Katholische Fremdwörter Nr. 54: Wen ich mit “Atheisten” meine


9. Februar 2012
Der Oberlehrer meint: Was mit fremden Wörtern erklärt wird, bleibt unverstänlich.

Der Oberlehrer meint: Was mit fremden Wörtern erklärt wird, bleibt unverstänlich.

Ich habe geschrieben, dass sich die Geister in der Frage scheiden, ob der Mensch ein Ziel außerhalb seines Erdenlebens hat oder nicht. Die religiösen Menschen sagen, dass er eins hat. Die Atheisten sagen, er hat keins.

Mit Atheisten meine ich übrigens nicht alle, die nicht an Gott glauben. Mit Atheisten meine ich wohl aber die selben Leute, die man meistens meint, wenn man Atheisten sagt; Menschen also, die überzeugt sind, dass es nur die reine Natur und eine Art Evolution gibt, und die zugleich glauben, ihr Glaube sei mehr oder weniger bewiesen.

Die Buddhisten im strengen Sinn könnte man eigentlich auch Atheisten nennen. Der Buddhismus in Reinform verkündet, dass es keine Gottheit gibt, die als Schöpfer angesehen werden kann.
Viele Esoteriker, die irgendwelche kleinen Götterbilder um den Hals tragen, die Geister beschwören und mit allerlei Energien hantieren, die zudem aber nicht glauben, dass es den Schöpfergott gibt, können auch in gewissem Sinn Atheisten genannt werden. Auch sie glauben nicht an eine Gottheit als Schöpfer und Lenker aller Dinge.
Dann gibt es noch solche, die irgendwie an ein höheres Wesen glauben, weil sie die Welt ohne nicht für logisch halten. Ihr Glaube geht nicht so weit, dass sie die Gottheit als etwas persönliches ansehen, dass sie auf den Gedanken kommen würden zu beten. Irgendwie ist ihnen aber eine Art Glaube geblieben, so dass sie eigentlch weder gottgläubig, noch ungläubig genannt werden können. Ihr Weltbild ist irgendwie atheistisch, ohne, dass ich sie Atheisten nennen würde.

Um kurz zu erklären, wen ich mit „den Atheisten“ meine, sollte ich vielleicht kurz eine Gruppe einführen, die ihnen sehr ähnlich ist und die von ihnen am strengsten bekämpft wird: Die Gruppe der sogenannten christlichen Fundamentalisten.

Viele meinen, christliche Fundamentalisten seien einfach Leute, die glauben, in der Bibel stünde genau, wie Gott die Welt gemacht hat. Man könne in der Bibel lesen, wie die Schöpfung entstanden ist; die Bibel habe mehr oder weniger wörtlich Recht.
Das reicht noch nicht, um ein christlicher Fundamentalist zu sein. Ich würde mich beileibe nicht als solchen bezeichnen. Ich bin katholisch und glaube katholisch. (Was ich übrigens für den besten Schutz gegen jede Form des Fundamentalismus halte.)
Ich glaube allerdings, dass in der Bibel viel darüber zu lesen ist, wie Gott die Welt gemacht hat.
Ich glaube zwar nicht, dass die Berichte von Adam und Eva wörtlich zu nehmen sind, als seien sie ein Geschichtsbuch. Ich glaube aber, es steht viel mehr über die Schöpfung in der Bibel als gern angenommen wird.
Letztlich glaube ich ziemlich viel von dem, was meine fundamentalistischen Brüder glauben. Was das ist, könnte man im einzelnen besprechen.
Was mich von den Fundamentalisten ganz wesentlich unterscheidet ist, dass ich, im Gegensatz zu ihnen, der Wissenschaft nicht zutraue, über die Religion zu entscheiden.

Die christlichen Fundamentalisten glauben, dass man die modernen Wissenschaften gebrauchen kann, um zu beweisen, dass der Schöpfungsglaube Recht hat. Das macht sie aus, und das macht sie den Atheisten so ähnlich. Die glauben nämlich, man könne die modernen Wissenschaften gebrauchen, um zu beweisen, dass die Schöpfung Unrecht hat.

Mit Atheisten meine ich also für gewöhnlich Leute, die glauben, die Wissenschaft hätte die Religion entweder schon widerlegt, oder sie stünde kurz davor, sie endgültig aus der Welt zu beweisen. Die Atheisten, die ich meine, betrachten die Religionen wie alte Häuser, die langsam einstürzen, weil unentwegt die Abrissbirne der Wissenschaft gegen sie donnert.

