Posts mit Tag ‘Gehorsam’

Franz und der Gehorsam

Samstag, Januar 28th, 2012
Gott überrascht die Welt in seinen Helden.

Gott scheint eine Vorliebe dafür zu haben, die Welt in seinen Helden gründlich zu überraschen.

Am Gehorsam scheiden sich die Lager, wie an einer Klinge. Entweder man hasst oder man liebt ihn. Für den einen muss er als erstes bekämpft werden, für den anderen ist er der Garant all dessen, was er lieb hat. Das gehört erklärt.

Der heilige Franz von Assisi zählt ohne Zweifel schon zu den großen Helden des Katholischen. Ob man durch Assisi läuft oder in den Büchern und Berichten über ihn stöbert; immer scheint es, als ob der heilige Bettler gerade um die nächste Ecke gebogen kommt und einem ein lebendiges Bild vor die Augen führt; von etwas, was Gott besonders gesegnet hat.

Als das Kreuz von Dan Daminano zu Franziskus sprach, hat der Schöpfer ihn direkt und mitten im Leben angesprochen. Ebenso direkt und schnell antwortete er mit seinem ganzen Leben darauf.
Ohne zu zögern, ohne überhaupt irgendwelche Rücksichten zu bedenken, stürmt er begeistert los und nimmt sich nicht einmal Zeit, in Ruhe Ja zu sagen, geschweige denn, etwas zu bedenken.
An Franziskus wird klar: Das liebt der Liebe Gott! Alles wagen, sich wie ein Kind in seine Arme werfen und nichts zurück behalten wollen! Solche Leute bekommen alles zehnfach und hundertfach wieder!

Es gibt aber eine kleine Geschichte im Leben des heiligen Franz, die zum letzten, großen Wendepunkt, zur letzten Prüfung wurde. Es ist die Begegnung mit dem Aussätzigen.

Von Kind an hatte sich der verwöhnte Jüngling vor dem Geruch und dem abstoßenden Äußeren der Kranken gefürchtet, wie man sich vor Schlangen ekelt. Jetzt, da er endlich ein anderer werden wollte, marschierte die Prüfung leibhaftig auf ihn zu: Ein Aussätziger kam ihm auf seinem Weg entgegen, unausweichlich. Das war die Stunde der Entscheidung: Franz nahm allen Mut zusammen, überwand seinen Ekel und tat, was er immer tat: Das Extreme!
Er fiel dem Kranken um den Hals und küsste ihn, als sei er die Großmutter. Und sogleich war ihm, als ob sich mit einem mal sein ganzes Leben ändern würde, 
Später sagte er, ab da sei ihm, was zuvor süß war, bitter, und alles Bittere sei ihm süß geworden.
Was ihn abgestoßen hatte, das bekam jetzt eine geheimnisvolle Anziehungskraft und eine zuvor nie gesehene, verborgene, aber wirkliche Schönheit. Wenn man so möchte, wurde dem erstaunten Jüngling jetzt der tiefere Blick gewährt. Der blieb nicht mehr am Äußeren hängen, sondern konnte die Dinge jetzt von ihrer tieferen, leuchtenden Wahrheit her schauen.

Wenn er jetzt den Aussätzigen küsste, dann eigentlich nicht mehr die äußeren Wunden und Krusten, sondern vielmehr dessen Seele. Jetzt leuchtete etwas, was nur jene schauen konnten, die den Weg bis hierher mitgegangen waren.

Für den reinen Beobachter, der nur äußerlich anweste, wurde der junge Franz jetzt unverständlich. Für alle, die lieber in ihrer Welt zurückgeblieben, fing Franziskus jetzt das Spinnen an. Er tat plötzlich unbegreifliche Dinge. Er verachtete, was alle lieben. Er verschenkte seine Habe, warf alles Äußere von sich und ging in der freudigen Sicherheit eines von Gott Geküssten in die Wälder. Ohne doppelten Boden.

Hier schieden sich endgültig die Geister, und der junge Franz wurde zum Stein des Anstoßes. Wer zurückblieb, der blieb zurück. Wer aber das Eigentliche erkannte und den Mut hatte, ihm zu folgen, der erlebte auch, was er erlebte. Wer mitkam, der musste jedoch auch damit rechnen, dass er den selben Spott, den Hohn und den Zorn der Oberflächlichen auf sich ziehen würde. Der bleibt keinem erspart, der die schnöden Oberflächlichkeiten der Welt von sich wirft und sie den Feigen überlässt.

