Wenn wir uns genauer mit dem Atheismus beschäftigen wollen, müssen wir erst einmal ein paar Begriffe klären, die wir benutzen. Wir können zum Beispiel den Begriff „Atheist” gar nicht gebrauchen, wie wenn ein Bayern München-Fan über die Anhänger vom VFL Bochum spricht. Der weiß gleich Bescheid und was der andere für, fußballmäßig, für einer ist.
Es gibt nicht einfach „die Atheisten”; es gibt ja auch nicht „die Christen”. Ich habe zum Beispiel einen guten Freund, der glaubt nicht, dass die Welt einen Schöpfer hat. Er glaubt auch nicht, dass unser Leben nach dem Sterben weitergeht. Er ist aber kein Atheist in dem Sinn, wie ich das Wort meine, wenn es hier schreibe. Mein Freund kann sich nicht vorstellen, was ich glaube und wovon ich überzeugt bin. Er glaubt, dass mit dem Sterben alles aus sei, wie wenn der Tod den Stecker des Lebens aus einer Steckdose zieht, “und gut”, wie er sagt.

Jesus appellierte an die zutiefst menschliche Fähigkeit zu glauben.
Man mag meinen Freund vielleicht einen Atheisten nennen. Er selbst bezeichnet sich aber nicht so. Er sagt nur, dass er keinen Glauben hat und wir beiden haben uns darauf geeinigt, dass ich ihn, mit einem Augenzwinkern einen Ungläubigen nenne.
Ich glaube, es geht vielen Menschen wie meinem Freund. Wenn ich in meinem Schreiben von Atheisten spreche, meine ich nicht einfach nichtgläubige Menschen, sondern solche, deren Nichtglauben sich zu einer wirklichen Überzeugung und klaren Meinung verfestigt hat und die sich in dieser Haltung aktiv gegen die Religionen wenden.
Von den Atheisten dieser Art haben sich in letzter Zeit einige hervorgetan, um richtig gegen das religiöse Glauben in der Welt vor zu rücken. Gegen diese Leute, die leider zum Teil nicht besonders fair zu Werke gehen, wollen wir eine Antwort versuchen.
Was nun die sogenannte Naturwissenschaft angeht, müssen wir sehen, dass sie im Grunde zwar nicht atheistisch, aber doch Gottlos ist. Als ich einmal öffentlich darüber sprach und das so sagte, empörte sich ein Gläubiger und murmelte etwas in seinen Bart wie: Dann dürfe man als Christ keine Naturwissenschaft betreiben. Er hatte Unrecht und das müssen wir erklären.
Die Naturwissenschaften sind Gottlos, weil sie Gott mit ihren Mitteln nicht finden, nicht aufspüren, nicht nachweisen können. Sie können das Gegenteil, also, dass es Gott nicht gibt, allerdings auch nicht aus ihrer Wissenschaft behaupten.
Die Naturwissenschaft hält sich nämlich ganz aus der Frage „Gott oder nicht” heraus. Sie kann sie nämlich nicht klären, genauso wenig, wie sie klären kann, in was hinein sich das Universum ausdehnt.
Die Naturwissenschaften bemühen sich, die Welt und ihre Zusammenhänge zu beschreiben. Gott ist aber gar nicht in der Welt, das ist das Entscheidende. In der Welt finden wir nur die Welt selbst und was in ihr passiert. Gott ist im besten Sinn des Wortes über-weltlich; wir nennen ihn deshalb auch über-natürlich.
Wenn ein Naturwissenschaftler zur Brotvermehrung in Palästina gekommen wäre, hätte er nur sagen können, dass da ein Mann war, der gewisse Worte gesprochen hat und dass dann, einen Moment später jede Menge Brot da gewesen ist, was zuvor nicht da war. Die Leute würden ihm gesagt haben, dass das Brot nur plötzlich da war, weil dieser Mann namens Jesus das herbei geführt hat. Aber genau diesen Zusammenhang kann niemand sehen, messen oder festhalten. Es kann auch anders gewesen sein, es ist eine Glaubensfrage.
Der Glaube sagt, das Erscheinen der Brote auf der Erde war die Wirkung auf Jesu Gebet zum Vater und dessen schöpferisches Wirken. Wäre mein ungläubiger Freund auch dabei gewesen, hätte er dagegen halten können, dass die Brote vielleicht auch ohne Jesus und sein Gebet hätten erschienen sein können. Da gibt es nichts, was man derart beweisen kann, dass Zweifel ausgeschlossen bleiben.
Du wirst sagen, es sei aber doch klar: Wenn Jesus ankündigt, dass er Brote machen will, betet und dann die Brote plötzlich da sind, dann muss man ihm das doch glauben! Mag sein, zumindest liegt das nahe.
Die Naturwissenschaft glaubt aber nicht, sie untersucht, mehr nicht; und diesen Zusammenhang zwischen Jesus und den Broten, der kann nirgends und niemals mit naturwissenschaftlichen Mitteln bewiesen werden.
Ebenso ist es mit der Welt als ganzer. Der Glaube sagt, sie verdankt sich der selben Kraft, die die Brote zaubern konnte. Alle Dinge würden existieren, weil Gott wolle, dass sie seien. Auch hier kann keine Wissenschaft den Zusammenhang nachweisen.
Gott ist nur seiner Wirkung nach in der Welt, sagt der heilige Thomas von Aquin. Unser bekanntes Beispiel vom Kiesel in der Sonne greift hier wieder. Ein sonnenwarmer Kiesel ist durch und durch warm, von innen und außen. „Die Sonne war das”, sagen wir und haben Recht. Die Sonne selbst ist aber nicht im Kiesel zu finden, nur ihre Wirkung.
Nun ist die Sonne ein Bestandteil der Welt. Ihr Wirken können wir nachweisen. Gott ist aber kein Bestandteil der Welt. So stehen die Wissenschaftler vor Gott, wie sie da stehen würden, kennten sie die Sonne nicht. Die Wissenschaft und das Handwerk, das sich ihr verdankt, rechnen also nicht mit Gott und das ist auch gar nicht zum Nachteil. Eine Brücke wird nicht schlechter oder besser, wenn ein Gläubiger sie erdacht und gebaut hat. Schlimm wird es nur, wenn gewisse Wissenschaftler uns glauben machen wollen, sie könnten etwas, was sie niemals können werden, nämlich beweisen, dass es Gott gibt oder auch nicht.















Die Scheidung halte ich in dieser Form für falsch. Glaube ist, in gewissem Sinne (mir geht es jetzt nicht um die Definition des Glaubens, sondern um etwas anderes), etwas für wahr zu halten, was man nicht beweisen (religiös gesprochen: schauen) kann.
Es ist aber nicht alles das lediglich Glaube, was man nicht mit den Methoden der experimentellen Wissenschaft verifizieren kann. Den offenkundig nicht naturwissenschaftlichen Satz “A oder nicht A” werde ich ohne weiteres als wahr wissen und nicht nur glauben. (Und ja: “nur glauben” ist keine religionsfeindliche Ausdrucksweise.)
Es ist mir wichtig, das zwischen der Methode des Experiments und dem im Bestfall in kirchlicher Einheit sich vollziehendem Glauben auch noch Platz ist für die Geisteswissenschaft.