Posts mit Tag ‘Abtreibung’

Katholische Fremdwörter: Inquisition und Ketzerei – ein Grundgedanke

Freitag, Januar 6th, 2012
Der Oberlehrer meint: Was mit fremden Wörtern erklärt wird, bleibt unverstänlich.

Der Oberlehrer meint: Was mit fremden Wörtern erklärt wird, bleibt unverstänlich.

Je länger ich über meine Aufgabe nachdenke, über Inquisition und Ketzerei zu schreiben, je mehr drängt sich mir der Gedanke auf, wo unser eigentliches Grundproblem damit liegt.
Kaiser Konstantin hat das Christentum im vierten Jahrhundert erstmals staatlich erlaubt. Nicht nur das. Er fing sogleich an, es zu fördern. Damit wurde die christliche Religion, wie zuvor die heidnische, zur Staatsangelegenheit und zu einem Element der gesellschaftlichen Ordnung.

Von dieser Zeit an galt Ketzerei immer auch als ein Angriff auf die gesellschaftliche Ruhe. Es war der am Ende auch der Kaiser, der im ersten großen Kirchenstreit die Bischöfe zusammenrief, dass sie sich gefälligst einigen sollten. Es war auch der Kaiser, der die ersten Verbannungen von andersgläubigen Bischöfen garantierte. Immer galt, wer die Religion durcheinander bringt, der bringt die Gesellschaft durcheinander.
Gar nicht lange vor Konstantin mussten die Christen aus dem gleichen Grund sterben. Hier waren sie es noch gewesen, die sich weigerten, dem Kult zu dienen, der die Gesellschaft zusammen hielt.

Was gern übersehen wird, ist dieses doppelte Interesse. Es stimmt nicht, dass nur die Kirche einfach ihre Wünsche anmeldete, die Ketzer loszuwerden und den Staat dazu brauchte. Genau so wahr ist, dass auch die Politik ein allergrößtes Interesse hatte, die Ketzer zu finden. Der Staat wollte sich ihrer ebenso entledigen und brauchte die Kirche, sie aufzustöbern.

Wir brauchen nicht immer versuchen, die Kirche aus den Schatten heraus zu reden, in dem sie nunmal stand und steht. Es würde oft schon reichen zu zeigen, dass sie dort nicht allein ist.
Die große Sünde, der sie sich anzuklagen hat ist nicht, dass sie Ketzer für Ketzer hält. Ihr großes Problem ist, dass sie immer mit der ganzen Gesellschaft schuldig wird und nicht vermag, ihr ein kritisches Licht anzuzünden.

Heute haben wir das gleiche Problem in etwas anderer Gestalt. Natürlich hat die Gesellschaft kein Interesse mehr, Ketzer aufzuspüren und zu vernichten. Das liegt aber nicht daran, dass sie nicht mehr auf Jagd geht.
Es sind nur nicht mehr die Ketzer, weil Ketzerei keine gesellschaftliche Bedrohung mehr bedeutet.
Heute sind es, gesellschaftlich gesehen, andere Störenfriede, auf die Jagd gemacht wird. Plassberg stellte in seiner Sendung fest, dass uns heute bereits gelingt, über neunzig Prozent aller Ungeborenen mit Downsyndrom zu finden und abzutreiben.

Wir sehen heute, dass die Kirche in früheren Zeiten zu sehr mit den staatlichen Organen verbündet war und sie für ihre Zwecke nutzte. Ebenso bediente sich der Staat der kirchlichen Mittel, wie der Inquisition, ihre gesellschaftlichen Störenfriede ausfindig zu machen.
Wir erkennen in der modernen Trennung von Kirche und Staat eine große Chance, sich von diesen Verquickungen fern zu halten. Es wäre es ein wichtiges Zeichen seitens der Kirche, sich entsprechend deutlich abzugrenzen. Es scheinen mir aber gerade die modernen Bestrebungen der kirchlichen Annhäherung an die gesellschaftlichen Trends eine Gefahr zu sein, sich wieder in alte Muster zu begeben.
Wenn die Kirche sich in Fragen der Abtreibung, der Euthanasie oder anderer gesellschaftlicher Bewegungen wieder an die Trends anschmiegt, scheint mir das eine ziemlich deutliche Parallele zu sein an Zustände, die uns eigentlich eine Lehre sein müssten.

Die bittere Pille

Dienstag, August 30th, 2011

Eigentlich wollte ich eine Reportage über das diesjährige Lebenshilfefest in Duderstadt posten. Mit meinem Posting Propagandatag hatte ich damit begonnen.