Die Atheisten, die ich meine, schreiben groß und breit auf Busse, es gebe keinen Gott. In Klammern steht dann ein „mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ daneben. Das bedeutet so viel wie: „Ihr könnt euch schon mal auf unsere Seite begeben. Der Rest, der noch nicht wegbewiesen ist, der kippt nämlich auch bereits.“ Mein lapidares Wort „Atheisten“ meint nur diese Leute, die sich wegen ihrer Wissenschaftsgläubigkeit angreifbar machen. Viel weniger die, die ohne einen konkreten Glauben an Gott leben, der ihrem Leben eine Prägung gibt und zu dem sie beten. Das nur zur Klärung.

Bild des Tages


9. Februar 2012

Kleiner_ König

Die Alpen bei Nacht


8. Februar 2012

Gekonnt


8. Februar 2012

Alipius hat bekannterweise eine herrliche Umfrage gestartet, um herauszufinden, wie wir katholischen Blogger uns selbst beschreiben, was wir eigentlich sind. Ein Ergebnis hat unseren Blogozesenkünstler zu einer wunderbaren Karrikatur inspiriert, die mich an die unvergesslichen Chestertonzeichnungen erinnert.
Mit herzlichem Dank an thysus, hier das Ergebnis.

Der Kettenhund seiner Heiligkeit.

Der Kettenhund seiner Heiligkeit.

Katholische Fremdwörter Nr. 53: Die Gnade und das große Ziel


8. Februar 2012
Der Oberlehrer meint: Was mit fremden Wörtern erklärt wird, bleibt unverstänlich.

Der Oberlehrer meint: Was mit fremden Wörtern erklärt wird, bleibt unverstänlich.

Wir kennen zwei Arten der Bewegung. Die eine hat ein Ziel, die andere nicht.
Wenn wir eine Dame mit Einkaufstüte eilig die Straße entlang gehen sehen, dann nehmen wir an, dass sie etwas Bestimmtes vorhat. Wahrscheinlich möchte sie einkaufen. Vielleicht will sie schnell zu ihrer kranken Mutter oder ihren Onkel besuchen. Auf jeden Fall aber nehmen wir an, dass sie ein konkretes Ziel verfolgt. Ist sie da und hat sie ihr Ziel erreicht, dann endet die Bewegung.

Kreist ein Planet um die Sonne, dann nehmen wir an, dass er das seit Milliarden von Jahren tut. Da ist kein Punkt zu erwarten, wo er anhält und wir sagen, er habe endlich sein Ziel erreicht. Er war an jedem Punkt seiner Bahn ja schon abertausendmal.

Seit Milliarden von Jahren dehnt sich das Weltall aus. Es wird dabei größer und kälter. Auch da nehmen wir nicht an, dass es irgendwann eine Größe und Temperatur erreicht hat, wo alles innehält, weil ein ganz bestimmtes Maß und und eine bestimmte Kälte erreicht ist.

Das Weltall und die Planeten bewegen sich ohne ein erkennbares Ziel. Wenn das Universum aufhört, sich weiter auszudehnen, dann sagen wir nicht, es habe sein Ziel erreicht. Wir sagen vielmehr, dass es einfach aufhört.

Wir können das Menschenleben als eine Bewegung bezeichnen; als eine Bewegung von der Geburt bis zum Tod. Wenn das so ist, dann können wir auch von dieser Bewegung annehmen, ob sie ein Ziel hat oder nicht. Hat das Leben ein Ziel, dann hat der Mensch mit dem Tod „endlich“ sein Ziel erreicht. Gibt es kein Ziel, dann stirbt er einfach.

Zwischen dem modernen Atheisten und religiösen Leuten scheiden sich die Geister in dieser Frage. Die einen sagen, der Mensch bewegt sich ohne Ziel, von seiner Geburt bis zum Tod. Er ist zufällig entstanden und genau so zufällig verlässt er die Welt wieder. 
Die anderen sagen, der Tod markiert etwas Konkretes, auf das der Mensch zusteuert.

Die Leute, die annehmen, das Leben habe kein Ziel, sehen aber, dass es innerhalb des Lebens sehr wohl viel kleine Ziele gibt. Auch wenn die Dame als solches mit ihrem Leben nicht auf ein Ziel zusteuert, geht sie doch auf eins zu, wenn sie zum Einkaufen eilt.
Ein Kapitän ordnet an, dass die Segel gesetzt und das Schiff um eine Klipper herum gesteuert wird. Das Fahrtaufnehmen und das Umsegeln der Felsen sind konkrete Ziele, auch wenn die Fahrt als solches nie einen gewollten Hafen ansteuert.

