Archiv für die ‘Christsein im Alltag’ Kategorie

Dick, dünn, hübsch und hässlich

Dienstag, Januar 24th, 2012
Der heilige Bernhard von Clairvaux. Törichte Menschen sagen schon mal, die Mystiker seien etwas dumm, weil sie fü die unwichtigen Dinge keine Augen haben.

Der heilige Bernhard von Clairvaux. Törichte Menschen sagen schon mal, die Mystiker seien etwas dumm, weil sie fü die unwichtigen Dinge keine Augen haben.

Es geht also um Dick-, Dünn-, Hübsch- und Hässlichsein. In unserer Welt gelten Maßstäbe, mit denen wir tagaus tagein gemessen werden. In Wirklichkeit aber gelten sie gar nicht.

In der geistlichen Schule erzählte man sich vom heiligen Bernhard eine eigentümliche Geschichte. Man sagte, habe die Decke seiner eigenen Kirche nicht gekannt, obwohl er sich lange Jahre in ihr aufgehalten hatte.
Bernhard war ein Mönch und der Vorsteher seines Klosters. Das bedeutet, er hat Tag für Tag stundenlang in der selben Kirche und am selben Platz gestanden, gebetet und gesungen. Jetzt heißt es, er habe nach all den Jahren nicht einmal gewusst, wie die Decke seiner Kirche aussah; er hat sie schlicht und einfach nicht gesehen.

Man kann die Geschichte verstehen, sobald klar ist, dass sehen ist nicht gleich sehen ist. Es gibt ein Sehen, bei dem man sich aufhält und es gibt ein Sehen, bei dem man sich nicht aufhält; ein Sehen ohne zu sehen.

Wenn Schnee fällt, sieht man am Fenster abertausende Flocken auf die Erde fallen. Man sieht sie alle. Es fällt aber nur eine auf, weil sie ungewöhnlich aussieht. Die begleiten wir dann mit interessierten Blick.
Wenn wir durch den Regen fahren, sehen wir viele Tropfen auf uns zukommen. Aber nur der eine ganz besondere, der genau auf den Spiegel zufliegt, der erregt unsere Aufmerksamkeit. Wir sehen alle Tropfen, wirklich aber nur den einen.

Man kann also etwas sehen, ohne es wirklich zu sehen. Zum wirklichen Sehen gehört nämlich etwas, was wir Bedenken nennen. Sobald die eine Schneeflocke auffällt, stellt sich sogleich unser Bedenken ein. Wir sehen kurz, dass etwas nicht normal ist. Dann bedenken wir, was es ist und warum es auffällt. Dann sind wir entzückt über die hübsche Ausnahme. Wirkliches sehen bedeutet, dass wir das Entdeckte wenigstens ganz kurz mit unserer Vernunft erwägen. Daraus ziehen wir dann sogleich Schlüsse. Dann erst finden wir das Gesehene dick oder dünn, hässlich oder entzückend. Aus diesem Erwägen heraus lachen oder weinen wir.

Bernhard hat seine Kirchendecke die ganzen Jahre über gesehen. Sein Blick ist aber nie an ihr hängen geblieben. Er hat sie nie bedacht und deshalb nie im Gedächtnis gespeichert. Das bedeutet, er hat sie nie wahrgenommen, obwohl er sie immer gesehen hat. Das ist das eine.

Wir sollten kurz eine weitere Unterscheidung einführen. Es gibt Dinge, die sind wichtig, und Dinge, die unwichtig sind. Wir sagen, es ist dumm, sich an unwichtige Dinge zu klammern, während die wichtigen an uns vorbei schwimmen. Es ist dumm, den Sack fest zu halten, während die Millionen in aller Ruhe aus ihm heraus geweht werden.

Bei den Menschen ist es nun so, dass sie vergehen. Würden wir ein Menschenleben in Zeitraffer sehen, läge da erst ein Baby. In Sekundenschnelle erhebt es sich. Es wächst, wird jugendlich und hat einen kräftigen, gesunden Leib. Sehr bald schon wird es älter und sein Körper wird schwach, faltig und gebeugt. Alles geht sehr schnell und im Nu ist der Mensch wieder verschwunden.

