Vor ein paar Tagen hatte ich einen meiner jungen muslimischen Freunde bei mir im Auto. Wir hatten etwas Berufliches zu erledigen und sprachen über Gott und die Welt, mit Betonung auf das Erste von beiden. Nach kurzer Zeit kamen wir auf das Gebet zu sprechen. Mein Freund fragte, was wir Christen eigentlich sagen, wenn wir beten.
Bevor ich lange ins Erzählen geriet, fiel mir ein, dass ich das Gotteslob in meiner Mittelkonsole liegen hatte. Ich zeigte drauf und sagte: “Schlag mal auf, die Seite ziemlich vorn, die mit dem Eselsohr, wo das Bildchen liegt. Unten links beginnt ein Gebet, das mir eins der allerliebsten ist.”
Er schlug auf und las. Er las lange und sehr aufmerksam. Nach einigen Minuten der Stille schlug er das Buch sichtlich nachdenklich zu und sagte:
Das muss ein großer Mann geschrieben haben! Damit war das Gespräch beendet, weil jedes weitere Wort überflüssig geworden war.
Er hatte das “concede mihi” aus der Feder des heiligen Thomas gelesen. Das geht so:
Allmächtiger Gott, gewähre mir die Gnade,
glühend zu ersehnen, was wohlgefällig ist vor dir,
es mit Weisheit zu erforschen,
in Wahrheit zu erkennen und vollkommen zu erfüllen.
Ordne meinen Lebensweg zu Lob und Ehre deines Namens.
Lass mich deinen Willen erkennen und erfüllen,
so wie es sich gebührt und meiner Seele Segen bringt.
Lass mich in Glück und Unglück treu zu dir stehen,
im Glück demütig, im Unglück stark und ungebeugt.
Nur was zu dir mich führt, soll meine Freude sein;
nur was von dir mich trennt, soll mich betrüben.
Gib, dass ich niemand zu gefallen suche
und keinem zu missfallen fürchte als dir allen.
Was vergänglich ist, o Herr, das sei gering in meinen Augen;
doch kostbar sei mir alles, was dein ist, um deinetwillen;
und über alles andere sollst du selbst mir kostbar sein, o Herr, mein Gott.
Jede Freude ohne dich sei mir zuwider;
lass mich nichts suchen als dich allein.
Für dich zu arbeiten, sei meine Freude,
und eine Ruhe ohne dich sei eine Last.
Gib, das ich oft mein Herz zu dir erhebe
und mit Reue und erneutem Vorsatz Sühne leiste, wenn ich gefehlt.
Lass mich gehorsam sein ohne Widerspruch,
arm im Geiste ohne Niedrigkeit der Gesinnung,
rein ohne Flecken,
geduldig ohne Klage,
demütig ohne Verstelllung,
froh ohne Maßlosigkeit,
traurig ohne Kleinmut,
ernst ohne Anmaßung,
rührig ohne Oberflächlichkeit,
wahrhaft ohne Trug.
Lass mich Gutes tun ohne Überheblichkeit.
Lass mich den Nächsten ermahnen ohne Hochmut
und ihn erbauen in Wort und Beispiel ohne Falschheit.
Gib mir, o Herr, ein wachsames Herz, das kein leichtfertiger Gedanke von dir ablenkt,
ein edles Herz, das keine unwürdige Leidenschaft erniedrigt,
ein gerades und aufrechtes Herz, das kein gemeines Streben auf Abwege führen kann,
ein starkes Herz, das keine Trübsal beugt,
ein freies Herz, das sich von keine bösen Macht beherrschen lässt.
Schenk mir, o Gott, Verstand, der dich erkennt,
Eifer, der dich sucht,
Weisheit, die dich findet,
einen Wandel, der dir gefällt,
Beharrlichkeit, die gläubig dich erwartet,
Vertrauen, das am Ende dich umfängt.
Lass mich, o Herr, deine Strafen hienieden tragen im Geist der Buße
und deine Wohltaten recht gebrauchen durch seine Gnade.
Lass mich deine Freude einst im Vaterland genießen
durch deine Herrlichkeit, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.




























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