Die Heiligkeit ist sichtbar. Sie zeigt sich aber, wie sie will, nicht immer, wie man es erwartet.

Darstellung des heiligen Kirchenlehrers Bonaventura, eines Freundes und Kollegen des heiligen Thomas von Aquin.
Die Heiligkeit ist sichtbar. Sie zeigt sich aber, wie sie will, nicht immer, wie man es erwartet.

Darstellung des heiligen Kirchenlehrers Bonaventura, eines Freundes und Kollegen des heiligen Thomas von Aquin.
Der Philosoph Friedrich Nietzsche soll über die Christen gesagt haben, sie müssten ihm eigentlich erlöster aussehen. Wahrscheinlich hat er Recht; Grund dazu hätten sie.
Schließlich sind die Christen erlöst, oder besser gesagt, sie sind diejenigen Menschen auf der Welt, die wissen, dass sie erlöst sind. Von daher dürften sie eigentlich oftmals etwas fröhlicher gestimmt sein, als sie daher kommen. Sie sind es aber nicht.
Zur Ehrenrettung kann man sagen: Die Millionäre auf der Welt haben auch nicht gleich bessere Laune, obwohl sie eigentlich deutlich weniger Sorgen haben dürften. Wenn Onkel Theo sich plötzlich sein Leben lang kaufen könnte, was immer er möchte, ich glaube, er hätte die ersten Wochen ein breites Lächeln auf den Lippen. Wahrscheinlich würde er sich nach einiger Zeit allerdings wieder in die Schar der schlecht gelaunten Nachbarn einreihen und genau so brummelnd Samstag für Samstag den Rasen mähen wie zuvor.
Offenbar nützt weder Geld noch das Erlöstsein der allgemeine Laune. Was das Geld angeht, ist das schnell erklärt. Die Reichen der Welt stellen in aller Regel schnell fest, dass alles Geld der Welt einem die großen Sorgen nicht abnimmt. Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens lassen sich zudem nicht kaufen, und Freundschaften können mit Geld auch nicht besorgt werden.
Die Frage, warum die Christen nicht besser gelaunt sind, ist nur auf einen ersten, schnellen Blick schwieriger. Die Antwort sickert bald durch: Die Christen sind wohl erlöst und wissen, dass sie erlöst sind. Sie wissen aber in aller Regel nicht, was Erlösung bedeutet. Der Christ unserer Tage ähnelt einem Menschen, der Geld in der Tasche hat und nicht weiß, dass er damit bezahlen kann.
Das ist übrigens der stärkste Grund für meine Vorliebe für die Heiligenverehrung. In der Bibel steht, dass wir heilig werden sollen. In den Büchern der Heiligen stehen unzählige Beispiele dafür, dass wir es wirklich werden können. Wir sollten viel über die Heiligen sprechen und die Bücher über sie nicht zu selten neu auflegen. Das gilt besonders für die Kinder, die Vorbilder brauchen.
Wenn auch nicht viel fürs Bloggen überbleibt: So viel Zeit muss sein:
Meinen lieben Lesern und allen, die hier aufkreuzen ein schönes Wochenende!
Heute mit einem GuteLauneVideo von den, wie ich finde, talentierten Leuten von
Viva Brother.
Hatte heute gar keine Zeit, mich auf der Blogozese umzusehen. Vielleicht ich bin der erste?!
Die Sendung mit der Maus beim Papst. Sehr süß!

Der Oberlehrer meint: Was mit fremden Wörtern erklärt wird, bleibt unverstänlich.
Es gibt Aussprüche, die einem im Hals stecken bleiben. Einer bleibt mir unvergesslich, obwohl er an sich meistens sehr harmlos daher kommt. Es ist der Zusammenhang, der mir den Schrecken in die Glieder jagte.
Mir hat jemand gesagt, er habe mit dem Lieben Gott ein Abkommen geschlossen. Er gehe nicht in sein Haus, also nicht zur Kirche. Dafür solle Gott versprechen, dass er ihn auch in Ruhe lasse und für immer aus seinem Leben verschwinde. „Funktioniert prima!“, sagte mein Gesprächspartner lächelnd, und das ist der Satz, der mich erschaudern ließ.
Funktioniert prima“ ist normalerweise ein Satz von Licht und Helligkeit. Fast immer signalisiert er Erfolgsmeldungen, zum Beispiel, wenn jemand etwas repariert hat.
Hier aber war es anders. Hier signalisierte er mir die Totalkatastrophe eines Daseins. Mir wurde unheimlich und mir geht die Szene bis heute nicht aus dem Kopf: Was ist nur, wenn Gott sich ein Leben lang an die Bitte meines Gesprächspartners halten würde? Ich glaube, an dem Tag habe ich zum ersten Mal gehofft, dass Gott ein Gebet bitte nicht erhören möge.
Ich erinnere mich an einen Ausspruch des in der Mystik sehr erfahrenen, heiligen Pfarrers von Ars. Der sagte, bei Gott sei es niemals unheimlich. Hier, an der Schwelle der Gottverlassenheit, war mir wahrhaft unheimlich zumute.
Als mir einmal ein Satanist schilderte, was er in seinem Glauben und mit seinen Leuten veranstaltete, war mir ebenfalls unheimlich. Da gab es allerlei Riten, bei deren Schilderung mir derart unwohl wurde, dass ich nach kurzer Zeit das Thema zu wechseln wünschte.
Wann immer ich solcherart Begegnungen habe, folge ich dem Tun meiner Mutter und eile in die nächstbeste Kirche, um eine Kerze anzuzüngen und mich ein wenig im Haus Gottes aufzuhalten. Theologie betreiben nützt da nichts. Hier geht es um das Gemüt, um geistliches Ausruhen. Manchmal braucht es einfach den schlichten Vollzug kindlichen Glaubens: Zur Mutter unter den warmen, weiten Mantel laufen, und dort bleiben, bis die Stürme vorüber gezogen sind.
Wo der heilige Thomas von der göttlichen Vorsehung schreibt, gibt es einen Gedanken, der mir auch lange nicht aus dem Kopf ging und der mir damals unheimlich wurde. Es hieß dort dem Sinne nach, dass Gott bei denen, von denen er sicher weiß, dass sie sich trotz aller seiner Bemühungen nie bekehren, schon vorher beschließen kann, sie zu verlassen. Das bedeutet, es kann eine totale Gottverlassenheit schon in diesem Leben geben.
Jesus sagt, er sei der Weg, die Wahrheit und das Leben. Wenn das wahr ist (was ich glaube), dann kann es sein, dass jemand lebt ohne zu leben. Wenn das wahr ist, dann kann es sein, dass jemand sein Leben führt, ohne das wirkliche Leben zu haben.
Ich fürchte, bei meinem Gesprächspartner war das so, auch wenn er mich anlächelte. Bei den Satanisten dürfte das auf jeden Fall zutreffen. Sie teilen ja unseren Glauben an Gott, ohne sich auf seine Seite schlagen zu wollen.
Ich bin mir sicher, dass die Esoterik, über die wir hier reden, auf vielen wegen ganz in diese Richtung weist.
Lange keine hübschen Tierbilder mehr gehabt…

