Wir sprechen vom sogenannten Sündenfall in der Bibel und meinen die erste Sünde auf Erden. Dieser Sündenfall ist der große, weil von ihm alle Sünden ausgingen. Er ist jedoch nicht der einzige Sündenfall. Es folgte sogleich der nächste, der Mord des Kain an seinem Bruder Abel.
Später folgte ein weiterer, der zur Sintflut führte. Der Turmbau zu Babel wird ebenfalls als Sündenfall geschildert. Wenn wir etwas genauer hinsehen, benutzt die Bibel die frühen, großen Sündenfälle anscheinend, um durch sie die verschiedenen Sündenarten zu beschreiben. Die Sündenfälle scheinen wie Wurzelstöcke, an denen die selbe Sorte Sünde immer wieder keimt und sprießt.
Die Sünde des Turmbaus zu Babel etwa zeigt, dass der Mensch Gott nicht als Gott anerkannte, sondern sich selbst an seine Stelle setzte. Diese Sünde erleben wir bei Mose wieder, als er mit den Geboten vom Berg herabkam. Den wahren Gott durch Götzen ersetzen ist ein immer wiederkehrender Frevel.
Die Sünde des Kain allerdings war der Neid. Gott hatte auf das Opfer seines Bruders Abel wohlwollend geschaut und Kains nicht beachtet. Jetzt war er neidisch, er sah sich ungerecht behandelt. Dadurch wurde er zum Mörder.
Dass Gott ohne Begründung auf das Opfer des einen schaut und auf das des anderen nicht, das provoziert. Provoziert hatte später im Evangelium ebenso das Gleichnis von der gleichen Bezahlung bei ungleicher Arbeitszeit. Auch das empfinden die Entlohnten ungerecht. Auch sie sind neidisch und können die Entscheidung des Herrn nicht als seinen immer heiligen Willen achten.
Genau diese Haltung steht hinter einer Tendenz im modernen Kirchenstreit. Viele würden niemals einen Gott anerkennen, der nicht ihren Vorstellungen von Gerechtigkeit etwa entspricht. Den Feministen muss er eine Mutter sein, einen anderen darf es nicht geben. Den Therapeuten hat Gott ein Therapeut zu sein. Den Gutmenschen muss Gott ein Gutgott sein, und allen ist gemeinsam, dass Gott nicht sein darf, wer er sein möchte. Hat das nicht ganz altes Wurzelholz?















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