Die Lebenshilfe Eichsfeld e.V. kümmert sich mit viel Engagement und vorbildlicher Hingabe um die behinderten Menschen bei uns. Alle zwei Jahre veranstaltet sie ein großes Fest in der Stadt. Es kommen die Leute von überall her und feiern auf einer großen Bühne, an vielen Ständen, und alle sind auf den Beinen. Mir gefällt ganz besonders, dass die Leute mit Behinderung jeder Art ganz besonders an diesem Tag mitten dabei sind und mit größter Selbstverständlichkeit die Hauptdarsteller sind an diesem Fest.
Das erinnert ein bisschen an die Stimmung von Lourdes. Auch dort gehören die Kranken einfach zum Stadtbild sozusagen, und das ganze Jahr über kümmert man sich mit viel Liebe um sie. Die Selbstverständlichkeit des öffentlichen Zusammenlebens wünscht man sich unwillkürlich für immer.
Die Lebenshilfe ist in Duderstadt jedenfalls eine echte Institution und eine Perle des Stadtbildes.

So schländerte ich mit dem Phone bewaffnet und schoss Photo um Photo für meine kleine Reportage. Besonders gerührt hat mich der Auftritt der Tanzgruppen am frühen Mittag.

Lebensfreude PUR!

Lebensfreude PUR!

Jetzt kann ich meine Reportage nicht schreiben. Die Bilder bleiben auf dem Rechner und die Leute von der Lebenshilfe können nichts dazu. Während auf der Bühne die helle Lebensfreude auf das Publikum ausgestrahlt, geht mir einfach nicht aus dem Schädel, was ich am Morgen in der Tagespost gelesen  habe.

Dort stand, die Wissenschaftler haben ein neues Verfahren entwickelt, wie man das Downsyndrom bei ungeborenen Kindern jetzt ohne großes Risiko für die Mutter aufspüren kann. Das Verfahren ist “umstritten”. Das bedeutet, zur Durchsetzung muss man noch warten, bis die Proteste vorbei sind.

Seit man die mongoloiden Kinder unter den Ungeborenen aufspüren kann, werden bereits über neunzig Prozent vor der Geburt getötet; möglichst früh natürlich, bei klar ersichtlicher Behinderung allerdings problemlos bis einen Tag vor der Geburt; Tötung in der Regel per Stich ins Herz, wie sich herumspricht.
Das wird Errungenschaft genannt. Den Müttern und Vätern bleibt viel erspart und den behinderten Kindern ihr Leben. So heißt es. Viele Menschen, die nicht wissen, was dahinter steckt und wie das alles vonstatten geht, denken so und mit dem Trend, wahrscheinlich ohne Schuld.

Wer sich interessiert, der weiß schon lange um die Zahlen und um die Wirklichkeit. Jetzt, auf dem Fest tanze und klatsche ich mit. Es ist herrlich anzusehen und ich möchte meinen Freunden die Stimmung nicht vermiesen. Mein Wissen aber sitzt mir im Herzen, wie eine bittere Pille einem in der Gurgel stecken bleibt.

Das Aufspüren der mongoloiden, ungeborenen Kinder vor der Geburt kommt mir vor wie eine eröffnete Jagd. Neunzig Prozent erwischen wir bereits. Jetzt, mit dem neuen Verfahren werden es vielleicht wieder ein paar Prozent mehr.

Die behinderten Menschen auf der Bühne kommen mir plötzlich vor wie Entlaufene, die man leider nicht gekriegt hat. Es geht mir im Schädel umher: Hätten wir euch damals entdeckt und wären die Eltern offen für die neue Entwicklung, dann hätten wir dafür gesorgt, dass ihr jetzt nicht auf der Bühne stehen könnt. Wenn wir uns kräftig weiterentwickeln, dann wird ein Lebenshilfefest eines Tages gar nicht mehr nötig sein. Dann erwischen wir alle und befreien die Welt von den behinderten Menschen wie Euch!

Unsere Verfahren verhindern wohlgemerkt nicht die Empfängnis und das in die Welt kommen behinderter Menschen. Die wird es immer geben. Unsere Verfahren erlauben uns nur, die, die schon da sind, zu entdecken und zu töten.

Klarstellung zum Wort “Verbrechen”

Dienstag, Juli 12th, 2011
Das Gesetz des Mose hat seine unerbittliche Seite. Das sei allen gesagt.