Wir dagegen erleben, wenn man so möchte, unser Leben in Zeitlupe. Wir haben immer Zeit, uns in Ruhe mit dem auseinander zu setzen, was gerade ist. Das liegt daran, dass wir die Zeit als etwas empfinden, was ganz langsam geht.
Wenn ein Mädchen weint, weil es zu dünn ist, hat sein Opa schon Recht, wenn er sagt, das gehe schnell vorbei. Im Moment aber ist es die größte Katastrophe. Der Opa hat Recht, weil er weiß, wie zügig alles in Wirklichkeit vergeht. Es gibt also Nebensächlichkeiten, die nicht zählen bräuchten und Dinge, die bedeutend sind. Die wichtigen Dinge nennen die Christen bleibend und von den unwichtigen sagen sie, dass sie vergehen oder vergänglich sind.

Nun glauben wir, dass jeder Mensch einen Kern hat, der nie vergeht. Er hat einen Kern, der ihm in Ewigkeit bleibt und als der er eine ganze Ewigkeit leben wird. Diesen Kern nennen wir Herz oder Seele. Der Mensch, der gestern noch ein Baby war, der heute erwachsen ist und morgen als Greis die Welt wieder verlässt, hatte die ganze Zeit etwas, was immer geblieben ist. Er war immer genau dieser eine Mensch.
Weise Menschen richten ihren Blick auf diesen Kern, während sie sich an den Äußerlichkeiten, die sich dauernd ändern und vergehen nicht hängen bleiben; es wäre töricht. Deshalb sagen wir: Christus, der selbst die Weisheit ist, sieht eigentlich nur die Seele. Die Menschen, die sich zu dick, zu dünn oder zu hässlich finden, können sich bei Christus trösten. Er sieht das alles gar nicht, genau so wenig, wie der heilige Bernhard die Decke seiner Kirche. Den Kern aber, das Herz, die Seele, die Liebe und was den Menschen ausmacht, das sieht er sehr wohl, und er sieht es mit dem Entzücken der großen, göttlichen Liebe; und die vergeht niemals.

Die Heiligen

Samstag, Januar 21st, 2012

Der Philosoph Friedrich Nietzsche soll über die Christen gesagt haben, sie müssten ihm eigentlich erlöster aussehen. Wahrscheinlich hat er Recht; Grund dazu hätten sie.
Schließlich sind die Christen erlöst, oder besser gesagt, sie sind diejenigen Menschen auf der Welt, die wissen, dass sie erlöst sind. Von daher dürften sie eigentlich oftmals etwas fröhlicher gestimmt sein, als sie daher kommen. Sie sind es aber nicht.
Zur Ehrenrettung kann man sagen: Die Millionäre auf der Welt haben auch nicht gleich bessere Laune, obwohl sie eigentlich deutlich weniger Sorgen haben dürften. Wenn Onkel Theo sich plötzlich sein Leben lang kaufen könnte, was immer er möchte, ich glaube, er hätte die ersten Wochen ein breites Lächeln auf den Lippen. Wahrscheinlich würde er sich nach einiger Zeit allerdings wieder in die Schar der schlecht gelaunten Nachbarn einreihen und genau so brummelnd Samstag für Samstag den Rasen mähen wie zuvor.

Offenbar nützt weder Geld noch das Erlöstsein der allgemeine Laune. Was das Geld angeht, ist das schnell erklärt. Die Reichen der Welt stellen in aller Regel schnell fest, dass alles Geld der Welt einem die großen Sorgen nicht abnimmt. Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens lassen sich zudem nicht kaufen, und Freundschaften können mit Geld auch nicht besorgt werden.

