Posts mit Tag ‘Christus’

Zur Jungfrauengeburt und dem Glaubensbekenntnis

Samstag, Juni 4th, 2011

Dieser Artikel ist eigentlich ein Kommentar auf einen Blog-Eintrag von Johannes und die darauffolgenden Kommentare. In seinem Blog bezieht sich Johannes auf einen Artikel, in dem u.a. ein Superintendent zitiert wird, der Jesus als Propheten beschreibt und das Glaubensbekenntnis abstoßend findet. Den Artikel findet ihr hier. Da mein Beitrag aber so lang wurde, dachte ich mir, poste ich ihn hier auch nochmal (er ist aber auch weiterhin dort zu lesen):

Ich entdecke eine gewisse Freude, sich über die vorliegenden Äußerungen her zu machen, spätestens im gemeinsamen Freitagsgebet mit den Taliban. Auch wenn ich die Lust daran verstehen kann, würde ich doch die Kirche sprichwörtlich im Dorf lassen.
Da ich nun in dem Artikel direkt angesprochen wurde, möchte ich gerne Stellung beziehen.
Zuerst zu der Frage des Repräsentativen. Natürlich ist das nicht repräsentativ, da es das lutherisch nicht gibt. Jedes Mitglied unserer Kirche darf als Priester, der er oder sie aufgrund des Priestertums aller Gläubigen ist, seine Meinung im Glauben vor Gott vortragen. Es bleibt eine Privatmeinung.
Dennoch gibt das Gesagte in gewisser Weise einen Trend in meiner Kirche wieder. Inwiefern? In seiner wörtlichen Bedeutung gibt es Stellen des Glaubensbekenntnisses, die einige nicht mehr mitsprechen können in ihrem literarischen Sinne. Dabei geht es vorallem um einen Punkt, den auch schon der Artikel zeigt, nämlich die Jungfrauengeburt. Dieses Dogma wird lutherischerseits größtenteils nicht mehr gelehrt. Zum Glück und zu Recht, wie auch ich finde. Angefangen von dem beliebten Übersetzungsfehler ist hier vor allem der legendarische Aspekt dieser Ausschmückung doch nur schwer von der Hand zu weisen. Durch die Jungfrauengeburt soll der Anspruch unterstrichen werden, dass Christus Gottes Sohn ist. Legendarische Ausgestaltung eines christlichen Fakts. Zur damaligen Zeit war „Jungfrauengeburt“ ein beliebtes Stilmittel, um das wunderhafte besonderer Personen zu unterstreichen. Und ein weiteres Problem wird somit beseitigt. Es gab die Theorie, dass die Erbsünde durch die Geburt genetisch weitervererbt wird, seit dem ersten Menschen. Durch die Legende der Jungfrauengeburt wird auch dieses Problem „gelöst“. Aber ganz ehrlich, es kann doch nicht mehr unser Ansinnen sein, Legenden und Wundergeschichten zu gebrauchen, um die Sohnschaft Christi zu erklären.
Ich könnte noch weiter in dieses Thema einsteigen, meine Argumente ausführen, aber leider habe ich kaum noch Zeit und möchte mich noch kurz eins zwei anderen Themen zuwenden. Als Deutung aber gefielen mir die Ausführungen von Bischöfin Jespen in dem Interview der TAZ sehr gut: „Wir Protestanten bekennen im Glaubensbekenntnis ja auch: “Geboren von der Jungfrau Maria.” Das kann ich gut nachsprechen, weil ich die Glaubensaussage teile, dass Jesus von Anfang an von Gott gewollt, in die Welt geschickt und ein besonderer Mensch ist, der Himmel und Erde miteinander verbindet. Da interessiert mich die biologische Wertung überhaupt nicht.“ Eben dadurch bleibt der unendliche Schatz des Apostolicums bewahrt, aber es werden literarische und historische Funde mit einbezogen. Und Frau Jespen hat die redliche Aufgabe nicht unterlassen, zu erklären anstatt wie die Herren auf dem Kirchentag, einfach über Bord zu werfen.
Ein weiter Punkt war von dem Herrn Superintendent die Aussage, dass Jesus nur Prophet gewesen sei. Rein historisch betrachtet war es so. Jesus war einer dieser Wanderprediger, die sich selbst für den Messias hielten, wo es zu seiner Zeit unzählige von gab. Um aber nicht bei diesem rein historischen Bild stehen zu bleiben, was den Glauben auslöschen würde, wie eben bei jenem Herrn, bedarf es aber eben des Zeugnisses im und durch den Glauben. Erst durch den Glauben der Jünger, die der Auferstehung teilhaftig wurden, begann die Überlieferung von Jesus. Diesen Glauben zu erhalten ist die Aufgabe eines jeden Theologiestudenten (ich bin doch sehr verwundert über das Erstaunen von Alpius in seinem Blog, dass einer der Herren ausgerechnet im Studium seinen Glauben verlor), vielleicht eines jeden Gläubigen. Diese Aufgabe darf aber in meinen Augen nicht bedeuten, besonders für einen Amtsträger der Kirche, historische und literarische Erkenntnisse zu verneinen und sich in den reinen Wortglauben zu flüchten.
Hat man eine solche Integration in seinen Glauben nicht leisten können, sollte man sich meiner Meinung nach fragen, inwieweit man noch für den Dienst in der Kirche bestimmt ist, so wie der zitierte Superintendent.

