Ein Papst, wie er leibt und lebt.

Papst Johannes XXIII, zu Lebzeiten gern Johannes, der Gute genannt.
Ein Papst, wie er leibt und lebt.

Papst Johannes XXIII, zu Lebzeiten gern Johannes, der Gute genannt.

Das bunte Spiel der Kirche hat schon seine guten Gründe.
Wir sind bei der Frage, warum die Katholiken den Papst so verehren. Ich erlaube mir eine Gegenfrage: Warum eigentlich nicht?!
Der heilige Pfarrer von Ars hat einmal gesagt: „Nehmt den Menschen den lieben Gott und sie werden das liebe Vieh anbeten“. Damit hat er eine bedeutende These angesprochen, die mehr Tiefgang hat, als man manchmal glauben mag: Der Mensch wird auf die Dauer immer dahin kommen, etwas anzubeten, eben weil er anbeten will.
Die eigentliche These lautet: Der Mensch kann gar nicht anders. Er muss auf die Dauer etwas haben, was er verehren kann. Noch extremer: Der Mensch braucht Gelegenheiten, seinen natürlichen Wunsch zur Verehrung ausleben zu können. Man wird streiten, ob das wahr ist. Ich glaube ja.
Beim Kampf der Religionen und ihrer Gegner müsste es im Grunde einmal um die Frage gehen, was der Mensch überhaupt für ein Wesen ist.
Naive Leute sagen schon mal, der Kommunismus und das Christentum seien eigentlich Geschwister. Die Kommunisten wollten, dass alle Menschen gleich behandelt werden, die Christen wollten das ebenfalls. Die Kommunisten wollten gerechte Machtverhältnisse, das würden die Christen doch auch wollen. Vor Gott seien alle Menschen gleich, und der Kommunismus würde im Grunde das gleiche predigen.
Ich halte das für ausgemachten Unsinn, und das kann nur aufrecht erhalten, wer manche Dinge übersieht.
Wenn das stimmt, dann kann man ebenso die Nazis mit den Demokraten vergleichen. Es gibt nämlich überhaupt keine Ideologie und keine politische Gruppe, die nicht Gerechtigkeit, Gleichheit und Frieden ankündigt!
Die Nazis haben immer von Gleichheit, Gerechtigkeit aller Menschen und vom großen Frieden gesprochen. Nur meinten sie, nicht alle Menschen seien richtige Menschen und der Friede sei erst möglich, wenn man zuvor ein paar Millionen menschenähnliche Wesen umbringt.
Stalin hatte nicht weniger den großen, sozialistischen Frieden proklamiert. Nur, dass auch er ganze Völker, die das nicht einsehen wollten, umsiedeln und vernichten musste.
Die Linken Terroristen aus den Siebzigern wollten die gerechte Welt und die islamischen Bombenleger nicht weniger.
Unsere Abtreibungs- und Euthanasiekultur wird auch bald davon leben (ud tut das schon), dass alte, behinderte und kranke Menschen irgendwie keine wirklichen, ganzen Menschen sind.
Oberfllächlich könnte man meinen, alle wollen doch irgendwie das gleiche. Lediglich die Methoden gingen auseinander. Unterscheiden würden sich alle nur in der Frage, wie man die gerechte Welt bastelt.
Ich gestatte mir, das alles für baren Unsinn zu halten. Die Menschen unterscheiden sich natürlich in den Vorstellungen, was die Methoden angeht. Sie unterscheiden sich vor allem aber in ihren Vorstellungen, was das Grundmaterial, der Menschen eigentlich ist. In dieser Frage muss man wählen und aus dieser Wahl wachsen alle anderen Entscheidungen.
Unsere Freunde von der nervösen Atheistenfront, die unbedingt alles Religiöse abschaffen wollen, irren vor allem in ihrer Behauptung, der Mensch könne ohne Religion fröhlich sein. Der heilige Pfarrer von Ars hätte ihnen ins Gesicht gelächelt und wahrscheinlich gesagt, sie sollten sich erstmal mit dem Menschen an sich beschäftigen, bevor sie ihn heilen.
Die Kommunisten glauben, der Mensch sei vom Grunde seiner Sehnsucht her ein sozialistisches Wesen. Der Sozialismus müsse sich nur einmal durchsetzen, dann entstünde der irdische Friede ganz von selbst.
Ebenso die Nazis, die den nationalsozialistischen Frieden proklamieren. Sie sind nicht dumm, weil sie die Juden umbringen wollen, sondern weil sie glauben, sie seien keine ganzen Menschen.
Ich glaube mit dem heiligen Pfarrer, dass die Menschen sich auf die Dauer ohne eine Verehrung nicht wirklich ausleben können, und ich finde es sehr gesund, wenn Mädchen sich Pferdeposter und erwachsene Katholiken sich den Papst an die Wand hängen. Bei den Kommunisten hing auch der Marx an jeder Ecke. Richtig erwachsen wird es allerdings erst dann, wenn der Mensch nicht seinesgleichen, sondern wirklich etwas Höheres anbeten kann. Das tun wir, quasi durch den Papst hindurch.