Die Frage, warum die Christen nicht besser gelaunt sind, ist nur auf einen ersten, schnellen Blick schwieriger. Die Antwort sickert bald durch: Die Christen sind wohl erlöst und wissen, dass sie erlöst sind. Sie wissen aber in aller Regel nicht, was Erlösung bedeutet. Der Christ unserer Tage ähnelt einem Menschen, der Geld in der Tasche hat und nicht weiß, dass er damit bezahlen kann.

Das ist übrigens der stärkste Grund für meine Vorliebe für die Heiligenverehrung. In der Bibel steht, dass wir heilig werden sollen. In den Büchern der Heiligen stehen unzählige Beispiele dafür, dass wir es wirklich werden können. Wir sollten viel über die Heiligen sprechen und die Bücher über sie nicht zu selten neu auflegen. Das gilt besonders für die Kinder, die Vorbilder brauchen.

Advent

Montag, November 28th, 2011
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Die Kerze ist ein starkes Symbol für nächtliche, fromme Erwartung.

Der Advent ist eine stille und doch sehr feierliche Zeit,
und es gehört zur lieben, christlichen, geistlichen Kunst,
sich die Atmosphäre der stillen, freudigen Erwartung
durch den Alltag im Herzen zu bewahren.
Vor Zeiten sollte dezenter,  schlichter Schmuck auf den Straßen
und in den Geschäften dieser meditativen Kunst
zu Diensten sein und helfen, sich den christlichen Geist
im täglichen Allerlei zu bewahren.
Heute ist es etwas schwieriger, da man sich mühen muss,
die innere Haltung trotz des Schmucks zu pflegen.

Hier der Introitus, das katholische Eingangslied für die
adventliche Zeit.



per ipsum

Mittwoch, Oktober 26th, 2011


1

In jeder heiligen Messe, ganz gleich in welchem Ritus,
wird das Allerheiligste nach der Wandlung der Gottheit
entgegengehalten.
“Durch ihn und mit ihm und in ihm ist Dir Gott,
allmächtiger Vater, alle Herrlichkeit und Ehre,
jetzt und in Ewigkeit.”

Wir brauchen das nur bewusst genug mit zu feiern,
und schon wird die Messe uns zur Lehrerin.


Unser Morgengebet

Montag, Oktober 17th, 2011

Mit einem lieben Gruß an Lauda Sion:
Hier noch eines unser schönen Gebete ;)

Morgengebet

Die Vögel des Himmels preisen Dich, Vater, beim ersten Sonnenlicht.
Auch für uns ziemt es sich, Dich beim Erwachen zu preisen
und von ganzem Herzen nach Dir zu verlangen,
der Du selbst Licht bist und uns das Licht schenkst.
Drücke es wie ein Siegel auf unser Herz, dass der gerade anbrechende Tag
lichtvoll und heilig sei.
So können wir uns mit der Schöpfung vereinen und Dir, dem Schöpfer zujubeln.
Hilf uns, guter Vater, den Tag über in Heiligkeit zu bewahren
und Dich und Deine Güte jeden Augenblick gegenwärtig zu haben
und halte den Dämon von uns fern, der uns bedrängt und von Dir trennen will.

Katholische Fremdwörter – Nr. 1: Ganzhingabe, Teil 1

Samstag, September 24th, 2011

Das Wort Ganzhingabe ist ein Fremdwort. Es stammt aus der katholischen Schule des geistlichen Lebens und kann nur dort verstanden werden. Mit den Fremdwörtern ist das immer so. Sie sind allen fremd, die nicht in der Schule ausgebildet wurden, in der man sie gebraucht.

Jemand kann fertig in Medizin ausgebildet sein, sich im Nebenberuf als Astrophysiker betätigen und als Hobby Zeppeline fliegen. Keiner seiner aufwändigen Ausbildungen hat ihm beigebracht, welche Werkzeuge Klemptner gebrauchen.

Es gibt Begriffe und Symbole, die sich einem erst mit der Zeit erschließen.

Es gibt Begriffe und Symbole, die sich einem erst mit der Zeit erschließen.