Das Gesetz des Mose hat seine unerbittliche Seite. Das sei allen gesagt.

Ich habe gestern ein schweres Wort in meiner Überschrift geführt, das aus dem Kommentar der Piusbruderschaft stammt: Das Wort „Verbrechen“.  
Ich bin mir im klaren über die Härte der Formulierung. Daher eine kurze Klarstellung.

Eins muss klar sein und bleiben: Wir diskutieren bei PID und der Abtreibung über menschliches Leben, das die volle Menschenwürde hat. Leben, über dessen Lebendürfen niemand ein Recht hat zu entscheiden. Wenn ein Staat das dennoch tut, dann nimmt er sich, was er sich nicht nehmen darf.
Katholisch gesprochen sind die Gesetze über die Abtreibung und jetzt über die PID ein wirklicher, himmelschreiender Sündenfall. Jeden, der weiß, was er tut und der voll im Licht steht, trifft die Anklage in ihrer ganzen Härte.

Da sind allerdings auch Menschen, denen das Licht nicht früh genug aufging. Jene, die Menschenleben ausgelöscht oder sich beteiligt haben und die, die ehrlich sagen, „für sie“ sei das damals kein Mensch gewesen, der da getötet wurde. „Für sie“ sei es doch nur ein Häufchen Zellen gewesen.
Diesem „für sie“ müssen wir die volle Geltung zusprechen.

Es hat in schwerwiegenden Fragen zwar jeder eine eigene, heilige Pflicht, sich so gut zu informieren, wie möglich. Es ist allerdings allein Gott derjenige, der wissen kann, wie gewissenhaft eine solche, persönliche Information stattgefunden hat, und wie gut die eigentliche Absicht war.

In jedem staatlichen System, das sich wie ein Regime aufführt, liegen Studien in den Schulbaden des Verschweigens. Das sind Studien, die das System der Lüge überführen würden, kämen sie an den Tag.
Solche Studien gibt es auch bei uns. Sie sprechen von dem himmelschreienden Leid unzähliger Frauen (oft auch von Männern), die im Nachhinein unter dem leiden, was sie getan oder zugelassen haben. Gute Seelsorger wissen ganze Lieder davon zu singen.

Hier gilt das schwere Wort der Anklage sehr wohl an den Gesetzgeber, er ermöglichte und billig machte, was geschehen ist. Die Menschen aber, denen das Licht erst später aufging, und die jetzt ihre Last zu tragen haben, denen sollten die harten Klagen nicht ins Gesicht geworfen werden. Das wäre Unrecht. Um die muss man sich mit größter Liebenswürdigkeit kümmern, um ihnen die möglichen Wege der Heilung zu zeigen. Das aber geschieht zur Freude des Gesetzgebers nur in den verschwiegenen Zimmern der Therapeuten und Seelsorger.

PID – ein Verbrechen?

Montag, Juli 11th, 2011
Embryonen sind von uns bereits wie Kinder zu behandeln.

Embryonen sind von uns bereits wie Kinder zu behandeln.

Der deutsche Bundestag hat in einer Abstimmung die sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID) grundsätzlich zugelassen. Eigentlich wäre das kaum einer größeren Meldung wert gewesen.
Wenn da nicht Kardinal Meisner die Piusbrüder gewesen wären. Beide haben kräftig ihre Stimme erhoben und wie der Täufer dem König, der Regierung ins Angesicht gerufen: „Was du tust, das ist dir nicht erlaubt!“

Die Piusbrüder nennen die Entscheidung ein “schwerwiegendes Verbrechen”. Kardinal Meisner nennt sie „gegen das Leben und seine unantastbare Würde“.

Worum geht es? Bei der PID werden fertige Embryonen untersucht, um zu entscheiden, ob sie in die Gebärmutter eingepflanzt werden oder nicht. Besteht der Verdacht, dass aus ihnen kranke Kinder werden könnten, dann nicht. Das bedeutet dann ihre absichtliche Tötung.

Es geht also um die selbe Frage wie bei der Abtreibung: Ist das, was da beseitigt wird, bereits wirkliches, menschliches Leben, oder nicht?
Wenn ja, dann haben die Piusbrüder Recht, dann ist es ein Verbrechen gegen das menschliche Leben und man kann da nichts schön reden. Wenn ja, dann hat Kardinal Meisner Recht, und der Bundestag hat eine  fatale Entscheidung gegen das Leben getroffen.