Wir sind beim Gehorsam. Dabei zeigt sich, dass der, wie der Ekel vor dem Aussatz, mit zu den Dingen gehörte, die eine neue Einschätzung erfuhren. Auch der Gehorsam hörte auf, ein Schreckgespenst zu sein.

Zur Zeit des heiligen Franz hatte sich die Kirche, wie es heißt, mit Pomp und Glämmer angetan. Kirchenfürsten zogen in prächtigen Kutschen durchs Land, gefolgt und umgeben von Dienern und Vasallen, die gebratene Fasanen herbei trugen. Für viele, wahrscheinlich für so ziemlich alle, ein Stein des Anstoßes und ein willkommener Gegenstand zur gerechten Rebellion.
Nicht aber für den Spinner aus Assisi. Der verlangte von seinen Jüngern wieder das Unglaubliche. Er bestand mit Nachdruck darauf, dass sie die Kirchenfürsten umarmten, wie er zuvor den Aussatz. Er verlangte, dass sie den verwöhnten Bischöfen ihre Ringe küssten; und das nicht als äußerliche Demonstration, sondern aus ehrlicher Liebe und aus Glauben.

Franziskus zog mit seiner Schar nach Rom, um zum Papst vorzustoßen. Er ging aber nicht, um ihn zu belehren oder aufzubegehren. Er ging, um ihm vor die Füße zu fallen und ihm demütigen Gehorsam zu leisten. Er verlangte nicht, dass sein Orden anerkannt würde, sondern er bat auf Knien darum. Aus tieferer Einsicht war er der Diener geworden, der er sein sollte.

Es heißt, der Papst hatte des Nachts einen Traum, der ihm den armen Bettler als Retter der Kirche offenbarte. Daraufhin bekam Franz, was er wollte. Er bekam es nicht, weil er dem Papst die Türe eingerannt, sondern weil Gott selbst eingegriffen hatte. Franz rebellierte nicht, sondern überließ alles dem, der die Rebellion nicht wünscht, weil er sie nicht braucht.

Die Rebellion des Ungehorsams hat viele Anhänger. Die Fürsprache des heiligen Franz sicher aber nicht. Franz wusste, wie kein anderer um die Misstände der Kirche, die zu seiner Zeit größer waren als heute. Dennoch, den verwöhnten Papst umarmen hieß Gott um den Hals fallen. Unverständlich für die Äußerlichen, für ihn aber geschaute, tiefere Wahrheit.

Der heilige Thomas sagt einmal, alle lieben das Süße. Der eine mag süßen Wein, der andere süße Trauben oder Speisen. Was aber die vorzüglichste Süße sei, das möge man nicht die vielen fragen, sondern den mit dem feinsten Geschmack. In unserem Fall sollten die befragt werden, die die guten Augen haben; die mit dem gesegneten Blick. Die, die einfach mehr und besser sehen. Nicht irgendwelche äußerlichen Mehrheiten. Mögen diese sich aus demokratisch nennen.

Zum Gehorsam: Der gute und der böse Blick

Montag, August 29th, 2011
Der Kirche ist aufgegeben, Gottes gütigen Blick zu spiegeln. Bei den Heiligen lässt sich das hier und da noch wirklich finden.

Der Kirche ist aufgegeben, Gottes gütigen Blick zu spiegeln. Bei den Heiligen lässt sich das hier und da noch wirklich finden.

Ein Gedanke von Guardini. 
Es gibt Blicke, die machen einen herunter. Es gibt Blicke, die sind unzüchtig. Es gibt Blicke, die einen nackt da stehen lassen und solche, die Angst machen.
Es gibt jedoch auch den Blick, der gewährt. Es gibt den Blick, in dem man wachsen kann. Es gibt einen Blick, der Geborgenheit vermittelt und es gibt den Blick, der versteht.  

Wenn wir von Gott reden und wissen, dass wir gesehen werden, dann müssen wir bedenken, dass sein Blick der zweite ist.
Angesichts der Härten und Schweren der Welt und des Lebens gehört es gleichsam zu den großen, heiligen Pflichten, sich an dieses Wissen zu gewöhnen: In Gott möchte man für immer bleiben. In ihm begegnen wir sowohl der absoluten Güte, als auch der absoluten Mächtigkeit.

