
Wer die Piusbrüder nicht will, weil er das nicht mehr will, der sollte sich fragen, ober er die Kirche überhaupt braucht.
Ich bin gebeten worden, etwas über die Piusbruderschaft zu schreiben und habe das erst einmal abgelehnt. Dann reute es mich und ich ziehe meine Ablehnung hiermit zurück. Ich kann allerdings nicht versprechen, dass ich der Bitte, die mir gestellt wurde, befriedigend nachkomme. Das mit dem “etwas” liegt mir zu wenig.
Meiner Ansicht nach eignet der Piusbruderschaft zum Beispiel etwas Sektenhaftes. Ich würde das aber nie schreiben können, ohne lang und breit zu erklären, was ich unter einer Sekte verstehe.
So lange ich theologisch denken kann, bin ich mir zugleich in nichts so sicher, wie in der Ansicht, dass die Piusbruderschaft eine innerliche Heiligkeit besitzt, die der Kirche eigentlich nie verloren gehen dürfte. Auch davon könnte ich nicht schreiben, ohne lang und breit zu erklären, worin diese Heiligkeit besteht.
Mit den Piusbrüdern geht es mir ein bisschen, wir Henryk Broder mit dem Papst. Broder hat nicht nur als Jude eher wenig mit dem Papst gemein. Er vertritt auch journalistisch jede Menge illustre Ansichten, die kaum unter den päpstlichen Hut zu bringen wären, der ihm vorschwebt. Zugleich sagte er aber, der Papst sei ihm wichtig, weil er offen und medienwirksam von der Existenz des Bösen in der Welt spreche.
Ähnlich geht es mir mit den Piusbrüdern. Sie äußern Ansichten, die mir zu oft einfach nicht die Kehle herunter wollen. Auf der anderen Seite trauen sie sich von Dingen zu sprechen, die einfach zu wenige sagen würden, wenn sie sie nicht sagten.
Etwas weltlich ausgedrückt sind mir die Piusbrüder ungefähr so bedeutsam, wie die Grünen und die Piraten: Lasst sie bitte laut und deutlich mitreden und nehmt sie fest in die Mitte. Gebt ihnen aber um Himmels willen niemals einen Posten zum regieren!
Unser Herr und Meister erzählt im Neuen Testament der Welt ein berühmtes Gleichnis, in dem er die Gaben Gottes mit menschlichen Talenten vergleicht. Er lobt die, die ihre Talente mutig einsetzen und beschreibt vor allem den Unwillen Gottes denen gegenüber, die ihre Talente lieber vergraben, als sie zu nutzen.
Die Prediger, denen ich in der Regel lausche, mögen mir verzeihen, wenn ich sage, dass ich noch nie bei einer Ansprache über dieses Gleichnis den Eindruck hatte, dass der Redner verstanden hätte, was gemeint ist. Die Piusbrüder würden es sofort auf den Punkt bringen, da bin ich mir sicher.
Alle Welt predigt über die berühmte Stelle, und alle Welt fordert die geduldige Jugend in den Kirchenbänken auf, ihre Talente zu nutzen. Sie sollen etwas aus ihrem Leben machen. Sie sollen mit Mut in die Welt hinaus ziehen und beherzt Selbstbewusstsein tanken, weil der Liebe Gott sie mit vielfachen Gnaden beschenkt hat, mit denen sie brave, gute Menschen werden können.
Das mag alles seine Richtigkeit haben. Es bleibt aber so unverbindlich, wie die meisten Predigten, die uns jede Woche zugemutet werden: Sie kommen einfach nicht zur Sache! Sie kommen nicht zur Sache, solange nicht zugegeben wird, dass Christus nicht vom Talent des Malens oder Musizierens und Strümpfestopfens spricht. Sie komme nicht zur Sache, solange nicht erwähnt wird, dass Christus das herrliche Talent meinen könne, mit dem man ein Zeuge oder gar Märtyrer für seine Botschaft werden kann!
Christus ist nicht in die Welt gekommen, um uns nur eine süße Lebenshilfe zu geben. Drewermann will uns weiß machen, wenn Jesus heute wiederkäme, dann wäre er eine Art Unternehmensberater für Psychotherapeuten.
