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Zu den Piusbrüdern 1

Sonntag, Februar 19th, 2012
Wer die Piusbrüder nicht will, weil er das nicht mehr will, der sollte sich fragen, ober er die Kirche überhaupt braucht.

Wer die Piusbrüder nicht will, weil er das nicht mehr will, der sollte sich fragen, ober er die Kirche überhaupt braucht.

Ich bin gebeten worden, etwas über die Piusbruderschaft zu schreiben und habe das erst einmal abgelehnt. Dann reute es mich und ich ziehe meine Ablehnung hiermit zurück. Ich kann allerdings nicht versprechen, dass ich der Bitte, die mir gestellt wurde, befriedigend nachkomme. Das mit dem “etwas” liegt mir zu wenig.

Meiner Ansicht nach eignet der Piusbruderschaft zum Beispiel etwas Sektenhaftes. Ich würde das aber nie schreiben können, ohne lang und breit zu erklären, was ich unter einer Sekte verstehe.

So lange ich theologisch denken kann, bin ich mir zugleich in nichts so sicher, wie in der Ansicht, dass die Piusbruderschaft eine innerliche Heiligkeit besitzt, die der Kirche eigentlich nie verloren gehen dürfte. Auch davon könnte ich nicht schreiben, ohne lang und breit zu erklären, worin diese Heiligkeit besteht.

Mit den Piusbrüdern geht es mir ein bisschen, wir Henryk Broder mit dem Papst. Broder hat nicht nur als Jude eher wenig mit dem Papst gemein. Er vertritt auch journalistisch jede Menge illustre Ansichten, die kaum unter den päpstlichen Hut zu bringen wären, der ihm vorschwebt. Zugleich sagte er aber, der Papst sei ihm wichtig, weil er offen und medienwirksam von der Existenz des Bösen in der Welt spreche.

Ähnlich geht es mir mit den Piusbrüdern. Sie äußern Ansichten, die mir zu oft einfach nicht die Kehle herunter wollen. Auf der anderen Seite trauen sie sich von Dingen zu sprechen, die einfach zu wenige sagen würden, wenn sie sie nicht sagten.
Etwas weltlich ausgedrückt sind mir die Piusbrüder ungefähr so bedeutsam, wie die Grünen und die Piraten: Lasst sie bitte laut und deutlich mitreden und nehmt sie fest in die Mitte. Gebt ihnen aber um Himmels willen niemals einen Posten zum regieren!

Unser Herr und Meister erzählt im Neuen Testament der Welt ein berühmtes Gleichnis, in dem er die Gaben Gottes mit menschlichen Talenten vergleicht. Er lobt die, die ihre Talente mutig einsetzen und beschreibt vor allem den Unwillen Gottes denen gegenüber, die ihre Talente lieber vergraben, als sie zu nutzen.
Die Prediger, denen ich in der Regel lausche, mögen mir verzeihen, wenn ich sage, dass ich noch nie bei einer Ansprache über dieses Gleichnis den Eindruck hatte, dass der Redner verstanden hätte, was gemeint ist. Die Piusbrüder würden es sofort auf den Punkt bringen, da bin ich mir sicher.

Alle Welt predigt über die berühmte Stelle, und alle Welt fordert die geduldige Jugend in den Kirchenbänken auf, ihre Talente zu nutzen. Sie sollen etwas aus ihrem Leben machen. Sie sollen mit Mut in die Welt hinaus ziehen und beherzt Selbstbewusstsein tanken, weil der Liebe Gott sie mit vielfachen Gnaden beschenkt hat, mit denen sie brave, gute Menschen werden können.

Das mag alles seine Richtigkeit haben. Es bleibt aber so unverbindlich, wie die meisten Predigten, die uns jede Woche zugemutet werden: Sie kommen einfach nicht zur Sache! Sie kommen nicht zur Sache, solange nicht zugegeben wird, dass Christus nicht vom Talent des Malens oder Musizierens und Strümpfestopfens spricht. Sie komme nicht zur Sache, solange nicht erwähnt wird,  dass Christus das herrliche Talent meinen könne, mit dem man ein Zeuge oder gar Märtyrer für seine Botschaft werden kann!

Christus ist nicht in die Welt gekommen, um uns nur eine süße Lebenshilfe zu geben. Drewermann will uns weiß machen, wenn Jesus heute wiederkäme, dann wäre er eine Art Unternehmensberater für Psychotherapeuten.
Hans Küng will uns verkaufen, Jesus würde nichts anderes als eine Art Che Guevara der Befreiungstheologie.
Wenn wir Heiner Geisler glauben, dann muss Jesus gar nicht wieder kommen, um die Sünder zu richten. Er bräuchte eigentlich nur die Abschaffung des Zölibats und die Frauenweihe anordnen.