Wenn nicht, dann sind Embryonen nur mehr oder weniger neutrale Zellhaufen. Wenn nicht, dann ist die PID nichts anderes als das Aussuchen fehlerhafter Einzelteile am Fließband einer Spielzeugfabrik. Wenn nicht, dann ist die Tötung nichts Schlimmeres als das Entfernen eines Parasiten aus dem Dickdarm einer Kuh. So scharf ist die Grenze gezogen.

Die Kirche sagt ganz offiziell und sehr deutlich, alle Embryonen sind bereits wirkliche, menschliche Lebewesen und wie unsere Kinder zu behandeln. Nach der offiziellen, kirchlichen Lehre bedeutet die PID  also wirklich ein Aussuchen von lebenswertem und lebensunwertem Leben.
Kein Wunder, dass die wenigen Mutigen sich erheben und ausrufen, was eigentlich alle Katholiken sagen oder wenigstens wissen und empfinden sollten. Leider hat die Kirche vor einem halben Jahrhundert einfach aufgehört, die Gläubigen zu unterrichten.


Siehe auch hier: “Abtreibung, warum wir so dagegen sind.

Ein ernstes Kapitel…

Freitag, Januar 7th, 2011

…über die Kultur des Tötens, das in das Buch soll, an dem ich gerade schreibe.

Es ist sicher keine unstatthafte Schwarzweißmalerei, wenn man die Linien, die bereits gezogen werden, zur Betrachtung ein wenig weiter auszieht. Die Euthanasie beruht dort, wo sie erlaubt ist, auf Freiwilligkeit. Der kranke, alte Mensch darf getötet werden, allerdings nur wenn er danach verlangt.

Ein logischer, weiterer Schritt ist die aus Anstand vielleicht unausgesprochene, aber starke Forderung, von seinem Recht doch bitte Gebrauch zu machen, wenn alles nur noch kostet.
Aus dem Angebot wird eine Forderung: „Warum willst du trotzig am Leben bleiben, wenn du es allen nur noch schwer machst, wenn du das ganze Geld verpulverst und nichts mehr dabei herauskommt?“ Eine der stärksten Befürchtungen alter Menschen ist, anderen am Ende zur Last zu fallen.

Wir dürfen die Augen nicht verschließen: Den ganz jungen und die ganz Alten sind in Gefahr.

Wir dürfen die Augen nicht verschließen: Die ganz jungen und die ganz alten werden diskutiert und stehen zur Debatte.

Der nächste Schritt, der längst diskutiert wird: Was macht man mit denen, die immer gesagt haben, dass sie entsorgt werden wollen, die aber versäumt haben, ihren Wunsch schriftlich zu hinterlegen? Was tun mit denen, die sinnlos leiden und denen der Verstand fehlt?
Wenn das Tor der Tötung grundsätzlich eröffnet wird, muss es in noch viel mehr Fällen Instanzen geben, die über Sterben und Weiterleben anderer entscheiden.

Bislang wurde die Kultur des Tötens über die Schiene des Mitleids eröffnet. Das liegt am Nächsten. Man will erlösen, Leid beenden, helfen, nur, dass jetzt der Tod als Mittel eingesetzt werden kann. Die Beseitigung des Leidens, durch Beseitigung des Leidenden, etwas philosophischer ausgedrückt.

Die Philosophie ist es auch, die den zweiten Strang der Argumente eröffnet.
Zu Beginn der Neuzeit konnte sich eine Philosophie durchsetzen, nach der die Tiere keine Seelen hatten. Tiere seien nur funktionierende Körper. Sobald man das dachte, musste man bei grausamen Tierversuchen kein Mitleid mehr haben.

Heute sagt eine Hilfsphilosophie der Befürworter des Tötens, ungeborene Kinder seien (noch) keine Personen. Sobald man so denken darf, kann man die Skrupel überwinden, die vom Töten abhalten. Ich glaube, beides sind schreckliche und grauenvolle Irrtümer.