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Der Oberlehrer meint: Was mit fremden Wörtern erklärt wird, bleibt unverstänlich.
Vermutlich ist kaum jemand je so genau gewesen in seinem Sprechen, wie der heilige Thomas von Aquin. Wann immer er von einer Sache redet, versucht er sie so gut es geht, genau auf den entscheidenden Punkt zu bringen. Das ist ohne Zweifel eine hohe und seltene Kunst.
Man kann ellenlang von einem Auto schwärmen. Wenn man dabei nicht irgendwann darauf zu sprechen kommt, dass es vor allem zum Fahren da ist, bringt man ihn nie auf den Punkt.
Wer bei einer Golftour nach Sardinien nur vom Strand, vom Hotel und den teuren Getränken schwärmt, ohne irgendwann auf das Golfen zu kommen, der mag viel erzählen; er verfehlt das Thema.
Der heilige Thomas weiß darum und sagt öfter, es gibt immer ein Spezifikum, eine Sache, die zentral genannt gehört. Beim Auto ist es das Fahren, bei der Golftour das Golfen.
Beim Engel ist es weder sein Glanz, noch seine Mächtigkeit, noch seine Größe. Es ist auch nicht seine Zuneigung oder sonst etwas. Beim Engel ist es sein besonderes, dauernd bestehendes Verhältnis zu Gott.
Jesus deutet einmal an, dass jeder Mensch einen eigenen Engel hat. „Wehe dem, der einem von den Kleinen verachtet“, sagt er, „ihre Engel schauen allezeit das Angesicht Gottes!“ (Mt 18.10)
Romano Guardini deutet diese Stelle und sagt einen geheimnisvollen Satz: Die Engel zeichnen sich dadurch aus, dass sie zugleich bei Gott und bei uns Menschen sind.
Das bei uns sein ist dabei nicht das Besondere. Bei uns sind viele. Bei mir sind meine Freunde, bei mir ist auch der Hund meines Nachbarn, wenn ich bei ihm im Garten stehe.
Beim Engel ist entscheidend, dass er nicht einfach nur bei uns, sondern gerade auf eine Weise bei Gott ist, die ganz besonders bleibt und die ihn sozusagen auf den Punkt bringt.
Dass die Engel in den Esoterikläden hell leuchten, mag hübsch sein. Dass dieses Licht übernatürlich scheint, geht schon in die richtige Richtung. Wenn aber nicht vor allem besungen wird, dass genau das eben das ganz andere Licht Gottes ist, dann bleibt das Thema verfehlt. Was den Engel hier besonders ausmacht, darauf würde ich gern bald zu sprechen kommen. Jetzt drängt sich allerdings erst ein Gedanke aus meinem ersten Kapitel über die Engel auf.
Was ist, wenn die Engel nicht so selbstverständlich aufrichtig sind, wie von den Esoterikern immer so naiv angenommen wird? Es heißt immer, die Engel seien überaus mächtig und uns in dieser Mächtigkeit um Längen überlegen. Was ist, wenn sie mächtig genug sind, uns zu täuschen und an der Nase herum zu führen? Was ist, wenn sie imstande sind, uns, wie den kleinen Pinokkio in ein Schlaraffenland zu führen, das sich am Ende als eine Hölle voller Sahne entpuppt? Was ist, wir nicht von Anfang an klar ist, dass aus den Engeln nicht das Licht Gottes, sondern das eines anderen leuchtet, und wir das vor oberflächlicher Begeisterung gar nicht merken?
Die Christen haben immer behauptet, dass möglich ist, worauf die Esoteriker in ihrer Naivität nicht einmal kommen: Dass größte Vorsicht geboten ist im Umgang mit den übernatürlichen Kräften.
Die Kunst des heiligen Thomas, die Dinge auf den Punkt zu bringen, braucht hier eine Art praktische Anwendung: Es muss klar sein, wessen Bote der Engel in Wirklichkeit ist und wessen Licht wirklich aus ihm leuchtet. Schließlich sind wir in seinem Angesicht versucht, sich ihm anzuvertrauen.