Ganz ähnlich kommen unsere Predigten daher, wenn es um die Talente geht. Sie sagen den Kindern sehr wohl, dass Gott sie lieb hat und wie er sich freut, wenn sie gute Menschen werden und etwas aus ihrem Leben machen.
Sie sagen uns Sonntag für Sonntag, dass Gott es mag, wenn wir uns für das Wohl und Wehe der Welt einsetzen und uns am Riemen reißen, dass wir schön brav sind.
Niemand aber erklärt uns, dass das Wort Gottes glühendes Eisen in unseren Händen ist! Wer sagt uns, dass Christus gar nicht nur gekommen ist, um brave Bürger aus uns zu machen, sondern uns mit Blut und Schweiß zu erlösen! Kein Katholik weiß mehr, dass es vor allem die Lehre von der Erlösung ist, die uns vom Islam unterscheidet! Alle hören, dass Christus sagt, er sei die Wahrheit. Niemand sagt dazu, dass es nur eine geben kann.

Die brave Seminarpredigt unserer Tage bringt uns bei, dass Petrus verheiratet war. Sie verschweigt aber, dass Christus ihn seiner Familie weggenommen hat, um ihn in die Enthaltsamkeit der apostolischen Seelen zu führen.
Die Predigt sagt uns, dass Jesus den Zöllner Levi in seine Nachfolge berief. Sie erwähnt auch, dass er ihn berief, um auf seinen Zöllnerjob zu verzichten, der ihm viel Geld einbrachte. Sie verschweigen aber, dass er ihn berief, nicht nur auf sein Geld, sondern auf alles andere gleich mit zu verzichten.
Der Prediger verkündet das „meinen Frieden gebe ich euch“, und verschweigt das „sie werden mit euch das gleiche tun, was sie mir antaten.“

Die Piusbrüder sprechen von diesen Dingen. Das zum Beispiel gibt ihnen einen unbezahlbaren Wert in Gottes großer Kirche. Sie tun wohl in einer Weise, die genau die nicht immer an sie zieht, die die Botschaft bräuchten und wie Schwämme aufsaugen würden. Aber sie tun es und das verleiht ihnen einen unantastbaren Adel.

Nicht wenige möchten die Piusbrüder eher noch weiter aus der Kirche entfernt wissen, als sie waren, bevor Papst Benedikt ihnen die Hand reichte. Das scheinen mir aber Leute zu sein, die noch nicht über den geheimnisvollen Umstand nachgedacht haben, dass die Kirche mit Vorliebe ihre schwierigsten Quertreiber heilig spricht.

Wer bei den Piusbrüdern in die Lehre geht, der lernt vom ersten Tag seiner Ausbildung an, dass er als Prediger die Maus zu sein hat, die der Katze die Schelle umbinden muss. Das beeindruckt mich um so mehr, als ich den Eindruck habe, dass die Kandidaten unserer Predigtschulen am Ende die einzigen Mäuse sind, die nicht mehr an die Katzen glauben. Allein deshalb liebe ich die Piusbrüder. Auf der anderen Seite kann ich mir nicht vorstellen, dass sie jemals so katholisch werden, wie sie jetzt schon glauben, dass sie es sind. Das hat mit dem zu tun, was ich unter Sekte verstehe. Dazu vielleicht als nächstes mehr.

Das Deutsche, die Reformation und die Spießigkeit

Freitag, Februar 10th, 2012
Schon ein ziemlich deutscher Deutscher

Luther war schon ein ziemlich deutscher Deutscher

Der Deutsche an sich mag manche Eigenschaften haben, die in aller Welt ein großes Ansehen genießen. Der Deutsche ist pünktlich, er gilt als fleißig und besonders gründlich. Wegen solcher Eigenschaften werden die Ingenieure und Facharbeiter unserer Prägung in allen Ländern geschätzt und gern genommen. 
Einen Nachteil hat das: Es gibt dem Ganzen eine gewisse Spießigkeit, sobald es ins Extrem verlängert wird.

Der Spießer ist jemand, der im Grunde überängstlich daher kommt und alles, wo immer es geht, in ein Gebäude eiserner Regeln packt, damit er sich beruhigen kann.
Wenn alles um ihn herum aus Anweisungen besteht, dann gibt das dem Armen ein Gefühl von Sicherheit. Regeln als Verbotsschilder, die böse Einzelfälle und fiese Ausnahmen dazu bringt, sich in ein Werk von Vorschriften einzuordnen. So hören sie auf, Einzelfälle und Ausnahmen zu sein. 
Wenn der arme Spießer etwas hasst und nicht verträgt, dann sind das Ausnahmen und Einzelfälle. Die sind unberechenbar, nicht eingeordnet, und sie machen Angst.

Jemand hat eine Wühlmaus im Garten gefangen, weil er auf den Rat seines Nachbarn in einem Trampelpfad einer solchen ein Glas im Boden versenkt hat. Das Tier fiel hinein, verendete und konnte entsorgt werden. Ein normaler Mensch freut sich und wartet auf die nächste gute Idee, die eins von den Viechern an ihn ausliefern wird.
Der arme Spießer aber sagt: „Ah, das muss ich jetzt immer so machen!“. Er gräbt schnell ein Loch nach dem anderen, bis er alle Gänge mit Fallen ausgestattet hat. Dass der Garten jede Schönheit verloren hat, wiegt nichts, verglichen mit dem Gefühl der Sicherheit, die ihm seine neue Regel vermittelt.