In den Mistkübel

Mittwoch, September 8th, 2010

Noch einmal zu Pater Recktenwalds Portal, das sich schon oft als regelrechte Schatzkiste erwiesen hat. Dort wird eine bewegende Begebenheit berichtet:

Ein solches Püppchen hat ein Menschenleben gerettet,

Ein solches Püppchen hat ein Menschenleben gerettet,

Über seine Erfahrungen im Einsatz vor Abtreibungskliniken, um ungeborene Kinder vor der geplanten Tötung zu retten, spricht Herbert Heißenberger in einem Interview mit Christof Gaspari von der österreichischen Zeitschrift Vision 2000 (4/2009). Ein interessanter Aspekt ist die Menschenverachtung hinter der Abtreibungsmentalität, die er in den elf Jahren seines bisherigen Einsatzes manchmal erfahren mußte, die aber ungewollt Unentschlossenen mitunter die Augen öffnet. Heißenberger führt das Beispiel eines fünfzehnjährigen Mädchens an, das die Klinik betrat, um ihr Kind abtreiben zu lassen:
“Das Mädchen hatte dabei das Modell des 12 Wochen alten Ungeborenen in der Hand. Nach 1,5 Stunden kommen sie [das Mädchen und sein Freund] heraus, eher gelöst – ich war erleichtert. Das Mädchen erzählt: Die Beraterin in der Klinik habe das Babymodell gesehen, es ihr aus der Hand genommen und in den Mistkübel geworfen. Das sei so ein Schock gewesen, dass sie sich gesagt hat: Da lasse ich mich sicher nicht behandeln.” Auf die Frage, ob ein so liebloses Verhalten in der Klinik üblich sei, antwortet Heißenberger: “Man wird dort wie eine Nummer behandelt. Abtreiben geschieht wie am Fließband. Das halten viele Frauen einfach nicht aus.”

Abtreibung

Dienstag, August 24th, 2010

Es kommt immer wieder mal zu Gesprächen, in denen besorgte Menschen guten Willens nicht verstehen, warum die katholische Kirche so strikt dagegen ist. Das sollten wir einmal erklären.
 Im polnischen Fernsehen wurde jüngst eine katholische Journalistin korrigiert, die sich strikt gegen jede Abtreibung aussprach. Die Gegner sagten, sie habe das Töten eines Körpers mit der Tötung einer Person verwechselt.

Eine Gesellschaft, die ihre Kinder tötet, ist krank.

Eine Gesellschaft, die ihre Kinder tötet, ist krank.

Hier genau liegt der Streitpunkt: Zerstört man nur einen Körper oder wird in der Abtreibung eine Person getötet? Darin scheiden sich die Geister. Sobald wir uns einigen, dass es sich da schon um eine menschliche Person handelt, müsste jede Abtreibung ein Mord genannt werden. Mord ist nämlich das willentliche Töten einer unschuldigen, menschlichen Person.
Wenn das, was der Zerstörung zum Opfer fällt, lediglich ein Körper und keine menschliche Person ist, dann dürften wir nicht so vehement gegen jede Abtreibung sein. Dann müsste das eine oder andere gegeneinander abgewogen werden dürfen, und das Dringlichere müsste getan werden dürfen.
Ein Gedanke. Im Jahr 1650 starb ein Mann namens René Descartes. In seinem Gefolge hatte sich eine Philosophie gebildet, nach der lediglich Menschen eine Seele haben. Alle Tiere dagegen seien nur Körper, die mechanisch funktionieren. „Kartesianische Forscher” unternahmen die grausamsten Tierversuche. Wenn die Viecher sich wanden vor Schmerzen und winselten, nahm man an, das sei alles seelenlos, nur die Funktion von Körpern. Man hatte ein gutes Gewissen wegen der Philosophie, die hinter dem Handeln stand. Heute wissen wir, dass die Forscher irrten und sich an den Tieren versündigten. Heute sind wir geneigt zu sagen, auch Hunde haben Seelen, eben Hundeseelen. Sie werden zwar keine Personen, sie haben aber so etwas wie eine achtenswerte Hundeseele.
Tiere mit Menschen vergleichen sei ferne. Aber: Heutige Philosophien sagen, wie damals die Kartesianer, Embryonen hätten noch keine Menschenseele. Sie seien noch keine Personen. Wir glauben, dass sie schlimm irren.

Zur Abtreibung: Das Verschweigen

Montag, Juli 19th, 2010

Wer die Detektivgeschichten des Gilbert Chesterton kennt, in denen ein gewisser, etwas schusseliger Pater Brown die Ermittlung übernimmt, der weiß, dass der Autor einen Lieblingsgedanken hat: Der kleine Priester, der ungezählte Stunden im Beichtstuhl verbracht hat und ganz bei den Sorgen der einzelnen, kleinen Leute war, der kennt die dunklen Seiten des Menschseins und der Menschheit.

Titelblatt der Zeitschrift "Stern", 24. Jg. Heft 24.