Hat dieser Mann die Handwerker im Haus hat und der Geselle bittet, ihm eine Kluppe zu reichen, weiß er nicht, wo er hingreifen soll. 
Wenn der Meister ihm sagt, er solle ihm das silberne Ding mit den beiden Stielen geben, mit dem man Gewinde schneiden kann, mag er Glück haben, wenn der Studierte weiß, was ein Gewinde ist.

Die Handwerker arbeiten mit Fremdwörtern, wie die Astrophysiker und die Zeppelinpiloten auch. Es sind Wörter, deren Bedeutung sich nur in den jeweiligen Schulen erschließt.

Mit Erschließen meine ich langsam; die volle Bedeutung der Wörter gehen den Schülern erst mit der Erfahrung auf. Der Lehrling im ersten Jahr weiß zwar schon, dass man mit Kluppen Gewinde schneidet. Er lernt allerdings erst, was alles es mit den Dingern auf sich hat, wenn er sie lange Zeit gebraucht.
Unsere Wörter sind Träger von Lebenserfahrung. Ein Meister hört und spürt beim Klang des Wortes, wie empfindlich die Dinger sind, was man mit ihnen nicht machen sollte, wie man sie schmiert, pflegt und was sie den Betrieb kosten können.

Als ich mich gegen Ende meiner Lehre einem, alten und immer etwas muffeligem Schlossermeister vorzustellen hatte, fragte der, in welchem Lehrjahr ich sei. Auf meine Antwort „im vierten“ antwortete er: „Also nichts gelernt“, ohne mich anzusehen. Das gefällt einem kurz vor der Gesellenprüfung nicht. Später wusste ich, dass er ziemlich Recht hatte.

In der katholischen Schule des geistlichen Lebens ist das Wort Ganzhingabe eindeutig ein solches Fremdwort. Beim ersten Klang bieten sich gleich ziemliche Missverständnisse und für das Innewerden der vollen Bedeutung braucht es seine Zeit des Lernens und Übens.

Übrigens: Man kann durchaus ein passabler Katholik sein, ohne sich ausdrücklich in eine Schule des geistlichen Lebens zu begeben. „Halte die Gebote“, sagt Jesus dem reichen Jüngling lapidar, der in den Himmel möchte. Im geistlichen Leben einsteigen braucht wahrscheinlich nur, wer den Appetit hat und sich berufen fühlt, die Straße der Vollkommenheit zu betreten.
Schade ist nur, dass viele, die dazu offenbar wenig Lust hatten, sich die Reform der Kirche auf ihre viel zu kleinen Fähnlein zu schreiben. Da gibt es viele, die katholisch wohl ziemlich alt wurden, ohne je gelernt zu haben, mit den Fremdwörtern des Geistlichen zu leben.

Aus dem Gebet leben: Die Betrachtung

Dienstag, September 20th, 2011

Wahrscheinlich beten wir schnell, wenn wir gerade in eine missliche Lage geraten: „Hilfe, Hilfe, lieber Gott, ich brauche Dich jetzt!“
Wahrscheinlich beten wir, wenn uns eine freudige Überraschung ins Leben fliegt: „Danke, lieber Gott, Du bist so gut!“
Vielleicht beten wir vor den Mahlzeiten, weil wir es gewohnt sind und vor dem Einschlafen, weil es sich gehört.

Die Gottesverehrung der Juden lebt bis heute von der Betrachtung der Großtaten Gottes

Die Gottesverehrung der Juden lebt bis heute von der Betrachtung der Großtaten Gottes

Vermutlich nehmen wir uns nie einen Moment Zeit, um nachzudenken, an wen wir uns da überhaupt richten und wen wir eigentlich ansprechen.

Bei der heiligen Theresa von Avila bin ich zum ersten Mal auf einen wertvollen Gedanken gestoßen: Sie rät ihren Schwestern, vor dem Beten eine Minute  lang zu bedenken, mit welcher Majestät sie es zu tun haben.