Das eigentlich Fatale liegt aber in der Forderung an alle Mäuse, dass sie sich gefälligst an die Regeln ihrer Instinkte zu halten haben. Panik bricht aus, wenn eine sich herausnimmt, eine Ausnahme zu sein und am Ende des Tages um die Gläser tanzt!

Der beste Schutz, das Katholische gegen Spießigkeit zu schützen, liegt in der beruhigenden Tatsache, dass der Petersdom nicht in Berlin steht. Die katholische Kirche hat viele Regeln, und viele Regeln machen viele Sünden. Das reicht schon. Das Wissen, dass das Hauptquartier in Italien steht, gibt dabei ein Gefühl der Erleichterung, ungefähr wie das Wissen, dass ein Chef auf der Arbeit kein preußischer Gardehauptmann ist.

Der römische Jude Paulus hatte geschrieben, die Gnade sei keine Gnade, wenn sie aufgrund von Verdiensten gegeben würde. Die deutsche Variante des Verstehens macht daraus eine allgemeine Regel: „Also muss das jetzt immer und für alles gelten! Kein Verdienst mehr, nie und in nichts, was mit Gnade zu tun hat!“ Bis am Ende nicht mal mehr die Liebe Gegenliebe verdienen darf!

Aufgrund von Glauben, nicht aufgrund von Werken werden wir gerettet, las man bei Paulus wiederum. „Ah, das muss jetzt also immer und für alle gelten!“ So hieß es gleich: Allein aus Glauben, nur aus Glauben und aus nichts als Glauben werden wir gerettet. Wehe ein gutes Werk tanzt um die Gläser! Sogar dem heiligen Martin darf es jetzt nichts mehr nützen, wenn er frierend nach Hause reitet, um einen Bettler glücklich zu machen.

Statt dem Protestantismus brüderlich seine Probleme zu überlassen, schaffte der deutsche Katholizismus aus dem paulinischen Wunsch, allen alles sein zu wollen die Regel, allen alles Recht machen zu müssen. Wahrscheinlich deshalb beeilt sich die spießige Seite des Katholischen hierzulande so eiftig darum, möglichst schnell protestantisch zu sein, um wenigstens die Probleme von drüben schultern zu dürfen.

Franz und der Gehorsam

Samstag, Januar 28th, 2012
Gott überrascht die Welt in seinen Helden.

Gott scheint eine Vorliebe dafür zu haben, die Welt in seinen Helden gründlich zu überraschen.

Am Gehorsam scheiden sich die Lager, wie an einer Klinge. Entweder man hasst oder man liebt ihn. Für den einen muss er als erstes bekämpft werden, für den anderen ist er der Garant all dessen, was er lieb hat. Das gehört erklärt.

Der heilige Franz von Assisi zählt ohne Zweifel schon zu den großen Helden des Katholischen. Ob man durch Assisi läuft oder in den Büchern und Berichten über ihn stöbert; immer scheint es, als ob der heilige Bettler gerade um die nächste Ecke gebogen kommt und einem ein lebendiges Bild vor die Augen führt; von etwas, was Gott besonders gesegnet hat.

Als das Kreuz von Dan Daminano zu Franziskus sprach, hat der Schöpfer ihn direkt und mitten im Leben angesprochen. Ebenso direkt und schnell antwortete er mit seinem ganzen Leben darauf.
Ohne zu zögern, ohne überhaupt irgendwelche Rücksichten zu bedenken, stürmt er begeistert los und nimmt sich nicht einmal Zeit, in Ruhe Ja zu sagen, geschweige denn, etwas zu bedenken.
An Franziskus wird klar: Das liebt der Liebe Gott! Alles wagen, sich wie ein Kind in seine Arme werfen und nichts zurück behalten wollen! Solche Leute bekommen alles zehnfach und hundertfach wieder!

Es gibt aber eine kleine Geschichte im Leben des heiligen Franz, die zum letzten, großen Wendepunkt, zur letzten Prüfung wurde. Es ist die Begegnung mit dem Aussätzigen.

Von Kind an hatte sich der verwöhnte Jüngling vor dem Geruch und dem abstoßenden Äußeren der Kranken gefürchtet, wie man sich vor Schlangen ekelt. Jetzt, da er endlich ein anderer werden wollte, marschierte die Prüfung leibhaftig auf ihn zu: Ein Aussätziger kam ihm auf seinem Weg entgegen, unausweichlich. Das war die Stunde der Entscheidung: Franz nahm allen Mut zusammen, überwand seinen Ekel und tat, was er immer tat: Das Extreme!
Er fiel dem Kranken um den Hals und küsste ihn, als sei er die Großmutter. Und sogleich war ihm, als ob sich mit einem mal sein ganzes Leben ändern würde, 
Später sagte er, ab da sei ihm, was zuvor süß war, bitter, und alles Bittere sei ihm süß geworden.
Was ihn abgestoßen hatte, das bekam jetzt eine geheimnisvolle Anziehungskraft und eine zuvor nie gesehene, verborgene, aber wirkliche Schönheit. Wenn man so möchte, wurde dem erstaunten Jüngling jetzt der tiefere Blick gewährt. Der blieb nicht mehr am Äußeren hängen, sondern konnte die Dinge jetzt von ihrer tieferen, leuchtenden Wahrheit her schauen.