Der Papst soll ein Zeichen sein für das Heilige in der Welt.
Eine alte, adelige Dame wollte in der Kirche gerade ihren festen Platz einnehmen. Seit Jahrhunderten hatten die Grafen sich dort niedergelassen. Heute war der Platz besetzt. Leise, höflich, aber deutlich bat sie den etwas ordinär gekleideten Herrn, sich zu erheben und Platz zu machen. „Bei Gott sind alle Menschen gleich!“, antwortete der und blieb sitzen. Die Dame antwortete, jetzt nicht mehr so leise: „Es stimmt. Bei Gott sind alle Menschen gleich, aber hier unten, hier herrscht Gott sei Dank noch Ordnung!“
Als ich Klein war, kam der Nikolaus. Ein heiliger Schauer überkam uns Kinder, etwas Heiliges betrat unser Haus. Später verlangte man, der Nikolaus solle sich vor den Augen der Kinder umziehen. Die Kleinen sollten sehen, dass das alles nur ein Spiel war, und vor allem, dass es das Heilige in Wirklichkeit gar nicht gibt.
Das war ein bisschen wie mit den Höhlen, die wir aus Stühlen und Decken daheim gebaut hatten. Auch die waren so etwas wie heilige Hallen. Man durfte sie nur mit der ganz besonderen Erlaubnis eines heiligen Wächters betreten. Als das Spiel vorbei war, faltete man die Decken zusammen. Die Stühle kamen an den Tisch und alles Heilige hatte sich in Laken und Möbel aufgelöst. Alles war nur ein Spiel gewesen und das Heilige nur eine Märchenvorstellung. Auf dem Boden der Tatsachen gab es nur Stoff und Holz.
Das hatte der Mann in der Kirche angedeutet: Das mit dem Besonderen löst sich einfach auf. Vor dem Blick des Objektiven gibt es nur Rohmaterial.
Ich glaube das alles nicht. Ich glaube vielmehr, dass es das Heilige doch gibt. Ich glaube sogar, das Heilige ist wirklicher als unsere Welt.
In der Bibel stand Mose vor dem brennenden Dornbusch und hörte, er solle die Schuhe ausziehen, er betrete heiliges Land.
Hier war nun alles anders. Hier sprach kein Opa, der hinter dem Busch hervorkommen und sich umziehen konnte. Hier ertönte eine gewaltige Stimme aus der anderen, mächtigen Welt.
Entscheidend ist, dass die hiesige das Heilige, was sich hier darstellte, nicht als Scheinbild zusammenbauen konnte. Vielmehr würde es hier nun umgekehrt sein. Wenn hier etwas gebaut worden war, dann die hiesige Welt von der anderen her.
Dass der Dornbusch flackerte, ohne zu verbrennen, ist dafür ein deutliches Zeichen. Ein Rohmaterial, das den nüchternen Gesetzen des Globus gehorcht, kann das nicht.
Die Mosegeschichte behautet, dass es das Heilige gibt, dass es aus der anderen Welt kommt und dass es das Sagen über die unserige hat.
Wir stehen an der Grenze eines Glaubensstreites. Die einen sagen, das Heilige ist nur ein Schein, den man zerlegen kann. Wenn sie Recht haben, dann kann man die ganze Kirche mit heiligen ihrem Prunk wie eine Kinderhöhle auseinanderbauen und auflösen.
Die anderen sagen, das Heilige ist das eigentlich Wirkliche und unsere Welt verdankt sich ihm. Das Heilige gewährt allem auf Erden sein Dasein. Es ist allmächtig, verehrungswürdig und kann als Person angesprochen werden.
In der Frage nach der Verehrung des heiligen Petrus können wir diesen von den beiden Seiten her sehen. Zum einen ist da der Mensch, der verschiedene Kleider tragen kann. Er ist der Fischer, der Sünder und fehlerhafte Mann aus Galiläa.
Auf der anderen Seite ist er vom heiligen Gott mit einer heiligen Aufgabe bekleidet worden. Diese prägt ihn ganz und gar. Er erscheint uns nicht als Simon, der Fischer, sondern als der heilige Vater, der so heißen kann, weil der heilige Christus ihn zu seinem Platzhalter auf Erden gemacht hat. Durch ihn hindurch verehren wir den Heiligen, der ihn uns geschenkt hat.
beging Ali Agca das Attentat auf den seligen Papst Johannes Paul II.

Ein Grund, diesen Tag zu einem Gebetstag für den Papst zu machen.
Es gibt wieder was zu hören hören:
Einen neuen Podcast von mir auf GloriaTV.
Diesmal geht es um das Petrusamt.
Wer Interesse hat: Hier lang.
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