Der Einwand gegen unseren Glauben – Theodizee

Montag, Dezember 6th, 2010

Die Theodizeefrage wird gemeinhin als DER Einwand gegen den christlichen Glauben gesehen. Ja, eigentlich gegen jeden Glauben, der sich an einen allmächtigen, gütigen Gott richtet. Aber gerade für uns, die wir an den personifizierten Gott der Liebe glauben, erscheint das als Problem – aber ist es das?

Viele Versuche sind unternommen worden, das Böse und unsere Vorstellungen von Gott zu vereinen. Von der Antike über die Reformatoren bis in die Gegenwart. Von der recht simplen Erklärung, alles auf den freien Willen zurückzuführen, über die beste aller möglichen Welten bis hin zu einer Verneinung Gottes. Und natürlich der Klassiker, das Leid zu verneinen, dem Menschen seine Leiderfahrungen abzusprechen, wie es schon die Freunde des Hiobs versucht haben. Aber ist diese Frage überhaupt ein Einwand gegen unseren Glauben?

Das erste Problem ist, so denke ich, schon in dem Versuch einer Rechtfertigung Gottes begründet. Wie soll das möglich sein? Wie soll der Mensch ein Urteil über den fällen, der so unendlich größer ist? Wie ihn abschließend erklären können? Die Bibel sieht diese Unmöglichkeit und Paulus bennent sie klar. Aber heißt das nun, Augen zu und durch?

Wir glauben an die Verheißungen Gottes, die er uns spätestens in Jesus versprochen hat. Wir glauben an den Gott, der uns das Vater Unser in den Mund gelegt hat und mit seinem Namen für dessen Erfüllung einsteht. Und wir glauben an den Gott, der weiß, was es heißt zu leiden. Der Mensch geworden ist und sich in der Kreuzigung der Macht der Sünde und des Bösen ausgesetzt hat. Was soll tröstlicher und tragender sein? Vor allem aber hat Gott in Christus bewiesen, dass er es nicht beim Tod belässt. Das Leid und der Tod haben nicht das letzte Wort über unser Leben. In der Verherrlichung, im Leben danach, werden alle Tränen abgewischt und alle Zweifel beseitigt sein. Dann wird jedes “Warum” weggegwischt sein.

Für mich ist eine solche christliche Beantwortung der Theodizee keine reine Vertröstung. Die lebensstiftende Kraft, die Gott im Leiden Christi offenbart hat, ist ja keine, die erst nach dem Tod wirkt. Sie wirkt jetzt. Im Hier und Heute. Sie ist es, die mir ermöglicht, mit dem, was mir widerfährt, umzugehen. Sie ist es, die meinem Leben Sinn gibt, den guten wie den schlechten Erfahrungen.

Glauben heißt, auf völlige Verstehbarkeit Gottes zu verzichten. Einzuräumen, dass dies dem Menschen nicht möglich ist. Glauben heißt aber auch, nichts zu leugnen. Weder die Gotteserfahrung zu leugnen, die mein Leben bestimmt. Nicht all die Argumente zu leugnen, die zwingend auf einen allmächtigen und gütigen Gott verweisen. Nicht zu leugnen, dass die Verneinung eines Gottes meiner Vernuft komplett zuwider ist. Aber auch nicht zu leugnen, dass es diese momente des vollkommenen Gefühls der Gottesverlassenheit gibt. Nicht zu leugnen, dass es Momente gibt, in denen ich nur Gründe habe, Gott anzuklagen anstatt ihn zu loben. Nicht zu leugnen, dass es Momente gibt, in denen ich nichts anderes als Schmerz fühlen kann. Aber zu wissen, dass Gott das letzte Wort haben wird.