Es kann kein gutes Buch über den Gehorsam geben, dessen allererstes Kapitel nicht davon spricht.

Zum Leben gehört aber auch, dass wir nicht nur in Gott, sondern auch in der Welt leben. Und da tut sich eine Kluft auf.
Der katholische Glaube sagt von der Welt, dass sie nicht mehr ist, wie sie einst geschaffen wurde. Ein schreckliches Ereignis, in das der Mensch verstrickt ist, hat die Welt verändert.
Ein Ereignis, das wir etwas unbeholfen Erbsünde nennen, hat dafür gesorgt, dass die Welt kein Zuhause mehr ist und kein liebenswerter Spiegel des gütigen, schöpferischen Blickes mehr.

Ohne jetzt auf die näheren Umstände jenes schweren Ereignisses eingehen zu müssen, können wir uns wahrscheinlich darauf verständigen, dass die Welt fremde Seiten hat; Seiten, die grausam, kalt und hart sind. Damit ist die Welt neuerdings zu Spiegel geworden, nämlich zum Spiegel für die Tatsache einer fremdmachenden Gottvergessenheit.

Der Schöpfer ist stets der selbe und immer gleich geblieben. Es liegt an unseren Augen und an unserer offensichtlichen Unfähigkeit, den Blick des Schöpfers wieder ganz wahrzunehmen. Das alles und die vielfachen Umstände daraus, sorgen letztlich dafür, dass sogar der Dienst an Gott bisweilen so etwas wie einen sanften Zwang braucht.

Die Dummheit und die Leichtigkeit des Gehorsams

Sonntag, August 28th, 2011
Die Leichtigkeit der Gottesliebe fand besonders in der Kunst der Barock einen lebendigen Ausdruck.

Die Leichtigkeit der Gottesliebe fand besonders in der Kunst der Barock einen lebendigen Ausdruck.

Wir wollen den Gedanken des katholischen Gehorsams entwickeln und betrachten. Einen Gedanken entwickeln meint, ihn möglichst von seinem Wurzelwerk her ins Auge fassen, um ihn besser verstehen zu können.

Wenn man das beispielsweise beim neusten Modell eines Formel Eins Wagens macht, dann geht man zurück auf die Anfänge. Wie waren die ersten Rennen, wi die Strecken und Anforderungen? Wie wurden die ersten Fahrzeuge gebaut? Was wurde weiter geführt, wozu dies, warum das. Man kann alles beleuchten, bis man über alles viel besser Bescheid weiß und erst wirklich Ahnung bekommt.

Leute, die auf solche Gedanken verzichten, die keine Lust haben, sich tiefer mit einer Materie zu befassen,  nennt man oberflächlich. Sie schwimmen nur im warmen, flachen Wasser und sehen nur, was ihnen gerade vor den Augen daher schwimmt. Das macht gar nichts.
Die Kenner, die sich mehr Mühe gegeben haben, werfen den Oberfächlichen allerdings schon mal vor, keine wirkliche Ahnung zu haben.

Bestehen nun die oberflächlicheren Leute darauf, alles zu wissen und beurteilen zu können, dann nennt man sie dumm. Der Dumme ist faul, nicht im Bilde, meistens trotzdem ziemlich laut, und vor allem: Einer, der nicht zu seinem Unwissen steht. Das Dumme an der Dummheit ist, das sie sehr wirksam ist auf der Welt.

Beim kirchlichen Gehorsam muss man wahrscheinlich besonders darauf achten, nicht dumm zu sein. Das Wort selbst ist ja etwas schwierig und kann schon mal dafür sorgen, dass man es eher liegen lässt. Da muss man schon mal etwas Disziplin haben, um an den Kern und den Genuss heranzukommen.

Wir sind dabei, etwas ungewöhnlich anzufangen. Es gibt nämlich einen Gehorsam, der fast nicht mehr so genannt werden kann. Der hat nämlich weder mit Überwindung, noch mit irgendwelchem Zwang oder keine Lust zu tun. Es gibt einen Gehorsam, der als solches gar nicht mehr gespürt wird.

