Dieser Artikel ist eigentlich ein Kommentar auf einen Blog-Eintrag von Johannes und die darauffolgenden Kommentare. In seinem Blog bezieht sich Johannes auf einen Artikel, in dem u.a. ein Superintendent zitiert wird, der Jesus als Propheten beschreibt und das Glaubensbekenntnis abstoßend findet. Den Artikel findet ihr hier. Da mein Beitrag aber so lang wurde, dachte ich mir, poste ich ihn hier auch nochmal (er ist aber auch weiterhin dort zu lesen):
Ich entdecke eine gewisse Freude, sich über die vorliegenden Äußerungen her zu machen, spätestens im gemeinsamen Freitagsgebet mit den Taliban. Auch wenn ich die Lust daran verstehen kann, würde ich doch die Kirche sprichwörtlich im Dorf lassen.
Da ich nun in dem Artikel direkt angesprochen wurde, möchte ich gerne Stellung beziehen.
Zuerst zu der Frage des Repräsentativen. Natürlich ist das nicht repräsentativ, da es das lutherisch nicht gibt. Jedes Mitglied unserer Kirche darf als Priester, der er oder sie aufgrund des Priestertums aller Gläubigen ist, seine Meinung im Glauben vor Gott vortragen. Es bleibt eine Privatmeinung.
Dennoch gibt das Gesagte in gewisser Weise einen Trend in meiner Kirche wieder. Inwiefern? In seiner wörtlichen Bedeutung gibt es Stellen des Glaubensbekenntnisses, die einige nicht mehr mitsprechen können in ihrem literarischen Sinne. Dabei geht es vorallem um einen Punkt, den auch schon der Artikel zeigt, nämlich die Jungfrauengeburt. Dieses Dogma wird lutherischerseits größtenteils nicht mehr gelehrt. Zum Glück und zu Recht, wie auch ich finde. Angefangen von dem beliebten Übersetzungsfehler ist hier vor allem der legendarische Aspekt dieser Ausschmückung doch nur schwer von der Hand zu weisen. Durch die Jungfrauengeburt soll der Anspruch unterstrichen werden, dass Christus Gottes Sohn ist. Legendarische Ausgestaltung eines christlichen Fakts. Zur damaligen Zeit war „Jungfrauengeburt“ ein beliebtes Stilmittel, um das wunderhafte besonderer Personen zu unterstreichen. Und ein weiteres Problem wird somit beseitigt. Es gab die Theorie, dass die Erbsünde durch die Geburt genetisch weitervererbt wird, seit dem ersten Menschen. Durch die Legende der Jungfrauengeburt wird auch dieses Problem „gelöst“. Aber ganz ehrlich, es kann doch nicht mehr unser Ansinnen sein, Legenden und Wundergeschichten zu gebrauchen, um die Sohnschaft Christi zu erklären.
Ich könnte noch weiter in dieses Thema einsteigen, meine Argumente ausführen, aber leider habe ich kaum noch Zeit und möchte mich noch kurz eins zwei anderen Themen zuwenden. Als Deutung aber gefielen mir die Ausführungen von Bischöfin Jespen in dem Interview der TAZ sehr gut: „Wir Protestanten bekennen im Glaubensbekenntnis ja auch: “Geboren von der Jungfrau Maria.” Das kann ich gut nachsprechen, weil ich die Glaubensaussage teile, dass Jesus von Anfang an von Gott gewollt, in die Welt geschickt und ein besonderer Mensch ist, der Himmel und Erde miteinander verbindet. Da interessiert mich die biologische Wertung überhaupt nicht.“ Eben dadurch bleibt der unendliche Schatz des Apostolicums bewahrt, aber es werden literarische und historische Funde mit einbezogen. Und Frau Jespen hat die redliche Aufgabe nicht unterlassen, zu erklären anstatt wie die Herren auf dem Kirchentag, einfach über Bord zu werfen.
Ein weiter Punkt war von dem Herrn Superintendent die Aussage, dass Jesus nur Prophet gewesen sei. Rein historisch betrachtet war es so. Jesus war einer dieser Wanderprediger, die sich selbst für den Messias hielten, wo es zu seiner Zeit unzählige von gab. Um aber nicht bei diesem rein historischen Bild stehen zu bleiben, was den Glauben auslöschen würde, wie eben bei jenem Herrn, bedarf es aber eben des Zeugnisses im und durch den Glauben. Erst durch den Glauben der Jünger, die der Auferstehung teilhaftig wurden, begann die Überlieferung von Jesus. Diesen Glauben zu erhalten ist die Aufgabe eines jeden Theologiestudenten (ich bin doch sehr verwundert über das Erstaunen von Alpius in seinem Blog, dass einer der Herren ausgerechnet im Studium seinen Glauben verlor), vielleicht eines jeden Gläubigen. Diese Aufgabe darf aber in meinen Augen nicht bedeuten, besonders für einen Amtsträger der Kirche, historische und literarische Erkenntnisse zu verneinen und sich in den reinen Wortglauben zu flüchten.
Hat man eine solche Integration in seinen Glauben nicht leisten können, sollte man sich meiner Meinung nach fragen, inwieweit man noch für den Dienst in der Kirche bestimmt ist, so wie der zitierte Superintendent.






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