
Velázquez, Diego: Krönung Mariens, Ausschnitt.
Heute ist der Gedenktag „Maria Königin“. Warum aber, wenn Maria doch nie königlich war?
Wer ein König oder eine Königin ist, der weiß das und nennt sich so. Es hat wohl noch keinen König gegeben, der nicht um sein Königtum wusste und kaum ein König erzählt keinem, dass er ein König ist.
An der einzigen Stelle im Evangelium, wo Maria von sich selbst spricht, sagt sie ihr berühmtes „ecce ancilla domini“ – „Siehe, ich bin die Magd des Herrn.“ Offenbar das Gegenteil einer Königin.
Ein Blick auf die Kunst, die uns die Szenen aus ihrem Leben zeigen, stellen uns Maria in Alltagskleidung vor. Auch da ist nichts von Brokat und königlichen Gewändern.
Ein Gedanke.
Es gibt innerhalb der Theologie eine eigene Lehre über Maria, die Mariologie genannt wird.
Die Mariologen sagen aber, dass es keine eigene Lehre über Maria gibt. Das klingt paradox, meint aber das Entscheidende.
Wenn Theologen über Maria sprechen, dann zur Erklärung theologischer Dinge. Diese Erklärung zeigt jedoch nicht auf Maria selbst, sondern mehr auf ihren Sohn und sein Wirken.
Maria ist überhaupt nur wegen ihres Sohnes das, was sie ist.
Ein Beispiel. Wir nennen Maria die Neue Eva. Die alte hatte mit ihrer Entscheidung das Verhältnis der Menschheit mit Gott verdorben.
Gott wollte das wieder gut machen und mit einer neuen Eva beginnen. Der Verrat der alten Eva war die erste Sünde auf der Welt.
Dadurch, dass Eva bis dahin nicht gesündigt hatte, war ihre Entscheidung ganz frei, ganz ungetrübt und ganz unverfälscht.
Da Gott mit einer neuen Eva wieder neu beginnen wollte, bewahrte er diese frei von jeder Trübung, also frei von jeder Sünde. Auch sie sollte ganz unverfälscht, frei und ungetrübt Ja oder Nein sagen können.
Maria war ohne Sünde. So konnte sie überhaupt erst die neue Eva sein. Aus dieser freien und ungetrübten Entscheidung ging ihr Sohn hervor.
Wir sehen, Maria ist überhaupt nur wegen ihres Sohnes und durch ihren Sohn das, was sie ist. Eine Wissenschaft über Maria betreiben heißt, über ihren Sohn und über sein Werk, die Kirche sprechen.
Nun ist es so, dass ihr Sohn mehr oder weniger verkleidet über die Welt ging. Er verbarg seine eigentliche Majestät und offenbarte sie nur selten.
Jesus sah nicht aus, wie ein König, er war aber einer. Er kam daher wie ein Bettelmann und war doch der Herrscher des Weltalls. Er sah aus wie einer, den man einfach hinrichten konnte und besiegte in seiner Macht am Kreuz den Tod.
Paulus schreibt, jedes Knie wird sich vor ihm beugen und jede Zunge wird bekennen: „Jesus Christus ist der Herr, zur Ehre Gottes des Vaters.“ (Phil 2)
Jesus ist der König und sein Königtum spricht sich bereis im Namen aus. Er ist der „Christus“, was „der Gesalbte“ heißt.
Hier tut sich nun ein Umstand auf, um den die Christen leider nicht viel wissen: Auch sie werden im Ritus der Taufe mit dem heiligen Chrisamöl gesalbt. Damit haben sie Anteil an Christus selbst und Anteil an seinem königlichen Titel!
Wenn man so möchte, sind die getauften Christen allesamt durch ihre Zugehörigkeit zum König des Weltalls kleine, aber wahre Prinzen und Prinzessinnen am kirchlichen Hof, der in die Welt gestiftet ist.
Es schließt sich eine Klammer: Christus ist der König des Himmels und der Erde. Die Christen bekommen in den Sakramenten Anteil an seinem Königtum und werden Söhne und Erben genannt. Mitten da hinein ordnet sich Maria, die Mutter und zweite Eva. Jetzt als geistliche Mutter der neuen, getauften und königlichen Menschheit; zugleich als Mutter des Gesalbten, des Königs des Weltalls. Wenn all das sie nicht zur Königin macht, was dann?
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