Wenn er jetzt den Aussätzigen küsste, dann eigentlich nicht mehr die äußeren Wunden und Krusten, sondern vielmehr dessen Seele. Jetzt leuchtete etwas, was nur jene schauen konnten, die den Weg bis hierher mitgegangen waren.

Für den reinen Beobachter, der nur äußerlich anweste, wurde der junge Franz jetzt unverständlich. Für alle, die lieber in ihrer Welt zurückgeblieben, fing Franziskus jetzt das Spinnen an. Er tat plötzlich unbegreifliche Dinge. Er verachtete, was alle lieben. Er verschenkte seine Habe, warf alles Äußere von sich und ging in der freudigen Sicherheit eines von Gott Geküssten in die Wälder. Ohne doppelten Boden.

Hier schieden sich endgültig die Geister, und der junge Franz wurde zum Stein des Anstoßes. Wer zurückblieb, der blieb zurück. Wer aber das Eigentliche erkannte und den Mut hatte, ihm zu folgen, der erlebte auch, was er erlebte. Wer mitkam, der musste jedoch auch damit rechnen, dass er den selben Spott, den Hohn und den Zorn der Oberflächlichen auf sich ziehen würde. Der bleibt keinem erspart, der die schnöden Oberflächlichkeiten der Welt von sich wirft und sie den Feigen überlässt.

Wir sind beim Gehorsam. Dabei zeigt sich, dass der, wie der Ekel vor dem Aussatz, mit zu den Dingen gehörte, die eine neue Einschätzung erfuhren. Auch der Gehorsam hörte auf, ein Schreckgespenst zu sein.

Zur Zeit des heiligen Franz hatte sich die Kirche, wie es heißt, mit Pomp und Glämmer angetan. Kirchenfürsten zogen in prächtigen Kutschen durchs Land, gefolgt und umgeben von Dienern und Vasallen, die gebratene Fasanen herbei trugen. Für viele, wahrscheinlich für so ziemlich alle, ein Stein des Anstoßes und ein willkommener Gegenstand zur gerechten Rebellion.
Nicht aber für den Spinner aus Assisi. Der verlangte von seinen Jüngern wieder das Unglaubliche. Er bestand mit Nachdruck darauf, dass sie die Kirchenfürsten umarmten, wie er zuvor den Aussatz. Er verlangte, dass sie den verwöhnten Bischöfen ihre Ringe küssten; und das nicht als äußerliche Demonstration, sondern aus ehrlicher Liebe und aus Glauben.

Franziskus zog mit seiner Schar nach Rom, um zum Papst vorzustoßen. Er ging aber nicht, um ihn zu belehren oder aufzubegehren. Er ging, um ihm vor die Füße zu fallen und ihm demütigen Gehorsam zu leisten. Er verlangte nicht, dass sein Orden anerkannt würde, sondern er bat auf Knien darum. Aus tieferer Einsicht war er der Diener geworden, der er sein sollte.

Es heißt, der Papst hatte des Nachts einen Traum, der ihm den armen Bettler als Retter der Kirche offenbarte. Daraufhin bekam Franz, was er wollte. Er bekam es nicht, weil er dem Papst die Türe eingerannt, sondern weil Gott selbst eingegriffen hatte. Franz rebellierte nicht, sondern überließ alles dem, der die Rebellion nicht wünscht, weil er sie nicht braucht.

Die Rebellion des Ungehorsams hat viele Anhänger. Die Fürsprache des heiligen Franz sicher aber nicht. Franz wusste, wie kein anderer um die Misstände der Kirche, die zu seiner Zeit größer waren als heute. Dennoch, den verwöhnten Papst umarmen hieß Gott um den Hals fallen. Unverständlich für die Äußerlichen, für ihn aber geschaute, tiefere Wahrheit.

Der heilige Thomas sagt einmal, alle lieben das Süße. Der eine mag süßen Wein, der andere süße Trauben oder Speisen. Was aber die vorzüglichste Süße sei, das möge man nicht die vielen fragen, sondern den mit dem feinsten Geschmack. In unserem Fall sollten die befragt werden, die die guten Augen haben; die mit dem gesegneten Blick. Die, die einfach mehr und besser sehen. Nicht irgendwelche äußerlichen Mehrheiten. Mögen diese sich aus demokratisch nennen.

Das Empfinden der überflüssigen Kirche

Freitag, November 18th, 2011

ReformIch weiß nun nicht, ob es Churchill oder jemand anders gewesen ist, der gesagt hat, wer mit zwanzig kein Sozialist sei, habe kein Herz. Wer mit dreißig noch einer bleiben wolle, der habe keinen Verstand.
Mir gefällt der Spruch. Nicht, dass ich glaube, alle Zanzigjährigen müssen Linke sein, um Herz zu haben. Mir gefällt die Botschaft, dass man im Leben bereit sein muss, aus seinen Träumen zu erwachen.

