Die Liebe ist immer nur Liebe. Reine Liebe ist reine Liebe. Liebe ist immer liebenswert. Gott ist Liebe (1 Joh 4,8). Also ist Gott nur liebenswert, durch und durch. Kann man ihn überhaupt hassen? Sobald wir bedenken, dass die Liebe nicht nur lieb ist, sondern auch Liebes tut, wird es möglich. Jedes Tun nämlich bietet sich der Beurteilung an. Mit anderen Worten: Was immer jemand tut, wir können es gut oder nicht gut finden.

Die Kirche über dem Grab Jesu
Jedem Tun gegenüber können wir eine diese oder jene Haltung annehmen. Deshalb hatten die ungerechten Winzer bei Matthäus (Mt 21) auf die Dauer auch das Problem: Der Gutsbesitzer, den wir betrogen und dessen Sohn wir erschlagen haben, der kommt eines Tages wieder! Er wird zur Bedrohung. So kann es auch für den Ungerechten sein: Die Liebe wird, wenn sie kommt und sich durchsetzt, zur Bedrohung.
„Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.” (Mt 11,29) Wer solches sagt, ist nicht hassenswert. Dennoch entlud sich gegen ihn der Hass in letzter Vollendung. Die Mächtigen fürchteten um ihre Vorzüge: König Herodes ließ alle Knaben in der Gegend um Jesu Geburt umbringen, in der Hoffnung der „König der Juden” sei dabei. (Mt 2) Den Schriftgelehrten und Pharisäern war er ebenso ein Dorn im Auge. Jesus war so schrecklich klar, so grausam ehrlich und so fürchterlich eindeutig. Er hätte wahrscheinlich gar nichts sagen brauchen. Seine Taten allein spiegelten seine Klarheit und zeigten ohne Worte, auf welcher Seite die Wahrheit war, wo Gott wirkte. Er musste weg, weil in seiner Nähe deutlich wurde, dass die religiösen Führer wie die ungerechten Winzer in Jesu Gleichnis waren.
In solchen Situationen beginnt der Hass gegen das Gute, der Aufruhr gegen den Gerechten, das Sammeln der bösen Kräfte gegen die Gerechtigkeit. Es ist möglich, Gott zu hassen. Was aber, wenn der Hass im Herzen bleibt, bis über den Tod hinaus?