Das Gebet hat eine Voraussetzung, nämlich unseren Glauben, und der hat Inhalte.
„Machst Du Dir klar, mit wem Du sprichst, wenn Du betest?
Kennst Du den heiligen Schauer beim Gedanken, dass Du vor der Gottheit stehst, an dessen Wunsch und Wille das ganze Universum hängt?
Glaubst Du eigentlich wirklich, dass Christus für Dich gekreuzigt wurde, als wärest Du allein auf der Welt?“

Das sind Fragen, die betrachtet gehören, bevor wir überhaupt ernsthaft über das Gebet sprechen können.

Ein Muslim, der ganz anders von Gott zu denken hat, kann nicht beten, wie wir. Kein Muslim kann sich an einen liebevollen, göttlichen Vater wenden. Kein Muslim kann zu einem Gott beten, von dem er weiß, dass er ihn wirklich lieb hat.
Kein Muslim kann eine Gottheit anbeten, ihren einen Sohn dahin gegeben hat, damit niemand zugrunde gehen muss. Wenn man so möchte, hat Mohammed den Muslimen diesen wunderbaren Glauben genommen und wieder ausgeredet, nachdem es ihn ein halbes Jahrtausend lang in seiner Heimat gegeben hatte.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Christen mit den schönsten Wahrheiten ihres Glaubens umgehen, wie mit dem Pfand auf ihre Flaschen: Man bekommt ihn halt, wenn man sie wegbringt.
Aus dem Gebet leben bedeutet auf jeden Fall, aus der Betrachtung heiliger Gedanken leben.

Aus dem Gebet leben Nr. 2

Montag, September 19th, 2011
Wenn Thomas von Gott spricht, meint er automatisch jemandem, dem Ehre und Dank gebührt.

Wenn Thomas von Gott spricht, meint er automatisch jemandem, dem Ehre und Dank gebührt.

In den Gottesbeweisen des heiligen Thomas gibt es einen berühmten Ausspruch, der oft zitiert wird. Er sagt: „Das meinen doch alle mit Gott.“ Wenn wir „Gott“ sagen, dann meinen wir etwas ganz Bestimmtes; und zwar etwas, was alle meinen.

Wenn wir „Schulden“ sagen, dann meinen wir, dass noch etwas noch zu bezahlen ist. Sagen wir „Reingewinn“, dann meinen wir, dass uns etwas zufließt.
Sagen wir „Knast“, dann meinen wir einen unfreiwilligen Ort, und mit „Urlaub“ eine freie Zeit. Unsere Begriffe sind mit Bedeutung gefüllte Wörter.

Ich habe schon öfter zitiert, dass Thomas sagt, Religion bedeute, dass Gott die ihm geschuldete Ehre erwiesen wird. Wenn wir von Gott sprechen, dann meinen wir automatisch jemanden, dem alle Ehre gebührt.

Im Morgengebet der vita heißt es: „Die Vögel des Himmels preisen Dich, Vater, beim ersten Sonnenlicht. Auch für uns ziemt es sich, Dich beim Erwachen zu preisen und von ganzem Herzen nach Dir zu verlangen.“ Hier wird betend ausgedrückt, was zuvor theoretisch erörtert wurde: Gott gebührt Ehre.

Der heilige Augustinus hat im vierten Jahrhundert bereits geschrieben: „Auf Dich hin hast Du uns geschaffen, Gott, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir.“

Wenn wir besprechen wollen, was es heißt aus dem Gebet zu leben, dann sollten wir vielleicht zuerst bedenken, dass wir immer schon aus Gott leben. Wenn es Gott überhaupt gibt, dann ist er einer, aus dem wir das Leben haben, der uns am Leben erhält und dem es zukommt, dass man ihn ehrt und sich nach ihm sehnt.
Das ist eine der Wahrheiten, von denen der heilige Thomas sagt, ihre Betrachtung sei heilsam gegen die Traurigkeit der Welt.

Frage: Was heißt “Aus dem Gebet leben”?

Samstag, September 17th, 2011

GebetIm Gespräch wurde eine schwere Frage zu einer einfachen Sache gestellt:
Was heißt das eigentlich, “Aus dem Gebet leben?”
Wer möchte, kann es auf seinem Blog ja mal versuchen, die Frage auf seine Weise zu beantworten. Hier jedenfalls mein erster Beginn.