In meiner Jugend haben wir, wie alle damals, halb angetrunken die Schnulzen von John Lennon erlebt. Mir war das zwar schon immer irgendwie zu weichgekocht, aber gehört haben wir sie doch. Als ich aufwachte, hörte ich erst, was für Wölfe das überhaupt gewesen waren, mit denen wir geheult hatten.
Jahrelang war sein süßliches „Imagine“ auf den Feiern gelaufen. Jetzt erst ging mir auf, dass er darin von einer Welt träumte, in der man endlich die Religion abgeschafft hatte.
Eine Welt ohne Krieg, das war ja ganz hübsch und man durfte ja mal träumen. Eine Welt ohne Streit wäre auch ganz süß und man durfte mal ein sentimentales Tränchen verdrücken. Eine Welt ohne Religion aber, das wäre schrecklich!

Bei allem Träumen und zeitweiligen Spinnen; ich war eigentlich immer überzeugt, dass Gott den Menschen das Angebot seiner Religion gemacht hat, damit sie nicht elendig zugrunde gehen.
Die Menschen mochten noch so dumme Verstellungen daraus entwickelt haben. Eine Welt ohne Religion aber, das wäre schlimmer als ein Leben ohne Sonnenlicht.

Als ich später in der Kirche meine Heimat wieder gefunden hatte, zeigte sich, dass hier die gleiche Nummer läuft. Dieselbe, verträumte Spinnerei hat sich hier breitgemacht und kaum jemand merkt etwas davon. Es gibt bei Katholiken und Protestanten Bewegungen, die eigentlich davon träumen, dass man die Kirchen eines Tages nicht mehr braucht. Es gibt eine große innerkirchliche Bewegung, die ein grundsätzliches Misstrauen gegen alles Kirchliche hat, das kirchlich bleiben will. Es gibt diese starke Tendenz im Empfinden vieler Menschen, dass Gott wohl mit den Menschen befreundet sein will, dass aber alles, was darauf besteht, dass die Kirche Kirche bleibt, von vorn herein verdächtigt. Die Konservativen sind die, die nicht verstanden haben, dass sie an etwas hängen, das es eigentlich gar nicht geben dürfte.

Ein evangelischer Pastor unserer Gegend bringt es auf den Punkt. Ich verstehe zwar nicht, wie seine Kirche ihn noch bezahlen kann. Seine offene Aufrichtigkeit aber verdient Respekt. Er sagt dem Sinn gemäß, die Religion sei eigentlich eine rein geistige Angelegenheit. Letztlich sei sie etwas zwischen dem einzelnen Menschen und Gott. Derjenige, der nicht mehr zur Kirche komme, sei eigentlich schon einen Schritt weiter.
Die Kirche gilt hier als eine Zwischenstufe zur erwachsenen Religion. Wie wenn man eine Leiter von sich wegstößt, sobald man sein Stockwerk erreicht hat, seien die Kirchen eines Tages unnötig.

Seit ich erwache, werde ich das Gefühl nicht los, dass sehr viele Gläubige, oft wahrscheinlich eher unbewusst, in dieser Richtung empfinden: Eigentlich wäre es besser, wenn man die Kirche schon los wäre. Ich glaube, unsere derzeitigen Reformbewegungen nähren sich zu guten Teilen aus diesem unausgesprochenen Grundempfinden. Deshalb haben wir viel darüber zu sprechen, dass sich die Kirche ganz anders versteht.

Gottes unbekannte Liebe

Dienstag, November 1st, 2011

Jesus weint

Der alte Priester sagte, die Menschen würden den Teufel eigentlich wenig interessieren. Er hatte Recht. Was interessiert sich der Diplomat für den Diener, der ihm den Hut abnimmt?
Der Teufel kümmert sich nicht so eingehend um die Menschen, weil er ihnen weh tun möchte; das wohl auch, aber eher nebensächlich. Dem Teufel geht es darum, dem Schöpfer Fleisch aus der Seite zu reißen und ihn zu quälen.

Die Logik ist einfach: Wer einer Mutter weh tun will, der verletzt am besten ihr Kind. Wer einem Vater das Herz brechen möchte, der bringe sein Töchterchen um.
Man trifft das Herz eines Menschen am tiefsten nicht dort, wo es sitzt, sondern dort, wo er es verloren hat.

Nun gibt es einen bedenkenswerten Zusammenhang, nämlich, dass Gott ein solches Band zwischen sich und seiner Kirche geknüpft hat.
Gleich mehrere Male spricht der Vater aus den Wolken, Christus sei der von ihm geliebte Sohn. Bei der Taufe, also gleich zu Beginn des öffentlichen Wirkens Christi, zeigt der Vater der Welt dessen Visitenkarte. Er lässt die Menschen hören: „Das ist mein geliebter Sohn!“
Nun ist es so, dass die Kirche in ihrer Mitte das Allerheiligste birgt und hütet. Das Allerheiligste ist genau dieser Sohn. Es ist Christus, der von Gott Geliebte mit Leib und Blut; von ihm selbst der Kirche übergeben.
Wenn das alles so ist, und wir die Dinge beim Wort nehmen, dann werden wir doch sagen müssen, dass der Vater sein Herz an die Kirche verloren hat.