Der heilige Thomas hat hier eine feste Meinung. Für ihn gibt es nichts, was kein Ziel hat. Jedes Tier hat eins, jeder Mensch hat eins, und selbst die ewige Kreisbewegung der Planeten kann als zielhaft bezeichnet werden.
Ein Zahnrad in einer Uhr macht zunächst den Anschein, als drehe es sich einfach nur. Wer aber die Uhr als solche in Augenschein nimmt, der sieht auch in der dauernden Kreisbewegung ein Ziel, nämlich das Funktionieren der Uhr, von der man die Zeit ablesen kann.

Für Thomas gilt nun, dass alle Dinge nicht nur ein Ziel haben. Sie können es auch innerhalb ihrer natürlichen Vorgaben erreichen. Wenn ein Tier, das nur laufen kann, ein Ziel hat, dann reicht das Laufenkönnen; dann muss es, um sein Ziel erreichen zu können, nicht fliegen.
Das ist beim Menschen ganz anders. Der Mensch ist für ein Ziel vorgesehen, das er mit allem, was er hat, niemals erreichen könnte. Sein Ziel ist übernatürlich. Das bedeutet, es übersteigt alle Vorgaben, die die Natur ihm mitgegeben hat. Von daher braucht der Mensch, um sein übernatürliches Ziel erreichen zu können, eine übernatürliche Hilfe. Die bekommt er in der göttlichen Gabe, die Gnade genannt wird.

Gedenktag


8. Februar 2012

Heute ist der Gedenktag der heiligen Josefina Bakita.
Bakita wurde als junges Mädchen auf Sklavenmärkten gehandelt und landete nach zahlreichen, grausamen Stationen in Venedig. Als ihre Besitzer geschäftlich nach Afrika mussten, brachten sie das Mädchen bei Nonen im Kloster unter. Dort lernte sie den katholischen Glauben kennen. Als die Besitzer sie zurückforderten, weigerten sie und die Schwestern sich. Der Kardinal von Venedig setzte sich dafür ein, Bakita zum freien Menschen zu erklären.
Bakita wurde unter größter Anteilnahme der Bevölkerung von Venedig getauft und durfte nach einer Zeit und mit Sondergenehmigung Ordensschwester werden.
Später unternahm sie zahlreiche Reisen, auf denen sie von ihrem Schicksal erzählte. Sie starb, von schweren Krankheiten geplagt, im italienischen Schio. Die Bewohner der Stadt Venedig zogen in Scharen an ihrem Leichnam vorbei. Ihr Leben wurde zum Gegenstand der Betrachtung und zum Trost für viele.

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8. Februar 2012

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Walross Situps!


8. Februar 2012

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Katholische Fremdwörter Nr. 52: Die Gnade und die menschliche Güte


7. Februar 2012
Der Oberlehrer meint: Was mit fremden Wörtern erklärt wird, bleibt unverstänlich.

Der Oberlehrer meint: Was mit fremden Wörtern erklärt wird, bleibt unverstänlich.

Der heilige Thomas beginnt sein Gnadenkapitel eher ungewöhnlich. Normalerweise beginnt er, wenn er eine Sache erklärt, erst einmal mit der Frage, worum es sich eigentlich genauer handelt.
Als er sich Beispiel beginnt vom Neid zu schreiben, fragt er zunächst, ob der eine Art Traurigkeit sei.
Das Kapitel über die Gottesliebe hebt mit der Frage an, ob sie wohl eine Art der Freundschaft ist.
Es beginnt in der Regel mit einer genaueren Bestimmung dessen, was auf dem Programm steht.

Im Fall des Neides bejaht er übrigens: Der Neid ist sehr wohl eine Form der Traurigkeit, und zwar eine Traurigkeit über die Freude eines anderen. In Sachen Gottesliebe bestätigt er ebenfalls: Das Liebesverhältnis des Menschen zu Gott kann mit Fug Freundschaft genannt werden. Wie das sein kann, erklärt der Lehrer dann auf feine Weise.

Im Kapitel über die Gnade verlässt Thomas sein Schema. Der Leser erfährt in den ersten Erklärungen zwar, dass die Gnade eine Hilfe von Gott ist. Thomas fragt hier allerdings nicht zuerst, was sie genauer ist, sondern wozu der Mensch sie braucht.

