wäre, eine Waffe in die Hand zu drücken. Mit dem Teufel spricht man nicht und über ihn nur wenig!
Die Frage meiner Schüler zielte eigentlich nur auf die reine Existenz: Ob ich glauben würde, dass es den Teufel gibt und fertig. Von daher hätte es gereicht, wenn ich die zweite, tiefere Weise des Glaubens gar nicht erwähnt hätte. Mir hätte jedoch nicht gereicht, nur sie zu geben.
Wenn ein Kind seine Mutter fragt, ob es die bösen Menschen gibt, die die Kleinen entführen, dann wird sie nicht nur ja sagen. Sie wird sich zugleich beeilen zu sagen, dass ihr Kind auf keinen Fall mitgehen dürfen, wenn ein Onkel mit Schokolade winkt.
Es gibt nunmal Dinge, deren reine Existenz gleich zur Aufgabe werden. Wenn jemand gegen sein bisheriges Vermuten herausfindet, dass ein vermisstes Familienmitglied doch noch lebt, dann reicht es nicht, wenn er das nur weiß. Er verspürt sogleich so etwas wie eine heilige Pflicht, herauszufinden, wo es sich aufhält, um Kontakt aufzunehmen.
Mit Gott ist es ähnlich. Ein Atheist, der die Anwesenheit Gottes in seinem Leben entdeckt, wird die Auskunft der Existenz nicht reichen. Er wird sogleich überlegen, wie er mit seinem Leben darauf antwortet. In diesem Sinn sagt der heilige Thomas, religiös sein bedeute immer auch, dem Schöpfer die ihm zukommende Ehre zu erweisen. In Sachen Teufel stellt sich das sozusagen negativ dar. Das Ahnen oder Wissen um seine Existenz fordert eigentlich sofort den Entschluss, ihm jede Zusammenarbeit zu verweigern.
Es reicht also nicht, nur zu sagen, ob es den Teufel gibt. Man sollte gleich dazu sagen, was er für einer ist, was er vor hat und wie es mit seinen Möglichkeiten bestellt ist. Deshalb darf die Antwort hier nicht zu kurz sein; man sollte eine Fortsetzung provozieren. Ich bin gespannt, wann meine jungen Freunde wieder kommen.
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