Hans Küng will uns verkaufen, Jesus würde nichts anderes als eine Art Che Guevara der Befreiungstheologie.
Wenn wir Heiner Geisler glauben, dann muss Jesus gar nicht wieder kommen, um die Sünder zu richten. Er bräuchte eigentlich nur die Abschaffung des Zölibats und die Frauenweihe anordnen.
Ganz ähnlich kommen unsere Predigten daher, wenn es um die Talente geht. Sie sagen den Kindern sehr wohl, dass Gott sie lieb hat und wie er sich freut, wenn sie gute Menschen werden und etwas aus ihrem Leben machen.
Sie sagen uns Sonntag für Sonntag, dass Gott es mag, wenn wir uns für das Wohl und Wehe der Welt einsetzen und uns am Riemen reißen, dass wir schön brav sind.
Niemand aber erklärt uns, dass das Wort Gottes glühendes Eisen in unseren Händen ist! Wer sagt uns, dass Christus gar nicht nur gekommen ist, um brave Bürger aus uns zu machen, sondern uns mit Blut und Schweiß zu erlösen! Kein Katholik weiß mehr, dass es vor allem die Lehre von der Erlösung ist, die uns vom Islam unterscheidet! Alle hören, dass Christus sagt, er sei die Wahrheit. Niemand sagt dazu, dass es nur eine geben kann.
Die brave Seminarpredigt unserer Tage bringt uns bei, dass Petrus verheiratet war. Sie verschweigt aber, dass Christus ihn seiner Familie weggenommen hat, um ihn in die Enthaltsamkeit der apostolischen Seelen zu führen.
Die Predigt sagt uns, dass Jesus den Zöllner Levi in seine Nachfolge berief. Sie erwähnt auch, dass er ihn berief, um auf seinen Zöllnerjob zu verzichten, der ihm viel Geld einbrachte. Sie verschweigen aber, dass er ihn berief, nicht nur auf sein Geld, sondern auf alles andere gleich mit zu verzichten.
Der Prediger verkündet das „meinen Frieden gebe ich euch“, und verschweigt das „sie werden mit euch das gleiche tun, was sie mir antaten.“
Die Piusbrüder sprechen von diesen Dingen. Das zum Beispiel gibt ihnen einen unbezahlbaren Wert in Gottes großer Kirche. Sie tun wohl in einer Weise, die genau die nicht immer an sie zieht, die die Botschaft bräuchten und wie Schwämme aufsaugen würden. Aber sie tun es und das verleiht ihnen einen unantastbaren Adel.
Nicht wenige möchten die Piusbrüder eher noch weiter aus der Kirche entfernt wissen, als sie waren, bevor Papst Benedikt ihnen die Hand reichte. Das scheinen mir aber Leute zu sein, die noch nicht über den geheimnisvollen Umstand nachgedacht haben, dass die Kirche mit Vorliebe ihre schwierigsten Quertreiber heilig spricht.
Wer bei den Piusbrüdern in die Lehre geht, der lernt vom ersten Tag seiner Ausbildung an, dass er als Prediger die Maus zu sein hat, die der Katze die Schelle umbinden muss. Das beeindruckt mich um so mehr, als ich den Eindruck habe, dass die Kandidaten unserer Predigtschulen am Ende die einzigen Mäuse sind, die nicht mehr an die Katzen glauben. Allein deshalb liebe ich die Piusbrüder. Auf der anderen Seite kann ich mir nicht vorstellen, dass sie jemals so katholisch werden, wie sie jetzt schon glauben, dass sie es sind. Das hat mit dem zu tun, was ich unter Sekte verstehe. Dazu vielleicht als nächstes mehr.




Ich weiß nun nicht, ob es Churchill oder jemand anders gewesen ist, der gesagt hat, wer mit zwanzig kein Sozialist sei, habe kein Herz. Wer mit dreißig noch einer bleiben wolle, der habe keinen Verstand. 

















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