Dieser Zusammenhang wurde mit der Zeit im Bewusstsein der Gläubigen aufgelöst. Er ist nicht bekannt, und vor allem: Er wird nicht mehr empfunden.
Von himmlischer Seite aus steht uns das innige Verhältnis Gottes zur Kirche, die seine geliebte Braut ist, vor Augen. Der anderen Seite, dem real existierenden Katholizismus unserer Tage, steht das genaue Gegenteil im Sinn. Hier herrscht die Meinung, die Kirche sei nicht Gottes geliebte Braut, sondern seine lästige Sorge und ungeliebter Ballast. Beide Extreme begegnen einander und neutralisieren die Frage bestenfalls. Die Kirche ist den Gläubigen entweder völlig wurscht oder sie hindert nur.

Der Priester, der oben sprach, wird sagen, dass der Teufel eine diebische Freude haben muss: Wenn der Vater an seiner Kirche hängt, dann ist für dessen Feind das Allergrößte, wenn genau das gar nicht mehr wahrgenommen wird und niemand seine Liebe mehr sieht.

Katholische Fremdwörter Nr 17: Das Schisma und die Kirchenauflösung

Samstag, Oktober 29th, 2011
Der Oberlehrer meint: Was mit fremden Wörtern erklärt wird, bleibt unverstänlich.

Der Oberlehrer meint: Was mit fremden Wörtern erklärt wird, bleibt unverstänlich.

Mein neues katholisches Fremdwort lautet Schisma. Nach  unserer derzeitigen Kirchenreformer wird es das allerdings bald nicht mehr geben.

Ich fühle mich an die Zeiten meines Studiums erinnert. Damals gab es auch zwei Wörter, die es nicht mehr geben sollte. Sie hießen Hölle und Fegefeuer. Man schrieb dicke Bücher und Expertisen aller Art, die belegen sollten, dass es nach dem Tod keine Alternative, sondern nur den Himmel gibt, und den für jeden sofort. Das irdische Leben sollte nicht mehr verantwortet werden müssen.
Alle Menschen würden in den Himmel kommen, auch gegen ihren erklärten Willen. Nach dem irdischen Dasein würde niemand mehr eine Chance haben, sein Dasein getrennt von Gott fortsetzen zu dürfen.
Die Übeltäter würden nach ihrem Tod schon einsichtig gemacht, und was man auf Erden wünsche, würde man dann schon nicht mehr wollen.

Man nannte das eine Frohbotschaft. Ich fand das immer eine schreckliche Vorstellung, die ich nie verstehen konnte. Für uns, die eh in den Himmel kommen wollten, war sie blass, denn sie änderte am Ende ja nichts. Für die Satanisten aber musste das doch eine handfeste Drohung sein, sie mehr in Angst versetzte, als ihr gehörnter Meister!

Wie immer auch, entscheidend dabei war: Die katholische Lehre sollte umgeschrieben werden. Es sollte eine erneuerte Dogmatik her!

Beim Wort Schisma ist es heute anders. Das Wort muss nicht fallen, weil eine Lehre umgeschrieben werden soll. Es soll vielmehr fallen, weil es keine Lehre mehr gibt.

Das Wort Schisma kommt aus dem Griechischen und bedeutet Schnitt. Ein Schismatiker ist ein hoch sympathischer Bruder. Er geht mit fliegenden Fahnen, wenn es ihm nicht mehr passt. Er setzt klare Signale. Er bläst die Fanfare, dass viele ihm folgen und schneidet sich bei Licht und auf hohem Ross von der Kirche ab.
Luther und die Piusbrüder gingen ins Schisma. Sie hatten das aufrichtige Gefühl, dass die katholische Lehre entweder nicht mehr katholisch war, oder dass sie nicht mehr katholisch verkündet und gelebt wurde. Sie hatten eine bessere Idee und zugleich den Schneid, die Konsequenzen einer Trennung zu ziehen. Eine Haltung, die meinen ganzen Respekt abfordert.

Heute nimmt niemand mehr den Hut. Kein Reformer verlässt die Kirche, weil ihre Lehre unerträgliche Facetten hat. Unerträglich ist auch nicht die Lehre in ihren Inhalten. Unerträglich ist, dass es noch eine gibt.

Schüller sagt, er will, dass der Zölibat freiwillig gestaltet wird. Damit will er, dass die ganze Regel fällt. Freiwillig ist der Zölibat auch im Schützenverein. Der Fahnenträger darf heiraten und es lassen. Es wäre Unsinn, hier von einer geöffneten Zölibatsregel zu sprechen. Es gibt gar keine. Eine Ampel, an der man sich aussuchen kann, ob man hält oder weiterfährt, kann abgebaut werden.