Hier werden wir dann auch gleich überrascht: Der Lehrer scheint auf den ersten Blick keine gute Meinung vom Menschen zu haben. Er sagt nämlich, ohne die gnädige Hilfe Gottes könne der Mensch nicht nur nichts Gutes tun, sondern nicht einmal etwas Gutes wirklich wollen! Das dürfte überraschen, denn es unterscheidet sich kolossal von der Selbsteinschätzung des modernen Menschen.

Ich habe den Versuch gemacht. Als mich mein Nachbar einmal bat, ihm an seiner Baustelle zu helfen, gab ich ihm zur Antwort, ich sei zwar ein schlechter Mensch, aber ein guter Handlanger. Mein Gegenüber schaute mich mit großen Augen an und versuchte gleich auf mich einzuwirken, wie wenn man ein weinendes Kind beruhigt; ich sei doch alles andere als ein schlechter Mensch, er würde mich sogar ziemlich gut finden! Ich habe mich dann auch gleich erklärt, ansonsten hätte ich jetzt die Durchwahl seines Therapeuten.
Nach den gewohnten Maßstäben hatte mein Freund wohl Recht. Ich bin beileibe kein besonders guter Kerl, aber wer hierzulande niemanden umbringt und nicht betrügt, wer hin und wieder einen ausgibt, seinen Freunden unter die Arme greift und auch sonst kein Griesgram ist, der gilt schon mindestens als ganz in Ordnung.

Das mag bei den Heiligen wohl auch zutreffen. Unter einem guten Menschen aber verstehen sie offenbar etwas ganz anderes. Als der heilige Philipp in die Jahre kam und vom Sterben sprach, fragte man ihn, ob er dem Allmächtigen nicht das Angebot des heiligen Martin machen wollte. Der hatte dem Herrn gesagt, dass er gern sterben würde, um nach Hause in den Himmel zu können. Wenn es aber noch etwas für ihn zu tun gebe, dann würde er ebenso gern noch weiterleben.
Der heilige Phillip fing an zu weinen und sagte, er könne das Angebot nicht machen, er sei leider nicht von der Sorte Mensch, die Gott für etwas gebrauchen könne.
Der heilige Pfarrer von Ars sagte, die Heiligen könnten sich selbst nicht gut ausstehen, und der heilige Franziskus befahl dem Bruder Leo, ihn mit einem Strick um den Hals durch Assisi zu führen, damit alle sähen, was für ein Esel er sei.

Wir lesen die Geschichten unserer heiligen Helden als fromme Legenden und ihre Einschätzung wird allgemein als überzogene Übung einer noch mehr überzogenen Demut eingeschätzt. Ich glaube, da machen wir einen Fehler.

Alle Heiligen hätten wahrscheinlich jederzeit zugestimmt: Wer ganz in Ordnung ist, der ist schon ganz in Ordnung und mag sich auch beruhigen. Es wird auch gar nicht gut sein, wenn der Mensch zu wenig von  sich hält. Der heilige Thomas kritisiert die Kleinmütigen, die von sich weniger halten, als sie sollten. Besonders der heilige Philipp tadelte die frommen Damen sehr, die sich darin gefielen, diese eigentümliche, vermeintliche christliche Demut an den Tag zu legen.
Thomas spricht eigens von der kräftigenden Tugend der Hochgemutheit, die jene Menschen unbedingt brauchen, die sich klein reden oder für zu klein halten.

Wer in Ordnung ist, der ist schon ganz in Ordnung, und es wird auch seine Ordnung damit haben. Was aber ein wirklich guter Mensch ist, darin haben die Heiligen allerdings eine offensichtlich ganz andere Meinung als der gemeine Zeitgenosse unserer Tage und der Geschmack unserer Zeit. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Heiligen niedrig vom Menschen, sondern dass sie so groß von Gott denken.

In einer Stadt, in der nur Käfer herumfahren, werden alle den mit dem größeren Motor schon schnell finden. Bei einem richtigen Autorennen würden sie allerdings erst erfahren, was wirkliche Geschwindigkeit ist.
Wenn der Mensch nur sein Menschsein als letzten Maßstab nehmen kann, dann ist schon gut, wer einigermaßen Gutes tut. Tritt aber Gott an seine Seite, dann weitet sich der Maßstab ins Unendliche und die Güte bekommt ganz neue Dimensionen, über die wir zu reden haben werden.

Kalt


6. Februar 2012

Da muss sich sogar die Muttergottes warm einpacken.

MutterGottesfriert