Meiner  Antwort möchte ich eine Behauptung vorausschicken: Jeder lebt ohnehin aus und für irgendetwas.

Es gibt Ehemänner, die besser nie geheiratet hätten. Sie leben mehr für die Geschäfte ihrer Karriere, als für ihre Familie. Es gibt Leute, die gehen mit ihrer Firma fremd, ohne wirklich Ehebruch zu begehen.
Es gibt Frauen, die leben ganz aus dem Gedanken, äußerlich schön zu sein und was zu gelten.
Es gibt Süchtige, die am liebsten nur noch am Rechner sitzen würden.
Es gibt solche, die werden ihre Pornographie nicht los und bekommen den Sex nicht aus dem Kopf, und es gibt solche, die von all dem nicht viel haben und in den Tag hinein segeln, wie Kapitäne ohne Heimat. Die leben wahrscheinlich ganz aus den jeweiligen Problemen des Alltäglichen.
Es gibt Menschen, die leben ganz für ihre Kinder und für ihre Familie, es gibt Künstler, die in gleicher Weise für ihre Kunst da sind.

Wer aus dem Gebet heraus leben möchte, der macht sich zum Ziel, etwas Ordnung in das Ganze zu bringen und im christlichen Glauben eine neue Priorität zu setzen.

Gebet meint hier übrigens etwas anderes, als was mit Gebet oft gemeint ist. Häufig meint Beten vornehmlich Sprechen. Das ist eher nicht gemeint. Das Gebet wird zwar oft sprechend verrichtet. Die Worte dürften hier allerdings eher Stütze und Hilfe sein, dass die Gedanken und Bilder sich nicht verlieren. Gebet meint hier wohl eher das, was der heilige Thomas “Betrachtung der Wahrheit” nennt; eine Art innerer Anschauung der tragenden Säulen des Lebens. Ein sich vor Augen halten dessen, was wirklich wichtig und bedeutend ist.

Fortsetzung folgt.

Über die Wahrsagerei

Montag, August 15th, 2011

Unsere kleine Freundin hat etwas erlitten, was wir einen Wirklichkeitsschrecken nennen können. Sie hat an der Sitzung einer Wahrsagerin teilgenommen. Dies hat hierer Freundin die eigene Vergangenheit enthüllt. Dabei kamen Dinge zutage, die die Frau nicht wissen konnte. Detail für Detail wurde mit grßer Selbstverständlichkeit erzählt.
Diese Frau musste einfach mit übernatürlichen Mächten im Bunde sein. Anders hätte die völlig Fremde das alles nicht wissen können.

Dass es die übernatürliche Welt gibt, davon hatte das Töchterchen Kenntnis. Die religiöse Erziehung daheim hatte davon gesprochen. Dass das alles jetzt plötzlich wirklich wirklich wurde, das war ein Schock, der bis heute tief sitzt.

Wahrsagerei und Esoterik sind keine harmlose Spielereien!

Wahrsagerei und Esoterik sind keine harmlose Spielereien!

Es ist oft so, lieber Freund; wir glauben an die übernatürliche Welt, wie wenn wir einen Film aus fernen Zeiten sehen. Alles mag wohl da sein, irgendwie aber weit weg und uns nicht betreffend. Tritt dann die fremde Wirklichkeit an uns heran, schockiert sie uns, obwohl wir die ganze Zeit an sie geglaubt haben.

Es ist ein bisschen wie mit dem Tod. Wir alle wissen, dass er auf uns zukommt. Er bleibt aber immer in einem fremden Nirgendwo. Kommt er einmal durch ein Ereignis dicht an uns heran oder streift er uns gar, dann versetzt er uns einen gehörigen Schrecken.

Das Übernatürliche nennen die Theologen in ihrer Sprache schon mal die unsichtbare Welt, die der Schöpfer geschaffen hat. Diese unsichtbare Welt hat eine Seite, die von den Menschen gern verdrängt wird.