Titelblatt der Zeitschrift "Stern", 24. Jg. Heft 24.

Der Gedanke passt zu unserem traurigen Thema. Bislang reden wir, wie meistens alle drüber reden: Von der Theorie her, vom Allgemeinen. Wir sprechen darüber, wie „man“ sich verhalten soll, was „wir“ tun sollten, was „zum Menschen“ gehört, was überhaupt gut, schlecht und was Sünde ist.

Im August 2009 berichtet die Zeit vom Leid der betroffenen Männer

Im August 2009 berichtet die Zeit mal vom Leid der betroffenen Männer

Wer aber kompetent und vollständig von der Abtreibung reden möchte, der muss dort hinhören und sehen, wo Pater Brown im Beichtstuhl sitzt. Nur dort kommt das Verschwiegene ans Ohr; das, worüber peinlich ist zu sprechen und das, worüber nicht gesprochen werden soll und darf. 
Immer, wenn eine massive Unrechts-Ideologie  am Werk ist und regiert, kann man das sehr deutlich dort sehen, wo verschwiegen wird, dass gewisse Wahrheiten am Werk sind.

In der ehemaligen DDR durfte die Wahrheit über die katastrophale Wirtschaft nicht gezeigt werden. 
Überhaupt bei den Kommunisten dürfen keine Kameras in die Gefängnisse.

Bei den Nazis dürfen die ganzen anderen Grausamkeiten nicht ans Licht, sondern, wie in jeder ideologischen Diktatur, nur die brave, heitere Anständigkeit eines an der Nase herum geführten Volkes.
In unserer “Kultur des Todes” darf nicht an die Oberfläche, welch unsägliches Leid die Abtreibung nach sich zieht. „Wir haben abgetrieben“, titelt eine große deutsche Zeitung und zeigt viele bekannte, lächelnde Gesichter. Die „Geht-doch!“- „läuft doch alles“-, „was soll‘s denn“- Mentalität ist verordnet. Kein Wort von den Riesenzahlen des Traumas, in das unzählige Frauen nach der Tötung fallen. Kein Wort von den Tränen des Nichtfertigwerdens. Gut und schade, dass die Beichtstühle so verschwiegen sind.

Hier eine kompetente Einführung in die Sache mit der “Kultur des Todes”. (Mit Respekt und Dank an das Gemeindenetzwerk)

Rührend und warnend…

Freitag, Juli 16th, 2010

…das Zeugnis einer Frau, die ihr ungeborenes Kind töten ließ und der später erst die Tragweite aufging.

Dank an cordulchen, eine neue Bloggerin.

Warum eigentlich keine Abtreibung?

Dienstag, Juni 15th, 2010

Jede Generation hat einen Hang zur Selbstgerechtigkeit, und es schmeckt köstlich, sie zu pflegen. Das wiederum lässt sich gut machen, in dem man über die jeweils früheren Generationen herfällt.

Man bedauert die armen Alten, die vor uns lebten, dass sie noch nicht so weit waren und noch nicht über die jeweils heutigen Kenntnisse verfügten. Besonders köstlich ist jedoch, den Früheren ihre Sünden und Unterlassungen vorzuwerfen.

Daher kommt es dazu, die Menschen der früheren Generation der Feigheit anzuklagen. Sie seien, etwa im dritten Reich, nicht mutig genug gewesen.
Eine Generation, in der man sich nicht mal traut, sich öffentlich als Christ, geschweige denn als Priester zu zeigen, wirft einer anderen vor, nicht Verrat und Folter auf sich genommen zu haben.

Man spricht gern und feierlich über Sünden, die lange her sind. Eines Tages wird es wahrscheinlich die Abtreibung sein. Eines Tages wird man unserer Gesellschaft das millionenfache Töten vorwerfen, das jetzt mit so vielen und hanebüchenen Gründen verteidigt und gesellschaftsfähig geredet wird. Allein schon deshalb darf die Kirche auf keinen Fall einknicken und sich dem Mainstream anpassen. Doch nicht nur deshalb. Es ist vor allem die Wahrheit, die verpflichtet. Die sollten wir versuchen, ans Licht zu bringen. Deshalb ein paar Gedanken zur Abtreibung; als Aufklärung sozusagen.

Abtreibung. Warum wir so dagegen sind

Abtreibung. Worüber wir zuerst reden müssen

Abtreibung. Welche falsche Unterscheidung wir immer machen

Abtreibung. Was sagt die Christliche Botschaft?

Fortsetzung folgt.