Wenn mein Vater sich früher wünschte, ich solle ihm beim Autowaschen helfen, hat mich das Überwindung gekostet (wenn es denn überhaupt mal dazu kam).
Was wäre gewesen, wenn mein allerliebstes, verrücktes Hobby das Pflegen und Polieren fremder Wagen gewesen wäre? Ich hätte ihm den Seinen mit größter Hingabe gewienert und ein Lied dabei gesummt. Am Ende wäre ich womöglich traurig gewesen, dass alles schon erledigt war. Zugleich hätte ich dennoch dem Wunsch meines Vaters einen wirklichen und wahrhaftigen Gehorsam geleistet; einen nicht spürbaren sozusagen.

Das ungefähr hat es mit dem Gehorsam der heiligen Engel auf sich. Sie haben an nichts größere Lust, als dem Schöpfer zu singen, ihm zu dienen, ihn zu betrachten und ihn einfach zu lieben. Da ist nichts von Faulheit, Neid, keine Lust oder Überwindenmüssen.

Das „Dein Wille geschehe, wie im Himmel“ von hier aus betrachtet, bekommt eine ganz neue Wendung. Es meint, dass schön wäre, wenn dem Schöpfer auf Erden mit der gleichen, freudigen und leichten Hingabe gedient würde, wie es im Himmel geschieht?

An sich ist der Gehorsam gegen Gott ein reines und helles Vergnügen. Dass wir uns hier überhaupt schwer damit tun, hat Gründe, die wir uns bald genauer anschauen sollten.

Wie geht Gehorsam richtig?

Donnerstag, August 25th, 2011

Jetzt soll es also um den Gehorsam gehen, und ich sage gleich, dass es schwierig werden kann.

Erst in der Liebe hört der Gehorsam auf, schwierig zu sein.

Erst in der Liebe hört der Gehorsam auf, schwierig zu sein.

Im Namen des Gehorsams wurden schon viele, tiefe Wunden geschlagen.
Auch die sensibelste Rede kann verletzten Menschen weh tun, und die richtigste Rede kann fehl am Platze sein.
Manche sagen deshalb, man solle das Thema meiden und überhaupt nicht darüber sprechen.
Dieser Meinung bin ich nicht. Wo die Rede passt, muss sie gehalten werden. Sie gehört zum Standart der christlichen Aufklärung.

Dass der Gehorsam verletzen kann, hat seinen Grund darin, dass Macht haben wollen zu den großen Versuchungen der Menschheit gehört.
Es gibt Leute, die sagen, hinter den großen Versuchungen Sex und Geld stehe jeweils noch einmal ein Wille nach Macht.

Wie immer auch, Gehorsam einfordern kann ein bequemes Mittel sein, ungerechte Macht auszuüben. Es gibt also einen Gehorsam, der um jeden Preis verweigert gehört, und christlich gesprochen kann es Sünde sein, manchen Gehorsam zu leisten. Ebenso gibt es Sünden, die erst aus Gehorsamsverweigerung wachsen.
Hier kommen Verwechselungen vor. Gerechter Gehorsam wird ungerecht genannt und ungerechter gerechtfertigt. Damit kommen die Dinge aus dem Lot.

Ein Gedanke.
Der heilige Thomas sagt, zum Begriff der Religion gehöre es, dass Gott die schuldige Ehre erwiesen wird.
Damit spricht er etwas aus, was die meisten Christen wahrscheinlich gar nicht mehr wissen.
Man braucht den Begriff Gott eigentlich nur kurz meditieren und bedenken, dass wir es hier mit dem Schöpfer zu tun haben.  Dabei müsste sich eigentlich bald schon zeigen, dass ihm Ehre gebührt; allein schon, weil er uns – eben als Schöpfer – das Dasein schenkt und weil er ständig sorgt, dass wir nichts ins Nichts hinabfallen.

Damit haben wir den ersten Grund gelegt. Aus dem Begriffspaar Gott und Geschöpf erwächst ein Gebot und eine Aufgabe, der sich eigentlich kein Mensch entziehen darf: Das Gebot, den Namen Gottes mit Liebe und Ehrfurcht im Mund zu führen. Gott zu ehren und zu lieben ist geradezu schon ein Akt des Gehorsams gegen dieses erste der Gebote.