Wenn Bischof Meister fordert, dass alle evangelische Christen zur katholischen Kommunion gehen dürfen, dann ist sie am Ende vielleicht noch eine Kommunion, aber keine katholische mehr. Es geht am Ende nicht darum, die Regeln für den Kommunionempfang zu erweitern. Es geht darum, sie zur Gänze fallen zu lassen. Dass Bischof Meister am Ende am Kirchenportal steht und kontrolliert, ob auch alle evangelisch oder katholisch getauft sein muss, glaube ich ihm nicht. Die allgemeine Menschlichkeit wird etwas anderes fordern. Und dass Kanarienvögel nicht zur Kommunion gehen dürfen, dazu braucht es keine Regel.

Wenn Gotthold Hasenhüttl gemeinsam mit einem evangelischen Pfarrer, der bekanntlich keine Priesterweihe hat, die Eucharistie zelebriert und seinem Kollegen zugesteht, er feiere sie ebenso gültig, dann erweitert er nicht die Regel um die Priesterweihe. Er schafft sie ab. Man kann ja sagen, dass jeder ohne Weihe Eucharistie feiern kann. Nur kann man dann keine Weihe mehr fordern, weil sie nichts mehr am Geweihten ändert.

Die Frauen, die sich noch gegen die Regeln weihen lassen, die allein können jetzt einwenden, sie wollten aber die Weihe noch, nur eben nach ihren erweiterten Vorstellungen. Zugestanden. Dann sollten sie sich aber mit Hasenhüttl, nicht mit dem Papst streiten oder zugeben, dass ihr Schritt aus Sicht der hasenhüttlschen Reform bereits rückständig ist. Bei ihm geht es ja schon ohne Weihe.

Als mein Freund katholisch wurde, bekam er damit die  herrliche Möglichkeit, eines Tages ein ordentlicher Schismatiker zu werden. Diese Aussicht wird jetzt mehr und mehr in Frage gestellt; in einer neuen Kirche, aus der man sich gar nicht mehr ordentlich verabschieden kann, weil sie keine Regeln mehr hat.

Ich habe diesen Artikel auf die Gefahr hin geschrieben, dass ich mich widerhole. Er will aber auf etwas hinaus, das wahrscheinlich morgen schon zu lesen sein wird.

Unanständig oder dumm

Mittwoch, Oktober 19th, 2011

Ich habe wirklich überlegt, ob ich den Clip von Alipius überhaupt posten soll.
Mir ist beim Anschauen übel geworden, und ich weiß nicht, ob vor Wut oder heulen Wollen.
Da dokumentiert ein Bischof (!), wie ein Katholik die heilige Kommunion missbraucht, um den zivilen Ungehorsam in der Kirche zu proben.
Ja Leute, wisst Ihr denn nicht, dass man so keine Kirche reformiert?

Packungsbeilage: Für jemanden, der das Katholische auch nur halbwegs verstanden hat, birgt der Clip Risiken und Nebenwirkungen, die einem gründlich den Tag versauen können. Da hat Stefanus in Alipius’ Kombox schon ganz recht!

Mal ehrlich: Wie soll man mit solchen Leuten Ökumene machen?


Die katholische Kirche ist unteilbar

Mittwoch, Oktober 19th, 2011
Zwei, die sich sehr bemüht haben, eine tragische Trennung zu überwinden und Meilensteine setzten.

Zwei, die sich sehr bemüht haben, eine tragische Trennung zu überwinden und Meilensteine setzten.

Ich führe eine Behauptung ein, bei der man im Allgemeinen Ärger bekommt, sobald man von ihr spricht. Es hilft aber nichts, sie gehört zur Kirchenlehre.

Genau genommen kann man die Kirche nicht spalten. Es ist wie mit dem Euro und dem Cent. Einen Euro kann man in hundert Cent teilen. Ein Cent ist unteilbar. Sägt man ihn in zwei Teile, dann ist er kein Geld mehr.

Mit der Kirche verhält es sich ähnlich. Eine Kirchenspaltung trennt zwar in zwei kirchliche Einheiten. Übrig bleibt am Ende aber eine ungespaltene Kirche und eine Gemeinschaft, die der Kirche ähnlich ist, aber nicht mehr ganz zu ihr gehört.

Bei Fußballfanclubs ist das anders. Wenn ein paar Leuten in einem Club die Regeln nicht gefallen, gründen sie einen neuen, und es gibt zwei. Sie nehmen ihre Farben mit, sie nehmen die Lieder mit und die Fahnen, die ihnen gehören. Sie schreiben ihre eigenen Statuten, suchen sich eine neue Kneipe und sind ein neuer, eigenständiger Club.

In der Kirche geht das nicht. Ihr Innerstes hat zwei Aspekte. Zum einen ist es die Eucharistie, um die sich die anderen Sakramente und überhaupt alles gruppiert, was die Kirche bedeutet, tut und will. Als zweites, in dieser Sache genau so wichtig, ist da die Einheit mit dem Papst als Stellvertreter Christi oder wenigstens die Einheit mit dem einen, auf Christus zurückführbaren Priestertum. Jetzt ist es so, dass das eine ohne das andere nicht geht. Man kann die Eucharistie nicht feiern, ohne wenigstens in der priesterlichen Einheit zu stehen. Es wäre einfach nicht die Eucharistie.