Genau wie die sichtbare Welt, die uns umgibt, und mit der wir zu tun haben, kennt auch die unsichtbare Gut und Böse. Es gibt nunmal böse Menschen. Bei den unsichtbaren Wesen, die wir Engel nennen, gibt es diese beiden Seiten ebenfalls. Das wird oft übersehen und verdrängt.
Es gibt regaleweise esoterische Bücher, die in einem törichten, naiven Optimismus davon ausgehen, dass Engel immer lieb sind und es gut mit uns meinen. Das ist aber ein Irrtum. Zu glauben, alle Engel seien lieb, ist so naiv, wie wenn man meinen wollte, alle Onkel dieser Welt wollten unseren Kindern nur gut, und es gebe keine, die ihnen weh tun wollen.

Wenn wir schon an Engel glauben, die einen freien Willen haben, wie wir, dann sollten wir auch allein von der Logik her annehmen, dass es auch solche gibt, die ihren Willen zu bösen Taten missbrauchen. Das aber sagt uns nicht nur die Logik, sondern vor allem auch der Glaube.

Deshalb, lieber Freund, ist im Umgang mit der unsichtbaren Welt große Vorsicht geboten.

Gott ist gut, Gott ist der Gute schlechthin und die Güte in Person. In dieser seiner Güte hat er uns eine gewisse Kenntnis von der unsichtbaren Welt anvertraut.

Gestatte mir ein wichtiges Wort. Gott hat zur Offenbarung an die Welt einen Weg erdacht, auf dem er mit uns zu gehen gedenkt. Dieser Weg ist der Weg seiner fehlerhaften und zugleich heiligen Kirche.
Ob es uns gefällt oder nicht, die Kirche ist der Ort, in den hinenin Gott das Opfer seines Sohnes für uns gibt. Sie ist der Ort, von dem her uns die heilsamen Sakramente anvertraut sind. Sie ist ebenso der Ort, an dem wir uns dem heiligen Wissen und einer Lehre anvertrauen können. Und diese Lehre spricht von den Dingen, über die wir zu reden haben.

Es ist nun so, dass wir Menschen auf der Seite der sichtbaren Welt Arme und Beine haben. Wir haben Hände, mit denen wir Waffen ergreifen und uns wehren können. Auf der Seelenseite haben wir das nicht. Hier haben wir nur unser Empfinden, unser Denken und Wollen. Ansonsten sind wir ziemlich wehrlos.
Weil das so ist, hat Gott einem jeden Menschen einen Schutzengel an die Seite gestellt. Der möchte für uns streiten und sich für uns einsetzen. Des weiteren gibt es den machtvollen Schutz der Engelheere, die von Michael, dem Engelfürsten, befehligt werden.
Wir haben die Liebe und Fürsprache der heiligen Brüder und Schwestern und natürlich die die Allmacht des gütigen Vaters selbst.
Das alles, und die Tatsache, dass wir Kinder der Kirche sind, schützt uns, und wir können ganz ohne Furcht sein.
Wenn wir uns jedoch außerhalb dieses bergenden Hauses in die Welt begeben und zu den Tischen der Fremden gehen, wer kann dann sicher sein, dass er nicht getäuscht und an der Nase herumgeführt wird?

Der heilige Thomas bringt die Lehre der Kirche auf den Punkt, wenn er sagt, die Dämonen (so heißen die bösen Engel) möchten uns von Gott und dem seligen Glück bei ihm trennen, wie wenn man Freunde auseinander reißt. (Sth III, 26,1 ad 2)

Sag Deinem Kind, sie möge nicht mehr zu den Wahrsagern gehen! Wenn wir dort bleiben, wohin wir gehören, dann haben wir alles und es kann uns nichts geschehen. Wahrsagerei und Esoterik dagegen sind wirklich gefährlich.

Außerdem: Wenn Gott wollte, dass wir in die Zukunft sehen können, dann hätte er uns andere Augen gegeben.