Glaube?!?

Donnerstag, November 4th, 2010

In einem sind sich fast alle christlichen Kirchen einig: Auf den Glauben kommt es an! Ob dieser nun allein reicht und notwendig ist, um das ewige Leben zu erlangen, oder ob man doch noch ein bisschen dies oder das dazu tun kann oder sogar muss, ist fast nebensächlich. Der Glaube hat ein Alleinstellungsmerkmal. Durch ihn wird die Macht des Todes gebrochen, der Mensch erst in die Lage versetzt, ein besserer zu werden, durch ihn werden wir Kinder Gottes. Aber was heißt es eigentlich, zu glauben?

Ich weiß noch, wie einmal eine Freundin weinend vor mir saß und sagte: “Ich weiß einfach nicht, ob ich wirklich glaube, auch wenn ich mir es so wünsche.” Oder eine andere einmal sagte: “Ich weiß nicht, ob ich immer noch glaube. Manchmal habe ich Angst, dass mein Glaube weg ist.” Und natürlich ein Freund, der behauptete: “Ich würde so gerne glauben, aber ich glaube, ich kann es einfach nicht.”

Also wie genau ist das jetzt? Gibt es einen Grad des Glaubens, ab dem man sicher sein kann, zu glauben? Oder gibt es Maßstäbe, Kriterien, nach denen man sagen kann: “Ok, ich glaube.”

Den Glauben zu beurteilen, den eigenen oder einen fremden, ist dem Menschen nicht möglich, sondern rein Gott vorbehalten. Er ist nichts, das äußerlich sichtbar ist. Zwar schafft der Glaube einen besseren Menschen, aber ein besserer Mensch zeigt noch lange keinen Glauben. Zwar schenkt der Glaube Hoffnung, die Zweifel und Ängste aushalten kann, aber ein ängstlicher oder zweifelnder Mensch ist noch lange nicht ungläubig. Ich denke, dass der Glaube eine Ahnung ist. Eine Ahnung, dass es etwas Größeres gibt, das Sinn stiftet, Sinn ermöglicht. Eine Ahnung, dass das irdische Leben nicht alles ist. Der Glaube ist etwas, das mir meine Schwächen aufzeigt und mir hilft, sie auszuhalten. Der Glaube gibt mir eine Ahnung, dass da eine Liebe ist, eine Liebe, die mich einschließt, die so grenzenlos ist, dass sie Kreuz und Tod überwunden hat.

Man kann den Glauben nicht erlernen. Man kann ihn auch nicht erzwingen. Aber ich glaube fest daran, dass allein schon der Wunsch, zu glauben, oder die enhrliche Angst, doch nicht glauben zu können, schon Ausdruck dieser Ahnung ist. Dass in einem solchen Menschen der Glaube an die Liebe des dreeinigen Gottes bereits angebrochen ist.

Glauben

Mittwoch, Juli 21st, 2010

Was heißt es eigentlich zu glauben? Eigentlich eine der elementarsten und doch irgendwie schwierigsten Fragen, finde ich. Für mich bedeutet es, dass der Glaube an den einen Gott, der sich in Tod und Auferstehung Christi offenbart hat, unser Leben in seinen Grundvollzügen bestimmt. Dass er unser Denken ändert, auf Gott hin. Dass er unser Fühlen ändert, vom Kreuz her. Dass er unser Handeln verändert, Christi nachfolgend. Dass er in all unseren Lebensvollzügen sichtbar wird, im sonntäglichen Gottesdienstbesuch wie bei Aldi an der Kasse. Dass wir nur eins wollen. Im Segen Gottes wandeln. Nie mehr von ihm getrennt sein. Von seiner Liebe getragen sein. Uns seinem Willen unterordnen. Dass wir uns nur eins wünschen, dass er unser Leben heiligt, zu einem Lobpreis seiner Herrlichkeit.

kreuz