Wer ein Auto baut, das aussieht wie ein Ferrari, mit selbstgebautem Ferrarischild auf der Haube, der hat am Ende ein Auto da stehen, nicht aber einen Ferrari. Der muss im Werk gebaut worden sein.

Wenn zu einer Familie eine gemeinsame Mahlzeit an einem bestimmten Tisch in Einheit mit dem Familienoberhaupt gehört, dann kann jemand wohl woanders nach Mutters Rezept kochen gehen. Das Mahl gehört aber nicht mehr zur Familie.

Man bekommt, wie gesagt, schon mal Ärger, wenn man diese Dinge ausspricht, und manche fordern, das könne und solle man heute so doch nicht mehr sagen. Man kann zwar aufhören, davon zu sprechen. Ändern aber kann es niemand, kein Papst, kein Priester und schon gar kein Reformer.

Wer davon spricht, der findet sich im Allgemeinen in irgendwelchen Schubladen wieder. Er wird als Konservativer, Rückwärtsgewandter und Verweigerer eingeordnet. Je öffentlicher die Rede wird, desto mehr gilt der Prediger plötzlich als ein Böser. Das ist Wahlkampf, und daran wird man wahrscheinlich nichts ändern können. Wer aber genau hinsieht, wer ruhig und objektiv bleibt, der versteht schon, wo die Redlichkeit zuhause ist.

Den Artikel gibt es auch bei GloriaTV als Podcast nachzuhören. Hier lang.

Die Heiligen als unsere Lehrer

Dienstag, Oktober 11th, 2011
MutterTheresa

Die Weisheit unserer Heiligen hat vor allem eine übernatürliche Quelle.


Wenn überhaupt, dann sollten wir in Sachen Kirchenreform besser überlegen, woher wir sie speisen.
Bei Reformern sollte mehr beachtet werden, wer ihre Lehrer waren und in welcher Schule sie gelernt haben.
Ich würde einem Kirchenreformer, der vom russischen KGB ausgebildet wurde,
wahrscheinlich erst einmal nicht über den Weg trauen.
Eine Kirchenreform sollte wohl auch nicht aus Büchern gespeist werden, deren Schreiber der Kirche insgesamt eher feindlich gegenüberstehen.
Wahrscheinlich gibt es nur eine wirklich sichere Nummer: Das ist die unserer Heiligen. Sie sind in ganz besonderer Weise unsere Lehrer und was sie sagen und schreiben, sollte mehr Gewicht bekommen und insgesamt viel mehr Beachtung finden.

Die Kirche ist selbst schuld

Montag, Oktober 10th, 2011
Das Widerwort des Tages

Das Widerwort des Tages

Der heilige Clemens Maria Hofbauer hat als Student in eine Vorlesung gerufen: „Was sie hier lehren, Herr Professor, ist nicht katholisch!“ Dann verließ er den Saal. Clemens Maria wurde einer der großen katholischen Reformer in Europa.
Unsere heutigen Reformer hätten wahrscheinlich das gleiche gerufen, nur wären sie genüsslich sitzen geblieben.
Der Heilige erinnerte seinen Professor an dessen Pflicht, gefälligst zu predigen, was die katholische Lehre sagt. Unsere Reformer erlauben den Lehrern, ihren Kindern alles beizubringen, wenn es nur um Himmels willen nicht katholisch ist.

In Österreich terrorisieren Katholiken einen Pfarrer aus der Gemeinde, weil er schlicht tut, was der heilige Clemens sich wünschte: Katholisch leben und katholisch predigen.

Die Menschen haben sich daran gewöhnt, dass ihnen niemand sagt, man müsse hin und wieder zur Beichte, um zum Tisch des Herrn treten zu können. Das sind aber die Bedingungen. Wagt einer davon zu sprechen, wird er wie ein Bäcker gehandelt, der vergiftete Brötchen verkauft.

Seit fünfzig Jahren predigt niemand, wie schön es ist, in den Himmel zu kommen und wie schrecklich, in die Hölle zu fahren. Es gehört aber zur katholischen Lehre, dass beide Türen offen stehen. Man sollte also unbedingt mal darüber reden. Wagt es einer, gilt er als Terrorist und Menschenverführer.

Den heidnischen Regimen war das Katholische schon immer ein Dorn im Auge.
Die römischen Kaiser folterten, weil die Christen nicht auf die Sakramente verzichten wollten.
In China schmachten Priester und Bischöfe, weil sie zum Papst gehören.
Die Trauer der Verfolgung gehört zur Kirche, wie der Glanz ihrer Heiligkeit und die Schmach ihrer Sünden.

Dass das Katholische jetzt aber für Hass und Ekel innerhalb der Kirche sorgt, das ist bedenkenswert. Es ist die tragische Folge einer schweren Unterlassungssünde der Kirche selbst. Sie verschweigt so beständig das Kleine Einmaleins ihrer eigenen Lehre, dass unzählige Prediger nicht mal mehr wissen, worüber sie zu sprechen hätten.